Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

Ruhstorf. Weniger Hubraum, geringeres Gewicht, kleinere Größe, reduzierter Kraftstoffverbrauch, niedrigere Emissionen – es ist selten, dass ein Hersteller mit so offensivem Minimalismus für ein neues Produkt wirbt. Anders formuliert, besitzen die auf höchste Sparsamkeit getrimmten Hatz-Motoren der H-Serie Riesenvorteile und sind bereits prüfstand- und praxiserprobte Großmeister in Sachen Effizienz. Die Downsizing-Diesel machen aus weniger (Hubraum und Kraftstoff) mehr (Leistung und Drehmoment). Damit passen sie perfekt in unsere Zeit und natürlich in all die kompakten Maschinen, die sie zu gewinnbringender Produktivität antreiben.

Am 7. Juni feierte Hatz den Serienstart des Dreizylindermotors 3H50TIC unter dem Motto „Meet the Applicationizer“. Mit diesem jüngsten Spross zählt die stattliche Motorenfamilie der H-Serie nun sieben Mitglieder und deckt einen Leistungsbereich von 18,4 bis 62 kW ab. Wie viel Power in den kompakten Aggregaten steckt und welch vielfältige Anwendungen sie bedienen können, demonstrierte Hatz rund 30 geladenen Journalisten der internationalen Presse. In einer zur Event-Arena aufgerüsteten Kiesgrube in der Nähe des Firmensitzes im niederbayerischen Ruhstorf a. d. Rott präsentierte die Geschäftsführung zusammen mit den Produktverantwortlichen die Eigenschaften der Motoren in Wort und Bild und vor allem in Aktion. In Viererteams mit einem Hatz-Mitarbeiter als Leader traten die Journalisten aus ihrem Kameraschatten heraus, ließen die Schreibblöcke sinken und legten selbst Hand an, um auf Tuchfühlung zu gehen mit sechs gänzlich unterschiedlichen Maschinen, die jedoch eines verband: In allen schlug ein kräftiges H-Serie Hatz-Herz. Trotz des Trubels und des sofort entflammten Team- und Wettbewerbsgeist‘ nahmen sich die Hatz-Verantwortlichen viel Zeit, um alle Fragen zu beantworten. Peter Hebbeker aus der Treffpunkt.Bau-Redaktion sprach mit Bernd Krüper, der im November 2017 den Vorsitz der Geschäftsführung von Hatz übernommen hat. Der Diplomkaufmann startete seine berufliche Karriere bei Daimler im Produktmanagement und der strategischen Planung. Er wechselte innerhalb des Konzerns zum Friedrichshafener Motorenbauer MTU. Fast zwei Jahrzehnte lang engagierte sich Krüper dort in unterschiedlichen Führungspositionen, war unter anderem verantwortlich für das Marketing sowie das weltweite Händler- und Servicenetz. Die letzten sechs Jahre seiner Tätigkeit bei MTU führte er das weltweite Industriemotorengeschäft. Außerdem verantwortete Krüper für die MTU-Muttergesellschaft Rolls-Royce PowerSystems deren China-Aktivitäten. Dadurch ist der international äußerst erfahrene Manager bestens vertraut mit Anwendungsfeldern wie der Bau- und Landwirtschaft, in denen auch Hatz tätig ist.

 

Herr Krüper, nach 19 Jahren bei MTU mit einem sehr umfassenden, weltweiten Verantwortungsbereich wechselten Sie zu Hatz. Was waren die Gründe für diese Entscheidung?

Bernd Krüper: Durch meine Tätigkeit bei MTU kannte ich das Unternehmen Hatz bereits sehr gut. Auch die ausgezeichnete Reputation war mir vertraut. Die Motorenfabrik Hatz, das wusste ich aus eigener Erfahrung, verspricht nichts, was sie nicht halten kann. Die Motoren sind bekannt für höchste Zuverlässigkeit und Leistung. Insgesamt ist Hatz ein Unternehmen mit einer hervorragenden Zukunftsfähigkeit und natürlich ist auch die Aufgabe als Vorsitzender der Geschäftsführung eine sehr spannende, vielseitige und anspruchsvolle Herausforderung, der ich mich gerne stelle. All diese Punkte haben mich bewogen, die mir angebotene Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung anzunehmen. Neu ist für mich die Situation, in einem familiengeführten Unternehmen tätig zu sein – elf Familiengesellschafter halten sämtliche Firmenanteile. Zu dem Hauptgesellschafter Wolfram Hatz herrschen sehr enge Beziehungen. Die Entscheidungswege sind damit äußerst kurz. Wir denken und investieren hier bei Hatz wesentlich langfristiger und nachhaltiger als in einem börsengeführten Konzern, wo oftmals der Aktienkurs das Handeln kurzfristig diktiert. Die langfristige Perspektive passt auch deutlich besser zu unseren Produkten, die häufig mehrere Dekaden lang im Einsatz sind. Viele aktuelle Hatz-Motoren, deren Grunddesign bis in die 1980er Jahre zurückreicht, laufen heute noch bei den Kunden. Bei solchen Produktzyklen macht es keinen Sinn, Strategien auf den Quartalstakt des Kapitalmarkts auszurichten.

 

Hatz ist ein Familienunternehmen. Mit rund 1.000 Mitarbeitern ist es allerdings schon eine Großfamilie, der Sie nun vorstehen. Woher kommt der Zusammenhalt – was schweißt die Belegschaft zusammen?

Bernd Krüper: Wie gesagt, kannte ich das Unternehmen Hatz bereits gut durch meine frühere Tätigkeit. Was mich jedoch, als ich hier startete, sehr positiv überrascht hat, ist die Begeisterung der Mitarbeiter für unsere Produkte und unsere Marke. Wir haben eine sehr hohe Loyalität der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen und kaum Fluktuation. Hatz bietet Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung, die in starren Konzernstrukturen viel schwerer und wenn, dann eher langfristig zu realisieren sind. Technologisch sind wir rund um den Dieselantrieb in zahlreichen Zukunftsbereichen unterwegs. Es gibt eine Menge spannender Aufgaben und auch für junge Mitarbeiter die Chance, Neues zu gestalten. Jeder bei uns kann und muss Verantwortung übernehmen – auch das zeichnet Hatz gegenüber anonymen Großkonzernen aus.

 

Sie bringen umfangreiche weltweite Erfahrungen im Motorenbau und -vertrieb mit zu Hatz. Ist der Ausbau der Internationalisierung ein zentrales Ziel, das Sie verfolgen?

Bernd Krüper: Wir sind heute schwerpunktmäßig in Westeuropa tätig. Circa 10 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir bislang in den USA. Bei der hier vorgestellten H-Serie streben wir ein Verhältnis Europa zu USA von 50 zu 50 an. Auch Kanada haben wir im Fokus. Von der Positionierung passen diese High-Tech-Motoren auf die Märkte in Westeuropa und Nordamerika. Unsere mechanisch sehr robusten Einzylindermotoren sind hingegen prädestiniert, um weitere Märkte in aller Welt zu bedienen. Deswegen haben wir zum einen Wachstumspotential in den hochentwickelten Ländern mit der neuen H-Serie, zum anderen sehe ich deutliche Ausbaupotentiale für den asiatischen Raum. Dortige OEMs nutzen z. B. unsere Motoren, um ihre Maschinen fit für die westlichen Märkte zu machen.

 

Kernmerkmal der neuen H-Serie ist das Downsizing. Dieses Konzept kennen wir aus dem Automobilbereich. Passt es auch in die staubige Baubranche mit ihren harten Einsatzbedingungen?

Bernd Krüper: Früher galt bekanntermaßen: je mehr Hubraum, desto besser. Das hatte aber den Effekt, dass die Motoren und vor allem auch die Nebenaggregate viel Bauraum beanspruchten. Dem stellen wir unser Konzept eines äußerst kompakt bauenden Grundmotors entgegen, der ein sehr enges Design der Gesamtantriebslösung ermöglicht. Das spart erstmal natürlich Platz. Unsere Downsizing-Motoren bieten zudem mindestens die gleiche, meist sogar eine höhere Leistung als herkömmliche Antriebe. Die Hersteller können also ihre Fahrzeuge kleiner bauen oder bei gleicher Größe mehr zuladen. Hinzu kommt, dass Hatz-Motoren überwiegend in kostensensitiven Wirtschaftszweigen eingesetzt werden. Hier spielt ein kompakter, kräftiger und dabei sparsamer Motor seine Vorteile voll aus. Die Literleistung unserer H-Motoren ist absolut führend im Markt.

 

Die H-Serie markiert einen Meilenstein der Motorenentwicklung bei Hatz. Das Downsizing-Konzept wurde konsequent umgesetzt und erstmals gibt es eine Flüssigkeitskühlung. Konnten Sie mit diesen Vorteilen bereits neue Kunden gewinnen?

Bernd Krüper: Klassisch kennt der Kunde Hatz aus den Segmenten Rüttelplatten oder kleine Walzen. In diesem Bereich wollen wir unsere starke Position natürlich verteidigen und weiter ausbauen. Weltweit und besonders in Asien haben wir hier mit unseren luftgekühlten Motoren noch ein enormes Wachstumspotential. Mit unseren neuen, flüssigkeitsgekühlten High-Tech-Motoren konnten wir bereits neue Anwendungsfelder erfolgreich besetzen, z. B. im Bereich Gegengewichtsstapler, Pumpenantriebe, Straßenkehrgeräte und Stromaggregate. Das engere Ziel besteht zunächst darin, rund um die Baubranche weitere Einsatzgebiete zu erschließen. Unsere Palette wird also erheblich breiter. Unser Kernprofil ist und bleibt jedoch die Baumaschine.

 

Hatz steht für Diesel, bereits das Unternehmenslogo stellt das klar. Sind alternative Antriebe damit tabu?

Bernd Krüper: Technologisch ist der Dieselmotor geprägt von hoher Robustheit und Belastbarkeit. Unsere Motoren laufen in Sibirien bei klirrender Kälte ebenso zuverlässig wie bei sengender Hitze oder im feuchten tropischen Klima. Hinzu kommt als weiterer entscheidender Vorteil, dass Dieselkraftstoff überall auf der Welt verfügbar ist. Ganz anders sieht das aus z. B. mit Ladestationen für Elektromaschinen. Auch was die Themen Drehmoment, Standfestigkeit und die Paarung mit unterschiedlichsten Anforderungsprofilen angeht, beweist der Diesel seine Vorzüge. Wir haben zudem viele Ideen, wie sich der Diesel weiter verbessern und auch noch sauberer machen lässt. Generell gilt für alle unsere Motoren, dass wir die gesetzlichen Abgasvorschriften robust und dauerhaft erfüllen. Insgesamt sehe ich für den Diesel noch ein großes Zukunftspotential. Deswegen führt Hatz auch weiterhin den Begriff Diesel im Markennamen und es wird weiterhin sehr viel Diesel bei uns geben, aber nicht ausschließlich. Mit unserer Sparte Hatz Systems besitzen wir schon heute Systemfähigkeiten und entwickeln komplette Antriebslösungen für unsere OEM-Partner. Wir beschäftigen uns aber auch mit alternativen Antrieben und Energiequellen. Das Thema Hybrid beispielsweise bietet Chancen rund um den Diesel und wir haben auch schon mal von Gas gehört (schmunzelt). Ziel bei Hatz wird es immer sein, kundenfähige Innovationen zu entwickeln.

 

Hatz beschränkt sich auf den Leistungsbereich bis 62 kW. Warum dieses Limit?

Bernd Krüper: Viele Wettbewerber kommen von einem höheren Leistungspunkt und bauen eben auch kleinere Motoren. Wie immer im Leben ist es jedoch hilfreich, sich auf ein Kerngeschäft zu fokussieren und dort keine Me-too-Lösung anzubieten. Und genau das tut Hatz mit seiner Spezialisierung auf Diesel-Motoren von 1,5 – 62 kW. Hinzu kommt der überwältigende Bekanntheitsgrad der Hatz-Motoren in diesem Leistungsbereich. Er resultiert natürlich auch aus der knapp 140-jährigen Firmengeschichte, aber der hervorragende Ruf unserer Motoren gründet sich vor allem auf deren Top-Qualität und Top-Zuverlässigkeit. Hinzukommt, dass Hatz dafür bekannt ist, seine Kunden niemals hängen zu lassen und immer eine Lösung zu finden. Das ist markenprägend für Hatz und Kern unseres Selbstverständnisses.

 

Sind es gute Zeiten für Hatz und wie wird es weiter gehen?

Bernd Krüper: Ja, wir blicken auf ein starkes Jahr zurück. Wir arbeiten in den meisten Bereichen an der Kapazitätsgrenze und wachsen mit der H-Serie stärker als geplant. Die Nachfrage ist überwältigend. Über weitere Effizienz- und Verfahrensoptimierungen arbeiten wir intensiv an weiteren Kapazitäten für den Geschäftsausbau. Das gilt sowohl für die Motoren als auch für unsere Komponentensparte, in der wir Pleuelstangen und Kurbelwellen für andere Motorenhersteller fertigen. Wirtschaftlich stehen wir sehr gut da und wir haben das Unternehmen wetterfest gemacht für Zeiten, in denen der Markt nicht mehr ganz so überhitzt ist. Wir sind jetzt in der Lage, jederzeit flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. Wir denken aber auch über weitere Anwendungen nach und auch über weitere Geografien, um das Geschäft signifikant auszubauen. Für unser Wachstum können wir uns auf ein starkes weltweites Händler- und Servicenetz mit etwa 500 Partnern stützen. Zudem betreiben wir 13 eigene Auslandsniederlassungen z. B. in Australien, Südafrika und den USA. Bei allen Plänen wird sich Hatz jedoch immer seiner Herkunft und seiner Stärken bewusst sein und seinen Werten treu bleiben. Wir sind und bleiben ein niederbayerisches Unternehmen, dessen Produktion und Mitarbeiter fest in dieser Region verwurzelt sind – auch wenn unser Geschäft sich zunehmend globalisiert.

 

 

Text und Bilder: Peter Hebbeker

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