Digitaler Wandel bestimmte VDBUM-Großseminar

Digitaler Wandel bestimmte VDBUM-Großseminar

Von Rainer Oschütz

Willingen. – Mit dem Slogan „Die Zukunft als Chance!“ rief kürzlich der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM), zum traditionellen Treffpunkt des Jahres ins sauerländische Willingen. Zu dem 46. Großseminar kamen über 1000 Teilnehmer und 90 Aussteller. Mit dieser Rekordbeteiligung wurden alle Erwartungen des Veranstalters mehr als erfüllt.

Passend zum diesjährigen Motto zog sich die Thematik des digitalen Wandels der Branche durch das Seminargeschehen, das den Straßenbau zum Hauptinhalt hatte. So diskutierten die Teilnehmer die damit verbundenen Veränderungen von Bauabläufen von der Planung bis hin zur Fertigstellung. Großes Interesse fanden ebenso die technischen Themenblöcke und Gespräche über Personalmanagement.

Digitalisierung erneut zentrales Thema

Während eines Pressegespräches wurde der Stellenwert der Digitalisierung am Bau für die Arbeit des VDBUM hervorgehoben. Die Maschinentechnik gelte dabei als zentrale Schnittstelle der Informationsgewinnung. Gerade der Informationsfluss sowie die exakte Planung der Bauabläufe trügen dazu bei, dass Pleiten, Pech und Pannen bei der Umsetzung von Großprojekten künftig der Vergangenheit angehörten, hieß es in der Presserunde. „Natürlich sind wir begeistert von den digitalen Möglichkeiten der Gegenwart und Zukunft. Wir zaubern damit mehrdimensionale Modelle bis hin zu kompletten virtuellen Umgebungen im Vorgriff auf geplante Ergebnisse. Mit Wohlwollen stellen wir fest, dass Maschinen ‚schlau’ genug sind, um auf Veränderungen zu reagieren, und dass sie selbst dazulernen“, betonte Peter Guttenberger, 1. Vorsitzender des VDBUM. Doch komme es am Ende immer auf die Menschen an. „Wenn der Mensch nicht über das nachdenkt, was in ferner Zukunft liegt, wird er das schon in naher Zukunft bereuen“, zitierte er Konfuzius.

Großes Interesse durch Teilnehmerzahlen bestätigt

VDBUM-Geschäftsführer Dieter Schnittjer äußerte sich gegenüber „Treffpunkt.Bau“ zufrieden mit dem diesjährigen Großseminar. So hätte der Veranstaltungsort – wie im vergangenen Jahr auch – mit seinen großzügigen Kapazitäten gepasst, sodass man die Rekordbeteiligung habe meistern können. Auch für kommende Großseminare sei Willingen, da sei der Verband sich sicher, dafür ein geeigneter Standort. Das große Interesse an den Seminaren und Vorträgen habe sich bereits im Vorfeld angekündigt. Schnittjer: „Mit dem Veranstaltungsmotto haben wir den aktuellen Zeitgeist zur Digitalisierung, Datenvernetzung und Effizienzsteigerung der Bauprozesse getroffen.“

Vortragsreihen punkten durch aktuelle Inhalte

An drei Tagen wurde nicht nur Wissen vermittelt, sondern während der Seminare auch über die anstehenden Themen diskutiert. In diesem Jahr stand der Straßenbau im Mittelpunkt der Vorträge und Workshops. Die Teilnehmer erfuhren, welche Veränderungen und Vorteile die Digitalisierung dieser Bausparte mit sich bringt. Dazu gehört die leistungsfähige Maschinentechnik, die von Herstellern für diese neuen zukunftsweisenden Aufgaben entwickelt und gebaut wird – spannende Beiträge, die in Willingen von Liebherr, Wirtgen, JCB, MAN, Moba und Michelin vorgetragen wurden. Fazit dieser Leistungsschau: Nur mit diesen neuen technischen Errungenschaften lässt sich beispielsweise das Mammutprojekt „Bundesverkehrswegeplan 2017“ gemeinsam mit den Anwendern der Technik in den Griff bekommen.

Erfolgreiche Unternehmen erläutern ihren Werdegang

Mit „Liebherr – ein Familienunternehmen macht sich fit“ startete das Großseminar am ersten Tag. Stefan Heissler, Mitglied des Direktoriums der Liebherr-International AG, Bulle (Schweiz), stellte das Familienunternehmen vor. Er sprach über die vielfältigen Herausforderungen wie kürzeren Konjunkturzyklen, einer gestiegenen Volatilität der Märkte sowie den Wettbewerb der Talente. Heissler informierte auch über die neuen technischen Ansprüche von Liebherr bei der Digitalisierung von Produkten und Fertigungsprozessen. Das war auch Thema des anschließenden VDBUM-Seminartalk. Diskutiert wurde über die „Baustelle 4.0 – Chance und Zukunft für die Baubranche“. Daran schloss der dritte Eröffnungsbeitrag an. Frank Zander, Geschäftsführer JCB Deutschland GmbH, sprach über „JCB – von der Werkstatt zum Weltkonzern“. Er berichtete unter anderem, dass JCB seit Gründung 1945 über eine Million Maschinen hergestellt hat. Das ergäbe eine Reihe von Großbritannien bis Australien.

Anspruchsvolles Programm findet Anklang

Wie im vergangenen Jahr fand ebenfalls der Seminarschwerpunkt „Forschung trifft Praxis“ große Beachtung. Dabei nahmen Themen wie BIM (Building Information Modeling) eine Hauptrolle ein. Die Jade Hochschule Oldenburg und das Bauunternehmen Züblin präsentierten zum Beispiel ihre Zusammenarbeit und zeigten, wie das Thema 4.0 im Straßenbau umgesetzt werden kann. Die Teilnehmer des Großseminars bestätigten dem Veranstalter, dass er ein anspruchsvolles und zukunftsweisendes Programm auf die Beine gestellt habe.

Förderpreisverleihung bestätigt innovativen Charakter

Die Verleihung des VDBUM-Förderpreises im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung unterstrich wie in den Jahren zuvor den innovativen Charakter der Fachtagung. Schnittjer: „Der Verband hat diesen in der Baubranche einzigartigen Preis gestiftet, um damit Innovationen zu fördern und zu würdigen. Er soll in gleicher Weise Studenten, Jungakademiker, Auszubildende und erfahrene Praktiker mit innovativen Ideen ansprechen.“ Es wurde jeweils ein Preis in den Kategorien „Innovationen aus der Praxis“, „Entwicklungen aus der Industrie“ sowie „Projekte aus Hochschulen und Universitäten“ vergeben. Die Preisträger 2017 sind das Bauunternehmen Gollwitzer, Atlas Copco und SPS Energy. Die preiswürdigen Arbeiten und Konzeptionen zielten darauf ab, die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes von Baumaschinen und Komponenten zu steigern oder auch Bauverfahren zu optimieren und somit den Nutzen für Anwender zu erhöhen. Alle eingereichten Arbeiten wurden während des Großseminars in einem separaten Ausstellungsbereich öffentlich vorgestellt und den zukünftigen Nutzern präsentiert. Der Preis ist mit jeweils 2.500 Euro dotiert.

Branchenkenner überzeugt als Gastredner

Das Großseminar eröffnete traditionsgemäß auch in diesem Jahr ein Gastredner. Guttenberger stellte ihn vor: „Er ist kein Politiker, kein Fußballtrainer, kein Extrembergsteiger, kein Gesundheitscoach, sondern – ein Unternehmer.“ Johann Bögl, Gesellschafter der Firmengruppe Max Bögl – mit 6.000 Mitarbeitern das größte Bauunternehmen Deutschlands in Privatbesitz –, nutzte die VDBUM-Tribüne, um die erfolgreiche Entwicklung seines Bauunternehmens darzustellen. Guttenberger nannte Bögl einen Mann, der im „Chancenerkennen“ geübt sei, gebotene Chancen in Erfolge umsetzen könne. Sein Familienunternehmen habe sich den visionären Slogan „Fortschritt baut man aus Ideen“ gegeben. In der 85-jährigen erfolgreichen Firmengeschichte spiegelten sich diese Ideen in einem weltweit agierenden Technologie- und Dienstleistungsunternehmen wider, erklärte Bögl. Er forderte die Unternehmer auf, etwas zu wagen und nicht nur Theorie und Vergangenes zu bearbeiten, sondern Praxis zu betreiben. So würden sich jeden Tag neue Chancen auftun, die bewältigt werden müssten. Für sein Unternehmen sei das nächste große Thema der industriell und seriell hergestellte modulare und erschwingliche Wohnungsbau. Dafür werde gegenwärtig ein weiteres passendes Produkt entwickelt und eine Fertigungsstätte errichtet. Pünktlich zum 1. Juli dieses Jahres sei man dann in der Lage, täglich sechs bis acht Wohnungen individuellen Querschnitts auf dem Fließband herzustellen, um dem zusätzlichen Wohnraumbedarf in Deutschland – 100.000 bis 150.000 Einheiten – gerecht werden zu können. Bögl: „Ich habe auch hier das Gefühl, dass wir genau zur richtigen Zeit das richtige Produkt haben könnten.“

Praktische Zusammenarbeit fördert den Nachwuchs

In diesem Jahr bot der VDBUM wieder Studenten die Chance, durch Patenschaften von Aussteller- und Partnerunternehmen zwei Tage lang dem Großseminar beizuwohnen. Der Verband hatte bundesweit an Hochschulen und Universitäten, Ausbildungszentren und Meisterschulen, die im Bereich Baumaschinen arbeiten, für diese Aktion geworben. Die Paten-Unternehmen bekamen die Nachwuchskräfte zugewiesen und nahmen sie in ihrem Team auf. Sie erhielten die Möglichkeit, an Fachvorträgen und Workshops teilzunehmen, lernten während dieser Zeit aber auch ihr Paten-Unternehmen und dessen Leistungsspektrum ausgiebig kennen. „Wir sehen diese Aktion in engem Zusammenhang mit unseren anderen Aktivitäten auf dem Feld der Nachwuchswerbung und Nachwuchsförderung. Die jungen Leute lernen wichtige Firmen der Branche kennen, können Kontakte knüpfen, erhalten Hilfestellung bei der Jobsuche und bei erforderlichen Praktika“, erklärte Schnittjer. Auch zum jährlich im September stattfindenden Baumaschinen-Erlebnistag äußerte sich der VDBUM-Geschäftsführer gegenüber unserer Fachpublikation: „Beim Wettlauf um die besten Köpfe setzen wir mit dem ‚BET Baumaschinen-Erlebnistag‘ einen starken Impuls, um Nachwuchskräfte für die Baubranche anzusprechen und zu begeistern.“ Die Aktion eröffne Unternehmen die Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber mit vielfältigen Berufsprofilen vorzustellen und gleichzeitig mit dem interessierten Nachwuchs ins Gespräch zu kommen. Schnittjer: „Der ‚Baumaschinen-Erlebnistag’ ist schon jetzt eine Erfolgsgeschichte. Wir konnten Tausende von zukünftigen Nachwuchskräften für die Berufe in der Baubranche, Umwelt und Maschinentechnik interessieren. Etliche Ausbildungsverträge wurden in unmittelbarer Verbindung mit der Kampagne abgeschlossen. Gemeinsam mit den Unternehmen wird der VDBUM diesen anspruchsvollen Weg weitergehen. Die von Jahr zu Jahr wachsende Beteiligung bestätigt unsere Idee dieser Form von Nachwuchsförderung für die gesamte Branche.“

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