bauma 2019 – Digitalisierung ist die größte Verbandsaufgabe

bauma 2019 – Digitalisierung ist die größte Verbandsaufgabe

Frankfurt/Main. Die weltweit größte Präsentation von Bau- und Baustoffmaschinen, die bauma 2019, öffnet demnächst für eine Woche ihre Pforten. Joachim Schmid, VDMA Geschäftsführer des Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen, gab über die Leistungsschau der Superlative und über die konjunkturelle Lage der Branche dem Treffpunk.Bau in Frankfurt/Main ein Interview. Die Fragen stellte Rainer Oschütz.

 

Herr Schmid, die bauma ist jedes Mal wieder eine Standortbestimmung der Branche. Wie schätzen Sie die gegenwärtige konjunkturelle Lage ein?

Joachim Schmid: Die konjunkturelle Lage ist prima, unsere Mitglieder, die direkt an der Bautätigkeit hängen, arbeiten auf einem Allzeithoch. In Deutschland wurden im letzten Jahr 36.000 Baumaschinen verkauft – Bestwert. West- und Nordeuropa präsentieren sich ähnlich stark wie Deutschland. Auch wenn hier der Peak überschritten sein dürfte, erwarten wir eine stabile Entwicklung in Europa, weil in Süd- und Osteuropa noch Luft nach oben ist. Weltweit sehen wir ein Plus von zehn Prozent, wenn die politischen Konflikte nicht weiter eskalieren. Etwas verhaltener läuft es im Bereich Steine und Erden und der Baustoffproduktion. Auch hier ist die Nachfrage zuletzt wieder gestiegen, aber die Wachstumsmärkte liegen in der Regel im fernen Ausland – also kein Heimvorteil für unsere Mitglieder, bis auf die Jahre, in denen sich die Branche auf der bauma trifft. Entsprechend haben wir hier berechtigte Hoffnung, dass unsere Mitglieder mit dem bauma Rückenwind einige Projekte geholt beziehungsweise vorangetrieben werden können.

 

Im Vorfeld der Messe wird ja häufig in Superlativen gesprochen – was neue Technik und Aussteller anbelangt. In welchen Bereichen macht sich der technische Fortschritt besonders bemerkbar?

Joachim Schmid: Bevor es vergessen wird, muss die Anstrengung der Maschinenhersteller in saubere Maschinen Erwähnung finden. Viel Geld und Entwicklungskapazitäten sind in die Umweltthematik geflossen. Das Ergebnis gibt es auf der bauma zu sehen. Saubere Dieselantriebe, Elektrolösungen, wo lokal Zero Emission gefordert ist, aber auch gasbetriebene Maschinen. Hier würde ich sagen „Mission accomplished“. Als wesentlichen aktuellen Trend sehe ich die Nutzerfreundlichkeit von Maschinen. Sie werden komplexer, der Funktionsumfang nimmt zu und das in Zeiten, wo der Mangel an Fachkräften immer eklatanter wird. Entsprechend werden wir viele Neuentwicklungen auf der bauma sehen, die es leichter machen, die Leistungsfähigkeit der Maschinen auszuschöpfen. Assistenzsysteme, die den Bediener entlasten, teilautonome Prozesse und ergonomische Entwicklungen im Cockpit.

 

Sie nannten in einem Beitrag die Digitalisierung mit ihren unterschiedlichsten Aspekten als Megatrend-Thema in München. Ist das nicht noch eher „Zukunftsmusik“ für die Baubranche?

Joachim Schmid: Die digitale Baustelle ist Zukunftsmusik. Der Weg dahin ist allerdings klar vorgezeichnet und die Protagonisten sind aufgebrochen. Viele Hersteller investieren immense Summen in die Entwicklung smarter Maschinen und es gibt zum Beispiel schon Demosteinbrüche, die autonom laufen. Für eine klassische Baustelle, die sehr komplex ist, müssen jetzt Teilprozesse mit intelligenten Maschinen digitalisiert werden. Das kann der Maschinenhersteller nicht alleine erledigen. Es muss Prozess Know-how mit unterschiedlichsten Kompetenzen beispielsweise aus IT oder Telekommunikation zusammengebracht werden. Dazu gibt es auf der bauma in Halle A2 einen neuen Ausstellungsbereich „Digitale Baustelle“.

 

Wie kann der VDMA diese Entwicklung unterstützen?

Joachim Schmid: Wir können die Akteure zusammenbringen und für die notwendigen Standardisierungen sorgen. Dazu gründen wir gerade in Kooperation mit dem Hauptverband der deutschen Bauindustrie die Arbeitsgemeinschaft „Machines in Construction 4.0“. Die Gründungssitzung ist für die bauma vorgesehen. Sie können sich vorstellen, dass es eine Herkulesaufgabe ist, die vielen Ideen und Angebote mit standardisierten Schnittstellen zu bedienen, sodass am Ende die digitale Baustelle entstehen kann. Diese theoretischen Arbeiten sollen aber auch ganz praktisch begleitet werden. Dazu hat unsere Forschungsvereinigung „Baumaschinen und Baustoffanlagen“ das Projekt Bauen 4.0 mit einer digitalen Demo-Baustelle im Köcher. Für mich ist die Digitalisierung des Bauens die größte Verbandsaufgabe, seit ich dabei bin, und das sind immerhin schon 17 Jahre.

 

Kanada ist zur bauma 2019 Partnerland. Welche Wirtschaftskraft steckt dahinter?

Joachim Schmid: Die Bauindustrie mit dem Bergbau zusammen erwirtschaftet in Kanada 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Außerdem ist Kanada der siebtgrößte Baumaschinenmarkt der Welt. Es gibt wenige Länder, für die der bauma-Fokus so gut passt.

 

Freihandel und Zugang zu den internationalen Märkten sind für die deutschen und europäischen Baumaschinenhersteller von enormer Bedeutung. Welchen Einfluss hat der europäische Branchenverband (CECE) auf eine entsprechende, wirkungsvolle Industriepolitik, die von Brüssel gesteuert werden sollte?

Joachim Schmid: Bevor ich zum CECE komme, möchte ich noch hervorheben, dass der für unsere Mitgliedsfirmen essentielle Freihandel beim bauma Partnerland auch eine ganz wesentliche Rolle gespielt hat. Kanada und Europa haben es geschafft, mit CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) wieder einmal ein Freihandelsabkommen zu unterzeichnen. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass Freihandel nicht das Problem, sondern eine Antwort auf die Probleme der Welt ist. In der VDMA Kampagne „Danke Freihandel“ finden sich viele positive Beispiele. Unser Branchenverband CECE ist ganz überwiegend im politischen Brüssel unterwegs. Zu den anstehenden Europawahlen wurde jüngst in einem Manifest eine EU Industriestrategie und ein Vize-Kommissionspräsident mit Zuständigkeitsbereich Industrie gefordert. Darüber hinaus sind der Binnenmarkt, nachhaltige Umweltpolitik, Freihandel und digitales Bauen als zentrale Handlungsfelder genannt. Am Launch Event teilnehmende Politiker der EU Kommission und wesentlicher Fraktionen des Europaparlaments haben die Forderungen sehr positiv aufgenommen.

 

 „Think Big“ zur bauma ist für Ihren Fachverband ein Lieblingsprojekt geworden. Was erwartet die Schülerinnen und Schüler zur diesjährigen Leistungsschau?

Joachim Schmid: Tatsächlich macht dieses Projekt einen Riesenspaß. Die Buskontingente für den Schülertransport sind schon lange ausgebucht und alle Beteiligten freuen sich, mit dem Nachwuchs in Dialog treten zu können. Das Konzept ist das bewährte, mit Werkstatt Live im Zentrum und einer Vielzahl von Informations- und Mitmachständen der beteiligten Firmen und Partner. Neu ist der Veranstaltungsort. Think Big zieht von der Halle B0 in das direkt benachbarte Foyer des ICM. Wenn die Schüler am Ende des Tages mitnehmen, wie vielfältig und modern die Ausbildungs- und Jobangebote der Maschinenhersteller sind, ist den jungen Leuten gedient und die Branche verbucht den in der Nachwuchswerbung nötigen Imagegewinn.

 

 E00.200/P

 

Text: Rainer Oschütz

Bilder: VDMA, Messe München

About the Author:

Schreibe einen Kommentar