Mit Kraft und Köpfchen

Mit Kraft und Köpfchen

Leipheim. Bestenfalls entsteht aus Not Geniales. Hier war es, wie die Treffpunkt.Bau-Redaktion persönlich erfuhr, die Platznot enger und niedriger Montagehallen, die den Erfindergeist weckte. Auf einem Bierdeckel skizzierte der Kranbediener Walter Biedenbach seinen ersten Entwurf für einen Kran, der sich wie ein liegender Riese flach macht und mit enormer Reichweite und Kraft dorthin greift, wo keine andere Maschine hinlangt. Bei der Idee blieb es nicht. Biedenbach baute diesen kolossalen Kran und gründete 1997 sein Unternehmen, mit dem er Dinge bewegt, die für andere zu groß, schwer, sperrig oder schlicht unerreichbar sind.

 

Mit den Aufgaben gewachsen

Die ersten Aufträge für das junge Unternehmen kamen zum Beispiel von Metallbetrieben, wo es galt, die empfindliche und teure CNC-Maschine durchs schmale Hallentor zu hieven und das schwere Stück zentimetergenau zu positionieren. Heute zählt die Biedenbach GmbH zahlreiche der IG Metall angeschlossene Industrieunternehmen zu ihren Kunden. Großaufträge mit knappen Terminvorgaben und Maschinenmontagen bei laufender Produktion gehören zum Tagesgeschäft. Und es kamen weitere Leistungen hinzu. Knifflige Transportaufgaben, egal ob zu Lande, Wasser oder Luft, löst Biedenbach ebenso routiniert und zuverlässig wie logistische Herausforderungen. Güter bis 150 T werden in der eigenen beheizten Halle eingelagert und termingerecht an ihren Bestimmungsort geliefert, weltweit.

 

Starke Partner gesucht – und gefunden

Biedenbachs Kernkompetenz waren und sind aber die Spezialkrane und die damit möglichen komplizierten Montageaufträge. So ein noch nie zuvor gebauter Gigant wächst natürlich nicht in der eigenen Tüftlerwerkstatt heran. Biedenbach suchte und fand Know-how-starke Partner. Zusammen mit Wolf (damals Importeur für Effer-Krane in Deutschland), Effer und Mafi stellte Biedenbach 1997 den ersten „WEMB“-Mobilkran auf ein Niedrigflurfahrgestell, ein 108-mxt-Modell. In Fahrposition mit eingeklapptem Ausleger misst der „WEMB“ nur 2.900 mm in der Höhe, 6.900 mm in der Länge und ist mit 2.000 mm nicht breiter als ein herkömmlicher Pkw. Dieses kompakte Kraftpaket leistete damals schier Unglaubliches: Voll ausgebaut streckt sich der Ausleger auf bis zu 32 m Höhe oder 29 m Weite. Bei dieser Ausladung stemmt er immer noch 1.650 kg, könnte also eine verkantete Familienkutsche aus der hintersten Ecke der Tiefgarage angeln, und das bequem von der Einfahrt aus. Mit diesem Kran konnte die Firma Biedenbach der Industrie einzigartige Montageleistungen anbieten. Und die sind heute stärker nachgefragt denn je. Jeder Auftrag wird individuell zusammen mit dem Kunden geplant. Ob eine einzelne Maschinenumsetzung oder eine komplette Betriebsverlagerung: Biedenbach hat die Kompetenz und Kapazität, schnelle und professionelle Lösungen zu finden und umzusetzen.

 

Effer for ever

Die enormen Hebelkräfte, die bei Hubarbeiten mit weiten Auslagen wirken, erfordern eine besonders solide Konstruktion, die auch bei Höchstlast nicht einknickt. Zudem muss sich der Ausleger für den Transport des Krans und beim Manövrieren in der Halle so klein wie möglich zusammenklappen lassen. Kompaktheit, Kraft und Zuverlässigkeit unter extremen Bedingungen, diese Anforderungen erfüllen die Krane von Effer in idealer Weise, davon ist Walter Biedenbach nach zwanzig Jahren in diesem Geschäft mehr denn je überzeugt. Zwei Effer-Konstruktionen hat er momentan im Einsatz. 2013 erwarb er einen Effer 1750 6S + 6S HD JIB Kran. Der Clou daran: Das raffiniert konstruierte Hebetalent passt exakt auf eine Tridem-Schwerlastzugmaschine. Seine Arbeit kann er direkt von dort aus verrichten und ist somit hochmobil. Der 1750er kann sich mit seinen Hydraulikstützen aber auch von der Zugmaschine lösen und ist dann dank Generator autark im Einsatz. Der neueste Kran bei Biedenbach ist ein Effer 1355 7S + 6S HD. Er ersetzt seit 2016 das altgediente „WEMB“ 108-mxt-Modell. Vom Kranspezialisten Swen Buttke der Firma HTS Cranes wurde der Neue um eine Spezialsteuerung ergänzt und das Niedrigflurfahrgestell seines Vorgängers generalüberholt. Ein Beweis, dass das vor zwanzig Jahren von Walter Biedenbach skizzierte Konzept bis heute unübertroffen ist, um schwere Lasten auf kleinstem Raum zu bewegen.

 

Text: Peter Hebbeker

Fotos: Bernd Mair, Walter Biedenbach

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