Alles fest im Griff

Alles fest im Griff

Waakirchen. 46 Jahre umfasst die Erfolgsgeschichte der Firma Kinshofer, dem Spezialisten für Anbaugeräte. Spannende Kapitel erzählen von Zielstrebigkeit, strategischem Geschick und von der Konzentration auf das Wesentliche: beste Qualität. 1971 im oberbayerischen Miesbach gegründet, wuchs das Unternehmen rasch über die Grenzen des Freistaats hinaus. Heute ist Kinshofer ein weltweit tätiger Konzern mit Standorten in Deutschland, Österreich, Tschechien, England, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Kanada, USA, China und Australien. An der Spitze der rund 550 Kinshofer-Mitarbeiter steht CEO Thomas Friedrich. Er zeichnete im Gespräch mit Treffpunkt.Bau-Redakteur Peter Hebbeker ein detailliertes Firmenporträt.

Starten wir mit einem Rückblick in die Firmenhistorie. Wie hat sich Kinshofer zu der heutigen Größe entwickelt?
Thomas Friedrich: Kinshofer wurde nach seinem Gründer benannt. Am 4. August 1971 gründete Alfred Kinshofer die Firma Kinshofer Maschinenbau in Miesbach. Anfangs produzierte das kleine Unternehmen nur Brückenlager, Geländer und Zubehör für Ziegelwerke wie Tunnelofenwagen oder Hub- und Senkvorrichtungen für Ziegelpressen. Zwei Jahre nach Firmengründung begann man mit der Entwicklung der ersten Steinstapelzange. Nur ein Jahr später folgte die Konstruktion einer Palettengabel und eines Zweischalengreifers. Da die Kapazitäten der ursprünglichen Produktionsstätte ausgereizt waren, wurde 1975 eine neue Fertigungshalle in Miesbach Ost errichtet. Nur zwei Jahre später wurde auch dieses Gebäude zu klein und eine zweite Fertigungshalle mit zusätzlichen Bürogebäuden wurde gebaut. Im Jahr 1979 wurde der erste Endlos-Drehmotor der Firma entwickelt. Ein Jahr später erfolgte die Umfirmierung in Kinshofer Greiftechnik GmbH. Erste Verkaufsaktivitäten in den USA und England wurden getätigt. 1984 wurde schließlich der erste ausländische Verkaufsstandort in Stockport, Cheshire, England, gegründet: Kinshofer UK Ltd. Alfred Kinshofer verkaufte 1987 seine Firmenanteile, blieb jedoch in beratender Stellung für das Unternehmen tätig. Im selben Jahr wurde Kinshofer France in Straßburg gegründet. Ein Jahr später begannen die Planungen für die neuen Fertigungs- und Bürogebäude in Marienstein, dem heutigen Hauptsitz. Zwei Jahre danach begann man schließlich mit dem Bau der geplanten Hallen und im Dezember 1990 erfolgte der Umzug des Unternehmens. 1997 wurde der Bau der Fertigungshallen im österreichischen Gmünd und dem tschechischen České Velenice geplant, und nur ein Jahr später wurde dort die Firma Mars Greiftechnik gegründet und in den neu gebauten Hallen die Fertigung aufgenommen. Im Jahr 2000 wagte Kinshofer den Sprung über den großen Teich und akquirierte das kanadische Unternehmen Liftall, die heutige Niederlassung Kinshofer North America. 2006 bekam die Firma schließlich ihren heutigen Namen: Kinshofer GmbH. Im selben Jahr wurde der niederländische Spezialist für Abbruch- und Recyclinggeräte Demarec B.V. aufgekauft. Die weltweit agierende schwedische Unternehmensgruppe Lifco AB akquirierte Kinshofer im Jahr 2007. 2008 wurde das Unternehmen Kinshofer Aponox Oy in Hämeenlinna, Finnland, gegründet, mit Hauptaugenmerk auf den NOX Tiltrotatoren. Ende des Jahres 2011 erwarb Kinshofer das schwedische Unternehmen RF-System AB, 2013 öffnete die neue Fertigung in Sanborn, New York, USA. Kinshofer und Auger Torque Europe Limited fusionierten Anfang des Jahres 2015. Dabei kaufte die Kinshofer GmbH 100 % der Anteile von Auger Torque Europe Ltd. und Auger Torque Australia Pty Ltd. Auger Torque ist Hersteller von Erdbohrern, Bohrschnecken, Grabenfräsen und hochwertigen Anbaugeräten für Bagger, Kompakt- und Radlader, Lkw-Ladekrane sowie andere Trägergeräte. 2017 fusionierte Kinshofer mit dem in Winston, GA, USA ansässigen Anbaugeräte-Hersteller Solesbee‘s Equipment and Attachments LLC und kaufte 96 % der LLC-Anteile. Damit rundeten Bagger-Thumbs (Greifdaumen für Tieflöffel), mechanische Pulverisierer und weitere Anbaugeräte für Bagger und Kompaktlader als Produktsegmente die sehr breit gefächerte Kinshofer Produktpalette ab.

Sie haben uns einen umfassenden Überblick gegeben. Welches waren für Sie die fünf wichtigsten Meilensteine in der Firmengeschichte?
Thomas Friedrich: Erster Meilenstein: Zwei Jahre nach der Gründung wurde die Produktion der Firma neu ausgerichtet. Mit der Entwicklung der ersten Steinstapelzange (1973), der Konstruktion einer Palettengabel und eines Zweischalengreifers (1974) sowie von robusten und langlebigen Endlos-Drehmotoren (1979) spezialisierte sich der Maschinenbauer auf Ladekrananbaugeräte.
Zweiter Meilenstein: Wachstum in Europa, genauer die kontinuierliche Erweiterung 1984-1999 der Produktpalette und des Vertriebs von Kinshofer Produkten sowie damit einhergehend die Gründung von Tochterunternehmen auf dem Gebiet der EU.
Dritter Meilenstein: Im Jahr 2001 entwickelte Kinshofer den patentierten HPXdrive, der mit einem iF-Silver Award für ‚Produkt Design‘ im Sektor ‚Industrie‘ ausgezeichnet wurde. Er ist für viele Kinshofer-Greifer ein Alleinstellungsmerkmal. Bis heute ist dieser revolutionäre Antrieb für Zweischalengreifer weltweit nicht getoppt.
Vierter Meilenstein: 2008 erwarb Kinshofer mit der finnischen Firma Aponox die Patent- und Vertriebsrechte für NOX Tiltrotatoren. 2012 folgten geistige Eigentums- und Vertriebsrechte der neuseeländischen Wedgelock Equipment Ltd., ein bedeutender Schritt für die Entwicklung von sicheren Schnellwechslern. Ein großes Angebot an Tiltrotatoren, Tilt-Couplern, Schnellwechslern und ein passendes Tieflöffelsortiment ergänzen seitdem das riesige Portfolio und machen Kinshofer bei Baggeranbaugeräten zum One-Stop-Shop: Kinshofer – alles aus einer Hand.
Fünfter und bestimmt nicht letzter Meilenstein: die Kinshofer Group. Mit dem strategischen Ankauf von Firmen, deren innovative und qualitätvolle Produkte das Angebot noch weiter wachsen lassen, geht seit der Jahrtausendwende ein kontinuierlicher Ausbau des Vertriebs auf dem Weltmarkt einher. Die Kinshofer-Gruppe ist heute einer der führenden Hersteller von Anbaugeräten für Ladekrane und Hydraulikbagger, ebenso für Drehmotoren, Tiltrotatoren und Schnellwechsler.

Wie groß ist Kinshofer heute? Welche Märkte werden bedient?
Thomas Friedrich: Der Hauptsitz des globalen Unternehmens befindet sich in der oberbayerischen Ortschaft Waakirchen-Marienstein. Die Kinshofer Group umfasst heute 15 Firmen in Deutschland, Österreich, Tschechien, England, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Kanada, USA, VR China und Australien. Kinshofer beschäftigt etwa 550 Mitarbeiter. Neben dem Markt der deutschsprachigen Länder werden der europäische Markt und mit jeder neu hinzugewonnenen Vertriebsorganisation zunehmend der Weltmarkt bedient.

Wo werden die Produkte entwickelt und produziert?
Thomas Friedrich: Neben der Entwicklung der Kinshofer-Anbaugeräte durch 14 Spezialisten in der großen hauseigenen Entwicklungsabteilung und in einer eigenen Sonderabteilung sowie der Produktion am Hauptsitz tragen inzwischen auch die zugekauften Firmen mit ihren Mitarbeitern zu Entwicklung und Produktion bei. Insgesamt arbeiten in der Kinshofer Group 34 Konstrukteure an neuen Anbaugeräten und Verbesserungen.

Welche Marken gehören zur Kinshofer Gruppe?
Thomas Friedrich: Tochterunternehmen mit eigenem Markennamen sind Demarec B.V. in den Niederlanden, RF System in Schweden, Auger Torque Ltd. in England, Australien und China sowie Solesbee’s in den USA.

Wie grenzen sich diese Marken voneinander ab?
Thomas Friedrich: Durch ihre Produkte. Demarec B.V. produziert schwere Baggeranbaugeräte für Abbruch und Recycling, RF System innovative Anbaugeräte für den GaLaBau, die Energiewirtschaft sowie für Gleisbau und Gleiswartung. Für Bagger, Baggerlader und Skidsteers produziert Auger Torque Erdbohrer, Bohrschnecken, Schraubanker-Antriebe und Grabfräsen. Solesbee’s stellt Greifer und Rechen mit Haltedaumen her, Letztere sogar für Bulldozer. Die Firmen sind erkennbar spezialisiert und machen sich dadurch keine Konkurrenz, sondern ergänzen sich.

Fertigt Kinshofer auch OEM-Produkte? Wie groß ist dieser Anteil?
Thomas Friedrich: Als einer der Weltmarktführer ist Kinshofer bei Anbaugeräten für Ladekrane der OEM-Partner von nahezu allen namhaften Kranarm-Herstellern wie beispielsweise Palfinger und Hiab. Sie alle bieten ihren Kunden gerne die Kinshofer-Qualität an, bei Drehmotoren wie bei Anbaugeräten. Bei der Kundenzufriedenheit zählt gutes Werkzeug doppelt. Auch große Marken wie Atlas, Fuchs oder Sennebogen beliefert Kinshofer seit vielen Jahren mit erstklassigen Anbaugeräten für Ladekrane und für Bagger. Anteile am Gesamtumsatz werden nicht verraten.

Welche besonderen Stärken kennzeichnen Kinshofer-Produkte? Wie heben sie sich von den Mitbewerbern ab?
Thomas Friedrich: Wir punkten mit Kinshofer-Qualität. Kunden verbinden mit dieser in fast einem halben Jahrhundert sprichwörtlich gewordenen Qualität der Anbaugeräte ihre innovative Technik, Zuverlässigkeit, Robustheit und Langlebigkeit. Zu Recht, wie wir ihrem Lob entnehmen dürfen – das schönste Kundenurteil, das wir immer wieder hören ist: ‚Weniger Qualität kann ich mir nicht leisten!‘ Das macht uns natürlich stolz und lässt uns an diesen hohen Qualitätsstandards festhalten. Unsere Qualitätsmanager, eine eigene Versuchsabteilung mit ‚Folterkammer‘ für die Langzeittests und ein eigenes Testgelände sind nur einige Voraussetzungen dafür. Am wichtigsten ist unsere Bereitschaft, unseren Kunden auf Augenhöhe zu begegnen, genau zuzuhören. Das interessiert uns total: Wir gewinnen so wesentliche Anreize für Verbesserungen und Neuentwicklungen.

Welche Kinshofer-Entwicklung hat den Markt geprägt?
Thomas Friedrich: Der bereits erwähnte HPXdrive, der den Antrieb bei Zweischalengreifern revolutionierte. Mit ihm ausgerüstete Zweischalengreifer arbeiten über den kompletten Greifvorgang mit absolut konstanter Kraft. Das macht seine Verwendung in allen Bereichen interessant, inzwischen sogar bei großen Schüttgutgreifern für Bagger mit bis zu 40 t Dienstgewicht. Seine charakteristischen, rautenförmigen Stirnseiten der Antriebsachsen sind im Kommunalbereich und im GaLaBau heute ein gewohntes Bild, egal ob am Ladekran oder am Bagger.

Woher weiß Kinshofer, was der Markt will? Wie kommuniziert das Unternehmen mit seinen Kunden?
Thomas Friedrich: Mehr als die reine Beobachtung der Märkte oder die Analyse durch Dritte ist es das eigene, vieltausendfache genaue Hinhören bei Kundenwünschen und das ins Detail gehende Eingehen auf Kundenkritik. Beides ist zielführend. Generell gilt: Bei der Kommunikation sind es nicht nur das Web und notwendige Kataloge, sondern das direkte Gespräch, das der Kunde schätzt.

Wie viele Kinshofer-Anbaugeräte sind zurzeit erhältlich?
Thomas Friedrich: Zählt man unsere und die unserer Tochterfirmen zusammen sind es rund 1.000 Modelle. Zubehör und Ersatzteile nicht eingerechnet. Die Bezeichnung One-Stop-Shop steht bei diesem Portfolio auf festem Boden.

Was ist die wichtigste Produktgruppe?
Thomas Friedrich: Was das Alleinstellungsmerkmal angeht, unzweifelhaft die Anbaugeräte mit HPXdrive. Umsatzzahlen sollen hier nicht verraten werden, aber die in Serie gefertigten Geräte der ‚PremiumLine‘ stehen natürlich im Vordergrund.

Wieso sind die Produkte der ‚PremiumLine‘ besonders hochwertig? Wie profitiert der Kunde?
Thomas Friedrich: Falsch gefragt. Besonders hochwertig sind alle Kinshofer Anbaugeräte. Und zwar im obersten Level. In der ‚PremiumLine‘ sind oft nachgefragte Geräte gesammelt, die in Serie gefertigt werden und dadurch dank kürzerer Lieferzeiten für den Kunden schneller verfügbar sind. Genau darin liegt der Kundenvorteil.

Ist Kinshofer auch im Service führend?
Thomas Friedrich: Wir haben die Anforderungen unser Kunden immer vor Augen. Das gilt natürlich auch beim Service und bei der Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Beides resultiert dann in der hohen Kundenzufriedenheit, die wir erleben.

Wo kann der Kunde Kinshofer-Produkte kaufen?
Thomas Friedrich: Am besten kauft der Kunde unsere Anbaugeräte bei einem Händler in seiner Nähe, der für das Gerät auch die notwendigen Verschleiß- oder Ersatzteile bereithält. Das verkürzt Standzeiten. Wir haben zusätzlich Außendienstler im Einsatz, die auf Anfrage Kontakt zu ihm aufnehmen. Im eigenen Action Park am Unternehmenshauptsitz Marienstein haben sowohl Händler als auch Kunden die Möglichkeit, an Schulungen und Demonstrationen teilzunehmen.

Was plant Kinshofer für die Zukunft? Neue Produkte, Standorte, Vertriebswege…?
Thomas Friedrich: Dies alles und dreierlei mehr: Erfolg, Wachstum und das überzeugte Festhalten an der Kinshofer-Qualität. Wir und nsere Kunden sind überzeugt: Es gibt keine Alternative für Qualität.

Fotos: Kinshofer
Text: Peter Hebbeker

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