Wir verstehen den Bau

Wir verstehen den Bau

Hayingen. Weltbekannt ist die schwäbische Maschinenbaukunst. Motor dieser bedeutenden Branche sind rürige Unternehmer wie Rainer Schrode, denen Gutes nie gut genug ist, die stets den Sta­tus Quo hinterfragen, immer hellwach sind für Neues und jeden Kompromiss bei Qualität und Leistung für faul erachten. Bei Schro­de kommt hinzu: Er kennt beide Seiten der Baubranche. Zunächst war er selbstständig im Tief- und Straßenbau, dann gründete er seine Maschinenbaufirma. Das Ziel ist klar definiert: MTS fertigt Maschinen, mit denen der Bauunternehmer möglichst viel Gewinn erwirtschaften kann. David Kern und Peter Hebbeker aus der Treff­punkt.Bau-Redaktion sprachen mit dem MTS-Gründer über seine erfolgreiche Firma und seine besondere Philosophie.

 

MTS ist enorm gewachsen. Von zwei Mitarbeitern auf 150 in 17 Jahren – worauf gründet sich dieser Erfolg?

Rainer Schrode: In den letzten zehn Jahren sind wir durchschnittlich mit 18,5 % gewachsen. Wir bewegten uns immer im Grenzbereich. Bei uns geht es gar nicht um die Frage, wie schnell wir wachsen können, sondern darum, wie schnell wir wachsen wollen. Besonders wichtig war und ist für uns neben der Entwicklung und Produkti­on der Service. Wir wissen, was es für den Unternehmer bedeutet, wenn seine Baustelle stillsteht. Deshalb geht es uns stets darum, unseren Kunden schnell und kompetent zu helfen. Wir kennen das Baugeschäft aus eigener Erfahrung. Darum können wir dem Kunden auf Augenhöhe begegnen und wissen, wo ihn der Schuh am meis­ten drückt. In der Beratung und Begleitung unserer Kunden denken und agieren wir nicht kosten-, sondern leistungsorientiert. Sprich: Unsere Ausgangsfrage lautet nicht ‚Was kosten Dich die Produkte?‘, sondern ‚Was bringen Dir die Produkte ein?‘. Wir beschäftigen daher auch keine provisionsabhängigen Verkäufer, sondern Berater mit ei­nem Fixgehalt. Ihre Aufgabe ist es, die Kunden zu inspirieren und zu begeistern. Wenn der Interessent seinen Vorteil versteht, wird er sich aus eigener Überzeugung für uns entscheiden. Das ist unsere Philosophie: Wir wollen nachhaltige Partnerschaften mit Bauunter­nehmern aufbauen, nicht den schnellen Euro verdienen. Wir gehen sogar so weit, dass wir von manchen Kundenwünschen abraten, wenn wir aufgrund unserer Erfahrung wissen, dass ein Kauf unserem Kunden nicht den erhofften Nutzen bringen wird.

 

Anbaugeräte, 3D-Baggersteuerung, Mietpark und Akademie – MTS unterhält eine Reihe von Geschäftsfeldern. Welches ist das wichtigste Standbein?

Rainer Schrode: Der wichtigste Bereich ist heute das Thema Boden­verdichtung, dicht gefolgt von der Bodenaufbereitung. In diesem Bereich haben wir bis ins letzte Jahr hinein mit Allu kooperiert, dann aber unsere eigene Bodenrecycler Produktreihe auf den Markt ge­bracht, um diese noch gezielter an den Wünschen unserer Kunden ausrichten zu können. Aufgrund der vielen Vorteile, die mit dieser Produktreihe einhergehen, erwarte ich ein starkes und nachhalti­ges Wachstum in diesem Bereich. Zunehmend an Bedeutung ge­winnen werden auch die Tiltrotatoren: Unser Sandwichkonzept hat im Vergleich mit dem herkömmlichen Festanbau seine Vorteile klar bewiesen. Das stärkste Potential sehe ich für die Zukunft aber ganz klar im Bereich 3D-Baggersteuerung und digitale Baustelle. Hier wachsen unsere Geschäftsfelder zusammen. Wir bieten sowohl die Anbaugeräte als auch die Software und können die Prozesse auf der Baustelle rechtssicher dokumentieren. Unsere Besonderheit in diesem Bereich ist, dass wir mit komplett offenen Systemen arbei­ten. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter und kämpfen um einheitliche Standards bei der digitalen Steuerung: Unsere Kunden sollen frei entscheiden können, welchen Bagger, welches Anbau­gerät und welche 3D-Steuerung sie verwenden wollen. Wir wollen sie nicht durch ein abgeschlossenes System an MTS binden, son­dern durch Vorteile, die sie überzeugen. Die Landwirtschaft hat den immens wichtigen Schritt der Vereinheitlichung mit dem ISO-Bus bereits vollzogen, die Bauwirtschaft muss hier jedoch noch drin­gend nachziehen. Darum agiert MTS bei der Standardisierung der Elektroschnittstelle als Wegbereiter und präsentierte bereits auf der Bauma 2016 ein offenes System. Der VDBUM hat die Wichtigkeit die­ser Frage erkannt. Durch seine Vermittlung sitzen die Hersteller nun tatsächlich an einem Tisch und arbeiten an einer ISO-Norm für die digitale Steuerung.

 

MTS führt den Slogan „mehr Innovation“ im Logo. Welche Neuerun­gen sind bzw. waren besonders herausragend?

Rainer Schrode: Wir waren mit unseren Ideen und Gedanken schon immer der Zeit voraus. So hat MTS es geschafft, die Automatisierung von Bauprozessen flächendeckend durchzusetzen. Das beginnt mit der Marktdurchdringung des vollhydraulischen Schnellwechslers, den wir vom Nischenprodukt zum Standard erhoben haben. Es geht weiter mit unserem leuchtend roten Anbauverdichter-‚Ferrari‘, der im steten Rennen um die Innovationsführerschaft im Bereich Verdich­tungstechnologie seit Jahren die Nase ganze vorn hat. Ein weiteres Highlight ist unsere 3D-Steuerung, die den gesamten Bauprozess abbildet. Seit acht Jahren entwickeln und optimieren wir unser Pro­dukt mit Hochdruck für den Tiefbau und können damit mittlerweile sämtliche Anforderungen unserer Kunden abdecken. Der Grund: Wir kommen im Gegensatz zu anderen Globalplayern in diesem Be­reich nicht aus der Vermessung, sondern aus der Baupraxis. Unser großer Vorteil ist die Konzentration auf den eigentlichen Bauprozess. Wir können zielsicher die Daten für den Bagger aufbereiten und die geleisteten Arbeiten rechtssicher dokumentieren. Ziel war und ist es, den Prozess so einfach wie möglich zu gestalten. Unsere Kunden bestätigen uns täglich, dass wir dieses Ziel erreicht haben.

 

Bleiben wir beim Stichwort Innovation. Die Digitalisierung der Bau­stelle ist ein großes aktuelles Thema. Welche Lösungen bietet MTS in diesem Bereich?

Rainer Schrode: Wir bieten vor allem eine Lösung an, die verständ­lich ist. Alle unsere Produkte werden zu Testzwecken zunächst in unserer eigenen Tiefbaufirma eingesetzt. Das Feedback fließt direkt in die MTS Entwicklungsabteilung. Unsere Produkte sind also von der Praxis geprägt und umfassend getestet, bevor sie in Serie ge­hen. Ganz entscheidend dabei ist auch, dass sich die Software ei­ner Sprache bedient, die jeder Baulöwe sofort versteht. Eine weitere Stärke von uns ist unser praxisnahes Seminarangebot. Gerade im Bereich Digitalisierung ist der Schulungsbedarf gewaltig. Auch hier beweisen wir, dass MTS verstanden hat, was die Kunden brauchen. Bestes Beispiel ist unser stark besuchter Kurs ‚Datenaufbereitung für Einsteiger‘. Er nimmt den Teilnehmern die Angst vor der neuen Tech­nik und ersetzt Vorurteile durch die Erkenntnis, welche Vorteile die Digitalisierung bietet.

 

MTS bezeichnet sich als „der“ Spezialist für die Automatisierung im Tiefbau. Welche Leistungen rechtfertigten diese Aussage?

Rainer Schrode: Wir sind keine Verkäufer, sondern Berater. Jeder un­serer Berater muss ein Know-how mitbringen oder sich aneignen, das ihn auch zum Bauleiter qualifizieren würde. Nur so kann er dem Kunden kompetent und hilfreich zur Seite stehen. Ich kenne keine andere Firma in unserer Branche, die so konsequent den partner­schaftlichen, beratenden Kontakt zum Kunden fokussiert.

 

Seit der Firmengründung gehört auch die Akademie zu MTS. Was war die Idee dahinter und an wen richtet sich das Kursprogramm?

Rainer Schrode: Da wir bei unseren Produkten neue Verfahren einsetzen, war es einfach nur konsequent, die Anwender darin zu schulen. Nur so können sie aus unseren Innovationen den maxima­len Nutzen ziehen. Wir schulen sowohl den Baggerfahrer als auch den Bauleiter und Vermesser, aber auch den Werkstattmeister und Techniker. Generell empfinden Menschen Veränderungen zunächst oft als negativ. Hier setzen unsere Kurse an und bauen diese Ängste gezielt ab. Aufgrund des zunehmenden Schulungsbedarfs vor Ort haben wir im letzten Jahr flankierend zum Zentralsitz in Hayingen noch drei weitere Stützpunkte in Feuchtwangen, Bünde und Bad Liebenwerda aufgebaut. Wir erwarten dieses Jahr insgesamt rund 2.000 Teilnehmer bei unseren Kursen.

 

Geht die Entwicklerpower bei MTS derzeit hauptsächlich in Richtung Digitalisierung und Dienstleistung oder gibt es auch Fortschritte bei der klassischen Hardware für den Bau, also den Anbaugeräten?

Rainer Schrode: Wir konzentrieren uns gleichermaßen auf beide Bereiche. Unsere Produkte werden nie fertig sein. Potentiale für Ver­besserungen ergeben sich immer wieder. Anhaltspunkte für weitere Optimierungen erhalten wir Tag für Tag durch den intensiven Aus­tausch mit unseren Kunden und natürlich auch durch die laufenden Praxistests in unserem Tiefbauunternehmen.

 

Neben neuen Maschinen bieten Sie auch Geräte zur Miete an. Wie groß ist der MTS Mietpark? Warum vermieten Sie selbst und nicht über spezialisierte Dienstleister?

Rainer Schrode: Wir haben derzeit etwa 500 Geräte im Mietpark. Neben den Anbaugeräten bieten wir auch unsere 3D-Baggersteu­erung zur Miete an. Der Kunde kauft die Vorrüstung und mietet die Steuerung dann projektbezogen oder zum Testen. Eine aktuel­le Neuerung: Unsere Kunden können unsere Produkte seit diesem Jahr nicht nur kaufen und mieten, sondern auch leasen. Und zwar direkt bei MTS, ohne zwischengeschalteten Dienstleister. Der Vorteil für den Kunden ist zum einen, dass er nur einen Ansprechpartner hat. Externe Dienstleister im Mietgeschäft sind zudem in erster Linie darauf spezialisiert, Margen auszurechnen. Wir hingegen möchten sicherstellen, dass der Kunde unsere Geräte richtig und für ihn ge­winnbringend im Einsatz hat. Dazu müssen wir den Kunden selbst kennen und beraten, zumal wir den persönlichen Kundenkontakt keinem Dritten überlassen möchten, der eigene Geschäftsinteres­sen verfolgt.

 

Kurzer Rückblick, kleine Prognose – war 2017 ein gutes Jahr für MTS? Wie wird 2018?

Rainer Schrode: 2017 war ein intensives Jahr für MTS. Wir grün­deten die drei externen Stützpunkte und brachten unsere eigene Felsfräse sowie die Bodenrecycler neu ins Programm. Unsere Softwareabteilung hat wichtige neue Tools entwickelt. Zudem bauten wir ein neues Verwaltungsgebäude. Für 2018 bin ich sehr optimis­tisch gestimmt. Allein schon wegen des hohen Auftragsvolumens, das wir bereits haben. Weiter in die Zukunft geblickt, werden wir uns die kommenden vier Jahre noch auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Hier gibt es nach wie vor ein enormes Wachstumspo­tential für uns. Erst dann werden wir die Internationalisierung voran­treiben. Dieses angestrebte Wachstum erfordert auch neue Lager-und Produktionskapazitäten, die wir mit einem Neubau schaffen werden. Und natürlich brauchen wir neue, engagierte Mitarbeiter, die unsere Ziele mittragen und verfolgen.

 

 

Text und Bilder: David Kern und Peter Hebbeker

About the Author:

Schreibe einen Kommentar