Scania/SAF-Holland – Kraft im Kreuz per Knopfdruck

Scania/SAF-Holland – Kraft im Kreuz per Knopfdruck

Lauben. 2.000 Nm zusätzliches Drehmoment aktiviert René Seckler, Press Test Officer und Produktmanager bei Scania, mit einem Knopf in der Kabine seines ohnehin bärenstarken Scania R 500 XT. Die Extrakraft kommt – recht ungewohnt – von ganz hinten. Die letzte der drei Trailerachsen des Zugs ist eine SAF Intra CD Trak. Mit knallharten 350 bar pumpt der Scania flüssige Power in die Hydraulikmotoren, die in den Radnaben der angetriebenen Achse stecken. Was das bringen soll? Traktion genau dort, wo die tonnenschwere Ladung drückt. Wie sehr der 4×2-Scania von der zuschaltbaren Antriebsachse im Trailer profitiert, demonstrierte uns René Seckler in der Kiesgrube der Laubener Firma Brutscher Kies- und Splittwerk.

 

Warum bilden die Scania 4×2-Zugmaschine und der mit SAF Intra CD Trak Achse ausgestattete Trailer ein ideales Gespann?

René Seckler: Wir zeigen hier eine gute Kombination hinsichtlich der Gesamtwirtschaftlichkeit. Der Kunde profitiert zum einen durch die sparsamen Motoren und das niedrige Fahrzeuggewicht unserer Scania 4×2-Zugmaschinen. Zum anderen profitiert er im Bedarfsfall von der zusätzlichen Traktion der hydraulisch angetriebenen SAF Trailerachse. In dieser Zusammenstellung können trotz des Verzichts auf eine 4×4-Zugmaschine auch anspruchsvolle Geländebedingungen gemeistert werden. Wir haben hier also insgesamt eine gute und vor allem wirtschaftlich interessante Alternative zu den teureren und schwereren 4×4-Zugfahrzeugen. Das gilt besonders dann, wenn man bedenkt, dass der Trailer mindestens zwei, häufig auch drei Fahrzeuge ‚überlebt‘. Einen zusätzlichen Wartungsaufwand erzeugt die SAF Intra CD Trak Achse nicht, sodass hier keine versteckten Kosten lauern.

 

Die hydraulisch angetriebene Trailerachse ist eine Nischenlösung. Für welche Anwendungszwecke ist die Kombination mit einer 4×2-Zugmaschine geschaffen?

René Seckler: Die SAF Intra CD Trak Achse kann prinzipiell in jeden Trailer oder Anhänger eingebaut werden und das herstellerübergreifend. Wir bei Scania sehen die Vorteile dieser Kombination vor allem im Schüttgutbereich. Auf losem Untergrund liefert die angetriebene Trailerachse oftmals genau die Traktion, die der 4×2-Zugmaschine fehlt.

 

Welche Vorrüstungen an der Zugmaschine sind für den Einsatz der angetriebenen Trailerachse erforderlich?

René Seckler: Bei Scania kann der Kunde sein Zugfahrzeug ab Werk mit der nötigen Ausstattung bestellen. Verbaut werden dann in der Kabine die nötigen Schalter für die Bedienung der SAF Achse und die Fahrzeugelektronik erhält eine entsprechende Programmierung. Außerdem sollte eine Hydraulikanlage mit großem 200-l-Tank verbaut werden. Das zusätzliche Ölvolumen sorgt für Kühlung. Bei Scania erhält der Kunde auch noch eine etwas stärkere Nebenantriebspumpe. Der Kunde kann zudem wählen, ob die Achse mit einem motor- oder getriebeseitigen Nebenantrieb angesteuert wird. Unserer Erfahrung nach hat der motorseitige Nebenantrieb Vorteile, denn er kann während der Fahrt zu- und abgeschaltet werden. Beim getriebeseitigen Nebenantrieb muss zuerst das Fahrzeug angehalten werden, um die Achse aktivieren zu können. Das raubt einem in kritischen Situationen den nötigen Schwung. Das Ankuppeln des Trailers funktioniert dann wie gewohnt ohne zusätzlichen Aufwand. Die Hydraulik versorgt sowohl den Kippzylinder als auch die Achse. Die Verzweigung erfolgt im Trailer. Die nötigen Bauteile werden zusammen mit der SAF Intra CD Trak Achse vom Trailerhersteller eingebaut.

 

Was leistet die SAF Intra CD Trak und an welcher Achsposition bringt sie die beste Traktion?

René Seckler: Die Achse wird mit 350 bar Hydraulikdruck vom Zugfahrzeug angesteuert. Damit erreicht sie eine Höchstleistung von rund 2.000 Nm. Angetrieben wird die Achse bis maximal 13 km/h. Die Hydraulikmotoren verschlingen dabei enorme Ölmengen. Das begrenzt letztlich die Geschwindigkeit. 13 km/h sind erfahrungsgemäß aber völlig ausreichend, der Zug hat dann genügend Schwung aufgebaut. Um optimale Traktion liefern zu können, verfügt die SAF Intra CD Trak Achse über eine Sperrfunktion, die ein einseitiges Durchdrehen der Räder verhindert. Die Sperre funktioniert jedoch nur in eine Richtung. Bei der Bestellung muss der Kunde also festlegen, ob die Sperrfunktion beim Vorwärts- oder Rückwärtsfahren aktiv ist. Generell ist es so, dass die SAF Achse sich erst zuschaltet, wenn das Gaspedal mindestens 20 % durchgedrückt wird. Sie arbeitet dann sofort mit vollem Druck und liefert das maximale Drehmoment von 2.000 Nm. Eine Synchronisierung zwischen Zugfahrzeug und Achse findet nicht statt. Das System ist als Anfahrhilfe und zur kurzzeitigen Unterstützung gedacht. Über die beste Position der Achse entscheidet letztlich der hauptsächliche Einsatzzweck. Die hinterste Position hat sicherlich den Nachteil, dass beim Abkippen hart an der Kante der Untergrund wegbrechen kann und die dritte Achse dann in der Luft hängt. Ein guter Kompromiss ist aus meiner Sicht daher die mittlere Position bei drei Trailerachsen.

 

Zum Test haben Sie den Scania R 500 in der kernigen XT-Ausführung mitgebracht. Was sind die Vorteile dieser Ausstattung im harten Baustelleneinsatz?

René Seckler: Mit der XT-Variante bietet Scania den Kunden im Baugewerbe ein besonders robustes Fahrzeug. Auch die Optik unterstreicht das mit der prägnanten Stoßstange, die 150 mm hervorsteht und die Front mit den dahinter verbauten Komponenten optimal schützt. Generell überzeugt die neue Scania Fahrzeuggenerationen mit ihrem niedrigen Kraftstoffverbrauch und einer insgesamt hervorragenden Wirtschaftlichkeit. Der Fahrer steht bei Scania seit jeher im Mittelpunkt. Die Fahrerhäuser sind entsprechend geräumig, übersichtlich und komfortabel gestaltet.

 

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Text: David Kern & Peter Hebbeker

Bilder: David Kern & Peter Hebbeker

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