Besuch im Liebherr Werk Kirchdorf

Besuch im Liebherr Werk Kirchdorf

Mit der Erfindung des ersten mobilen Turmdrehkrans legte der Firmengründer Dr. Ing. E.h. Hans Liebherr den Grundstein für den heutigen Weltkonzern Liebherr. Im Gründungswerk in Kirchdorf konstruierte er im Jahr 1949 den ersten leicht zu transportierenden und schnell zu montierenden Turmdrehkran TK 10.
Hans Liebherr wurde am 1. April 1915 in Kaufbeuren geboren. Im Jahre 1922 verließ er seine Geburtsstadt und zog gemeinsam mit seiner Mutter in die oberschwäbische Gemeinde Kirchdorf an der Iller. Dort begann Hans Liebherr eine Lehre als Baumeister. Dieser Beruf ist vergleichbar mit der Qualifikation eines heutigen Maurermeisters. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung übernahm Dr. Hans Liebherr im Jahr 1938 das Baugeschäft seines Stiefvaters.
Die anschließenden Kriegsjahre gingen auch an der Familie Liebherr nicht spurlos vorbei. Während dieser Zeit wurde Hans Liebherr immer deutlicher bewusst, welche dramatischen Schäden der Krieg in Deutschland hinterlassen hatte und wie groß die Not in der Bevölkerung war.
Der Bauunternehmer war fest entschlossen beim Wiederaufbau seiner Heimat mitzuwirken. Als besonders wichtig stufte Hans Liebherr die Reparatur der baufälligen, vielfach unbewohnbaren Gebäude im Nachkriegs-Deutschland und die Wiederherstellung der zerstörten Produktionsstandorte ein. Seiner eigenen Wohnungsnot begegnete der Familienvater mit dem Bau eines schlichten Holzhauses. Dieses Haus blieb über viele Jahre hinweg die Wohn- und Wirkungsstätte des Bauunternehmers. Hier entstanden die Ideen für zahlreiche Baumaschinen-Innovationen, hier setzte Hans Liebherr seine Konzepte in konkrete Bau- und Konstruktionspläne um. Das Holzhaus ist im Originalzustand erhalten und Besucher können es auf dem Werksgelände in Kirchdorf besichtigen.
Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung dieser riesigen Bauvorhaben in den Nachkriegsjahren war jedoch, die Abläufe auf den Baustellen durch den gezielten Einsatz geeigneter Baumaschinen zu vereinfachen und zu beschleunigen. Dabei wusste Hans Liebherr allzu gut, wie teuer und zeitaufwändig speziell der Einsatz von Krantechnik zum damaligen Zeitpunkt war. Dieser Missstand brachte den Bauunternehmer auf die Idee, einen leicht zu transportierenden Turmdrehkran zu konstruieren, der sich darüber hinaus schnell und sicher auf Baustellen errichten ließ. Diese Idee setzte Hans Liebherr sogleich in die Tat um und entwickelte im Jahr 1949 gemeinsam mit befreundeten Konstrukteuren und Handwerkern den ersten mobilen Turmdrehkran TK 10.
Der Kran besaß ein elektrisch angetriebenes Schienenfahr- und Hubwerk, auf das Verstellwerk für den Ausleger hatte Hans Liebherr dagegen verzichtet. Das Getriebe des TK 10 bestand aus offen liegenden Zahnrädern, die ohne eine permanente Ölschmierung auskamen. Charakteristisch für den Liebherr-Turmdrehkran war jedoch die Achse, die der Bauunternehmer am Unterwagen des Turmdrehkranes montiert hatte. Sie verfügte über Achsenzapfen, auf die Bauarbeiter drei luftbereifte Räder montieren konnten. Sie gewährleisteten einen problemlosen Transport des Krans über weitere Distanzen und ermöglichten den Einsatz des TK 10 auch auf entfernt liegenden Baustellen. Da der Liebherr-Turmdrehkran von zwei Arbeitskräften innerhalb von drei Stunden aufgebaut werden konnte, verursachte sein Einsatz deutlich geringere Kosten.
Hans Liebherrs nächste Station war das Deutsche Patentamt in München, hier beantragte der Bauunternehmer am 19. August 1949 unter dem Stichwort Fahrbarer Turmdrehkran die Schutzrechte für seine Erfindung. Noch im gleichen Jahr stellte er den TK 10 auf der Frankfurter Messe erstmals der breiten Öffentlichkeit vor. Das Messepublikum zeigte großes Interesse am TK 10, trotzdem vergingen einige Wochen bis die erste Bestellung in Kirchdorf eintraf. Bald folgte jedoch ein Auftrag auf den nächsten. Ende 1950 hatte die neugegründete Hans Liebherr Maschinenfabrik bereits 160 Turmdrehkrane des Typs TK 10 ausgeliefert, erwirtschaftete so einen Gesamtumsatz von umgerechnet 1,13 Millionen Euro und beschäftigte 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
In den folgenden 10 Jahren wuchs die Hans Liebherr Maschinenfabrik in rasanten Schritten zu einem global agierenden Baumaschinenhersteller heran. Heute gehören insgesamt 11 Produktsparten zum Konzern. Im Bereich der Erdbewegung produziert Liebherr ein umfangreiches Programm an Hydraulik- und Hydroseilbaggern, Planier- und Laderaupen, Radladern und Muldenkippern. In der Sparte der Mobil- und Raupenkrane hat sich Liebherr als Weltmarktführer für Fahrzeugkrane mit Teleskop- und Gittermastauslegern auf Mobil- und Raupenfahrwerken etabliert. Im Bereich Mining sind die Minibagger und dieselelektrischen Großmuldenkipper eine feste Marktgröße.
Die Liebherr Unternehmensgruppe ist fest im Familienbesitz und wird inzwischen in dritter Generation von Familienmitgliedern geführt. Der Konzern beschäftigt weltweit 41.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2014 einen Jahresumsatz von 8.823 Millionen Euro.
Während unseres Werksbesuches bei der Liebherr-Hydraulikbagger GmbH in Kirchdorf konnte sich die Treffpunkt.Bau-Redaktion die Produktion von Hydraulikzylindern und Komponenten sowie den Produktions- und Montageablauf für Mobilbagger und Materialumschlagmaschinen ansehen.

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