Stihl – Technologiesprung an die Spitze

Stihl – Technologiesprung an die Spitze

Dieburg. Neue Produkte, starke Kampagnen und weitere Investiti­onen hat wiederum die Stihl-Gruppe im Visier. So ist der schwäbi­sche Hersteller von motorgetriebenen Geräten für die Forst- und Landwirtschaft, die Landschaftspflege sowie für die Bauwirtschaft gut aufgestellt, um 2019 erneut zu einem Spitzenjahr im heimi­schen Markt werden zu lassen. Der Geschäftsführer der deutschen Vertriebszentrale in Dieburg, Heribert Benteler, sprach darüber im Treffpunkt.Bau-Interview mit Rainer Oschütz.

 

Herr Benteler, Stihl bleibt in Deutschland weiter auf Wachstumskurs, hieß es zur traditionellen Pressekonferenz im September 2018. Neue Produkte, starke Kampagnen und weitere Investitionen wurden als Treiber dieser Entwicklung auch für den deutschen Markt genannt. Geht diese ‚Rechnung‘ 2019 auf?

Heribert Benteler: Davon bin ich auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt im Jahr überzeugt. So wird unsere neue MS 500i, die welt­weit erste Motorsäge mit elektronischer Einspritzung, auf dem Markt ein richtiger ‚Kracher‘ werden. Erste Anwender loben nicht nur ein­hellig das geringere Gewicht der Säge gegenüber vergleichbaren Produkten, sondern auch die hohe Leistungsfähigkeit – beides zu­sammen führt zu einem Leistungsgewicht von 1,24 Kilogramm pro Kilowatt. Dieser beispielhaft niedrige Wert ist bei Serienmotorsägen bisher unerreicht. Außerdem verleiht die Stihl Injection-Technologie der Motorsäge eine enorme Durchzugskraft und sorgt für eine ra­sante Beschleunigung der Sägekette von 0 auf 100 km/h in nur 0,25 Sekunden. Eine weitere Weltneuheit ist der Trennschleifer TS 440 mit seiner QuickStop-Trennscheibenbremse – eine Funktion, die in die­ser Form einzigartig ist. Dadurch kann der Scheibenschutz weiter als bisher verstellt werden. Durch die erweiterte Schutzverstellung wird die Schnittführung auf engem Raum beim Trennen von Rohren, in Ecken und bei Wandschnitten deutlich erleichtert. Das bedeutet, dass wir mit diesen neuen Produkten in unserem klassischen Ge­schäft mit Motorsägen und Trennschleifern im wahrsten Sinne des Wortes einen Technologiesprung gemacht haben.

 

Was erwarten Sie für das laufende Geschäftsjahr, das mit der bau­ma in München für die Bauwirtschaft und natürlich auch für Teile des Garten– und Landschaftsbaus von Bedeutung ist?

Heribert Benteler: Sowohl die neue Motorsäge MS 500i als auch der Trennschleifer TS 440 werden bei der kommenden bauma zu den Highlights auf dieser weltgrößten Leistungsschau für Baumaschinen gehören. Natürlich stehen dort vor allem die großen Baumaschinen im Mittelpunkt des Geschehens. Doch wie die zurückliegenden Messen gezeigt haben, sind unsere Geräte für die Baustellen sehr gefragt. Wir erwarten auch diesmal eine hohe Frequenz von interes­sierten Fachleuten und Besuchern aus der Baubranche an unserem Stand in Halle A1, Stand 327. Stihl wird weiterhin in Forschung und Entwicklung einiges investieren, um auch künftig mit neuer Technik die Arbeit am Bau zu erleichtern. Für viele unserer Vertriebspartner – Fachhändler wie auch Vermieter – ist die bauma natürlich auch ein wichtiger Handelsplatz. So sprechen wir zu den Messetagen nicht nur die Endkunden an, sondern präsentieren unsere Gerätetechnik auch den Fachhändlern in der gesamten Baubranche. Insgesamt er­warten wir auf die Baubranche bezogen für 2019 eine große Nach­frage. Über die bereits genannten Neuheiten hinaus gehört dazu auch der Akku-Trennschleifer TSA 230. Seit seiner Markteinführung vor etwa vier Jahren wird die Akku-Technologie auf den Baustellen immer beliebter. Nach anfänglicher Skepsis der Anwender hat sich der Absatz des TSA 230 sehr erfreulich entwickelt. Der Trennschlei­fer-Markt wächst seit einigen Jahren, und wenn Stihl dann zusätz­lich noch Innovationen wie den TS 440 und den TS 500i – letzterer verfügt wie unsere neueste Benzinmotorsäge über die Stihl Injecti­on-Technologie – anbieten kann, dann haben wir weitere Argumen­te für unsere Kunden, die Geräte einzusetzen. Auch in diesem Jahr wird die nach wie vor boomende Baubranche für uns als Hersteller ein wichtiger Impulsgeber sein.

 

Gilt das auch für die ‚grüne Branche‘?

Heribert Benteler: Durch Trockenheit, die wir 2018 erlebt haben, sieht die Welt im Segment der Produkte für den Garten- und Land­schaftsbau und für private Nutzer unserer Erzeugnisse etwas anders aus. Hier hat der Handel hohe Bestände zu verzeichnen. Das eine oder andere Produkt konnte wohl nicht verkauft werden, weil zum Beispiel die Hecke nicht so in dem Umfang wuchs, wie sie in nor­malen Jahren sonst wächst. In der Summe der verkauften Geräte wie Rasenmäher, Freischneider oder Heckenschere verspürten wir einen durch die Witterungsbedingungen bedingten Rückgang. Was sich natürlich auf die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr auswirkte. Für dieses Jahr gehen wir von einem ganz normalen Ab­satzwachstum aus. Als Treiber erweist sich dabei der Akkubereich, in dem wir vom Sortiment her fast über alle Anwendungsbereiche bestens aufgestellt sind. Ein weiterer Grund für die positive Prognose ist der Markenwechsel. Wie Sie wissen, vertreiben wir ab diesem Jahr unsere Produkte nur noch unter der Marke Stihl, unsere Marke Viking wird nicht mehr weitergeführt. Wir rechnen damit, dass wir dadurch 2019 ein deutliches zusätzliches Wachstum erreichen können.

 

In Dieburg wurde nicht nur SAP erfolgreich eingeführt, sondern auch ganz aktuell die B2B-Plattform für Ihre Handelspartner KISS 3. Wie ist der Stand dieser Entwicklung?

Heribert Benteler: Für Stihl hat sich die Frage gestellt: Was wollen wir mit den neuen technologischen Möglichkeiten in Zukunft zu­sätzlich besser machen, die uns jetzt SAP und das neue KISS3 bie­ten? Diese prozessualen Vorteile für uns als Hersteller bis hin zum Kunden arbeiten wir gegenwärtig heraus. SAP/KISS3 ist nicht nur ein System, das wir am Standort Dieburg haben, sondern es ist für Stihl eine Gruppenlösung. Damit verbessern wir durch schlanke Kommunikation und abgestimmte Prozesse die weltweite Zusam­menarbeit von der Produktion bis zum Verkauf. Der Kunde profitiert zunehmend von diesen Optimierungen durch eine noch größere Verlässlichkeit und noch bessere Services.

 

Der Akku-Bereich hat sich in den vergangenen Jahren stark entwi­ckelt. Welche Rolle spielt für Stihl dabei der deutsche Markt?

Heribert Benteler: Wir haben unser Akku-Sortiment in den ver­gangenen zwei Jahren kontinuierlich ausgebaut. In den Augen der Verbraucher – Profi oder Privat – wurden die Akku-Geräte schnell als relevant und absolut vergleichbar mit Benzin-Geräten erkannt. Eine Ausnahme bilden im Moment lediglich noch Anwendungen, die eine hohe Leistung und Autonomie benötigen, dazu zählen beson­ders leistungsstarke Motorsägen und Trennschleifer. Unsere Beob­achtungen auf dem deutschen Markt zeigen jedoch, dass der Boom der Akku-Geräte nicht gleichzeitig den Ersatz der Benzin-Geräte be­deutet, sondern eher kabelgebundene Elektro-Geräte substituiert werden. Eine Entwicklung, die man so erwarten konnte.

 

Stihl investierte in Dieburg in den vergangenen Jahren unter ande­rem in ein Logistik- und in ein Weiterbildungszentrum. Reichen die aktuellen Kapazitäten bei steigendem Wachstum noch aus?

Heribert Benteler: Gegenwärtig sind wir gut aufgestellt. Doch die­se Position ist kein Ruhekissen. Natürlich werden wir auch weiter­hin verstärkt Investitionen tätigen, um die Anforderungen unserer Kunden an uns jederzeit zu erfüllen. Als nächstes Ziel haben wir demnächst die Grundsteinlegung für ein Fertigwaren-Logistikge­bäude hier in Dieburg im Visier. Nach Inbetriebnahme werden wir die bisherigen Bestandsgebäude dazu nutzen, um unter anderem dem wachsenden Platzbedarf im Zubehör- und Ersatzteilgeschäft begegnen zu können. Mit dieser logistischen Erweiterung sowie durch ein in den kommenden Jahren geplantes neues zusätzliches Vertriebsgebäude an diesem Standort werden wir nicht nur der steigenden Anzahl von neuen Geräten, sondern auch dem damit verbundenen Dienstleistungsanspruch gerecht. Dazu gehört auch ein zentraler Reparaturservice für unsere Fachhändler, der erfreulich wächst. Die Fachhändler erkennen, dass sie insbesondere in Bedarfs­spitzen durch diese Unterstützung Entlastung erhalten. Bei diesen Reparaturen für Elektro- und Akku-Geräte fungieren wir lediglich als Dienstleister für unsere Händler, denn sie sind und bleiben die allei­nigen Ansprechpartner für Stihl-Kunden.

 

Im Stammhaus wurde vor mehr als einem Jahr ein Team gebildet, das sich mit der Umsetzung der Digitalisierungsstrategie in allen Bereichen beschäftigt. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für die Vertriebszentrale in Dieburg?

Heribert Benteler: Die Digitalisierung begleitet uns schon seit ei­nigen Jahren. Dafür haben wir unterschiedliche Strategien heraus­gearbeitet. Dieses Thema entwickelt sich für Stihl in den nächsten Jahren zu einem Wachstumstreiber für neue Produkte und Anwen­dungen, dabei wird der Kundennutzen stets im Vordergrund stehen. Chancen sehen wir in der gesamten Wertschöpfungskette von der Lieferung bis hin zum Service der Produkte. Ein aktuelles Kernthe­ma ist dabei die Vernetzbarkeit unserer Geräte. Ein Beispiel sind die App-gesteuerten iMow Mähroboter, die einen überzeugenden Be­dienkomfort bieten. Aber auch unsere cloudbasierte Systemlösung ‚Stihl connect pro‘ zeigt auf, welche Potenziale sich durch digitale Anwendungen erschließen lassen. Zentrales Element ist dabei der Stihl Smart Connector. Montiert auf einem Motorgerät erfasst die­ser die Betriebsstunden und übermittelt sie über die Stihl App auf Smartphone oder Tablet an die Stihl Cloud als zentralem Datenspei­cher. Die Daten sind dann für den Anwender über das Stihl connect pro Portal zur Auswertung verfügbar. Das Management einer Gerä­teflotte wird so deutlich erleichtert und bietet einen neuen Nutzen für diese komplexe Aufgabe. Unter anderem ermöglicht dies die Planung von Wartungsterminen, was wiederum Ausfallzeiten mi­nimiert. Die bauma-Besucher sind herzlich eingeladen, an sich an unserem Messestand von den Vorteilen von ‚Stihl connect pro‘ zu überzeugen. Doch nicht nur für die Produkte selbst, auch beim Ser­vice im Fachhandel sollen die Chancen der Digitalisierung künftig vermehrt genutzt werden. Man muss kein Prophet sein, um voraus­zusagen, dass uns die Digitalisierung in Zukunft noch viele Betäti­gungsfelder eröffnen wird.

 

 A1.327

 

Text: Rainer Oschütz

Bilder: Rainer Oschütz, Stihl

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