Trambrücke Kehl-Straßburg: Verzögerungen durch Niedrigwasser

Trambrücke Kehl-Straßburg: Verzögerungen durch Niedrigwasser

Am 20. Dezember 2012 beschloss eine deutsch-französische Kommission nach einer Ausschreibung für den Bau einer Trambrücke von Straßburg nach Kehl, den Vorschlag des Baukonzerns Bouygues anzunehmen. Bouygues hat vor, eine sogenannte „Doppel-Stabbrücken-Konstruktion“ mit zwei 20 Meter hohen Bögen zu bauen. Das Projekt hatte an Land den geringsten Flächenverbrauch und wurde auf der rechten Rheinseite in Kehl montiert. Zwei Enden der je 145 Meter langen Brückenelemente ruhen in der Flussmitte auf einem Mittelpfeiler. Der Schiffsverkehr durfte während der Bauzeit nicht gestört werden. Den Gesamtpreis von 24,3 Millionen teilen sich die f04ranzösische und die deutsche Seite. Die beiden Bogenbrücken waren rechtzeitig vor Ende Oktober fertig montiert worden und lagerten seither nebeneinander am Kehler Rheinufer. Der Einbau der beiden Elemente war für Ende Oktober geplant, doch die extreme Trockenheit der vorangegangenen Monate verzögerte das Vorhaben wegen extremen Niedrigwassers auf unabsehbare Zeit. Die Schifffahrt auf dem Rhein war deshalb oberhalb Koblenz stark eingeschränkt. Auch die für die Verlagerung der beiden auf je 1.100 Tonnen schwer berechneten Bogenbrücken über den Rhein angeforderten Pontons der belgischen Firma Sarens konnten den Niedrigwasserabschnitt bei Kaub deshalb nicht befahren. Erst gegen Ende Oktober setzten Regenfälle in den Alpen und Mittelgebirgen ein, woraufhin der Wasserstand stieg und die Pontons samt Schwerlastrollern und Ausrüstungen wieder auf die Baustelle Kehl konnten.

Auf die fünf angelandeten Schwerlastmodule wurden vorbereitete Stahlkonstruktionen zum Höhenausgleich an die Brückenlager und den im Rhein betonierten Mittelpfeiler montiert. Anschließend wurden sie unter die zwei Teilbrücken geschoben. Am 6. Dezember wurde schließlich die erste Stabbogenbrücke auf die beiden Pontons verladen. Bei diesen Manövern wurde dann das Gewicht der beiden Trambrücken von 1.100 auf rund 1.600 Tonnen korrigiert. Am 8. Dezember begann dann das Einschwimmen auf die französische Seite. Da sich diese über die Fahrrinne spannt, wurde der Rhein für den Schiffsverkehr gegen 20.00 Uhr gesperrt. Ein unvorhergesehenes Hindernis stellten Reste der im zweiten Weltkrieg zerstörten Straßenbrücke dar. Spannseile verfingen sich darin, was zu einer mehrstündigen Verzögerung führte. Doch gegen 22.00 Uhr ruhte die Stahlbrücke auf ihren Fundamenten. Die zweite Brücke wurde am 18. Dezember von 07.00 bis 12.00 Uhr ohne Verzögerungen auf den Pontons der belgischen Spezialfirma Sarens präzise eingeschwommen und auf ihre Fundamente gesetzt. Nach der sechswöchigen Verzögerung stellte sich die Frage, ob die Straßburger Tram, wie geplant, im April 2017 tatsächlich auf der rechten Rheinseite den Kehler Bahnhof anfahren wird. Diese Befürchtungen sind aber wohl unbegründet. Inzwischen wird an der Trambrücke über den Rhein sowie der im Straßburger Hafen über das Bassin Vauban gespannten Trambrücke tatkräftig weitergearbeitet.

About the Author:

Schreibe einen Kommentar