VDBUM Innovationskultur – neuen Ideen eine Chance geben

VDBUM Innovationskultur – neuen Ideen eine Chance geben

Willingen. „Innovation durch Motivation“ war das Leitthema des 48. Großseminars, zu dem der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VBUM) kürzlich ins sauerländische Willingen eingeladen hatte. Rund 1.200 Teilnehmer kamen auch in diesem Jahr zu der traditionellen Veranstaltung.

Viel Beachtung fand wiederum die begleitende Ausstellung. An 106 Ständen präsentierten Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft auf 1.200 m² Ausstellungsfläche ihre Produkte und wissenschaftlich-technische Leistungen. Im Fokus standen ebenfalls die großen Exponate, die im Außengelände gezeigt wurden. Große Aufmerksamkeit galt auch dem Patenschaftsprogramm für Universitäten und Hochschulen. Dieser Teil hat sich mittlerweile als fester Bestandteil des Großseminars etabliert. Zahlreiche Studenten und Meisterschüler nutzen die Chance zur Teilnahme. Hierbei sponsern Partnerunternehmen und der VDBUM den Besuch der Fachtagung von Studenten aus baurelevanten Fakultäten und Meisterschulen. Der Treffpunkt.Bau übernahm in diesem Jahr ebenfalls eine Studentenpatenschaft. Durch diese Aktion haben Nachwuchskräfte die Möglichkeit, maßgebliche Unternehmen der Branche kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen für Praktika und Examensarbeiten. Den Unternehmen verhilft das Programm zu wertvollen Kontakten mit aussichtsreichen künftigen Mitarbeitern. Das Patenschaftsprogramm hat sich in diesem Jahr noch mal deutlich ausgeweitet. Die Teilnehmerzahl stieg von 30 im Vorjahr auf 74 Nachwuchskräfte. VDBUM-Geschäftsführer Dieter Schnittjer lobte das steigende Baumaschinen-Interesse der jungen Leute.

 

Faktor Mensch im VDBUM-Talk

Die Themenkomplexe „Bauprozess und Mensch“, „Technologie und Digitalisierung“, „Motorentechnik“, „Forschung trifft Praxis“ sowie „Spezialtiefbau“ bestimmten die dreitägige Veranstaltung. Angesichts des sich zunehmend offenbarenden Fachkräftemangels griff der VDBUM-Talk mit dem Thema „Fachkräfte – Garanten für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“ ein heißes Eisen auf und stellte die zentrale Bedeutung des Faktors Mensch für den Unternehmenserfolg als Kernbotschaft in den Raum. Darüber diskutierten auf dem Podium Prof. Dr. Thomas Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer AG, Friedrich Duensing, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mehrtens als Vertreter des umworbenen Nachwuchses, Michael Ziegler, Personaldirektor bei Total Deutschland, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen, und Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM. Sachkundig moderiert wurde die Runde von Alexandra von Lingen. Die Baubranche sei gegenwärtig in einer sehr guten Verfassung, das gelte auch für die kommenden Jahre, betonte Prof. Bauer, der nur am ersten Teil der Podiumsdiskussion teilnehmen konnte. Dabei verwies er auf die Konkurrenzsituation, die bald massiv zunehmen werde. „Wenn wir nicht total innovativ sind in den nächsten Jahren, werden wir in diesem Wettbewerb mit Sicherheit zurückfallen.“ Wichtig sei dabei auch die Innovationskultur in den Unternehmen: „Give new ideas a chance.“ Wegen der Nachwuchsknappheit und um den Anschluss nicht zu verpassen, habe man sich bei Bauer in der Entwicklungsarbeit international aufgestellt mit Entwicklungsbüros in Indien, China und anderen Ländern, weil man dort mehr gut ausgebildete Leute bekommen könne.

 

Neue Arbeitsmodelle anbieten

Auf den Nachwuchsmangel eingehend stellte Duensing fest: „Die Nachfrage ist stark gestiegen, und die Demografie spielt gerade gegen uns.“ Deshalb ist sein Unternehmen seit einigen Jahren gezielt in Schulen und Universitäten unterwegs, um junge Menschen möglichst früh anzusprechen und dazu zu bewegen, in dem Unternehmen anzufangen oder sich aus- und weiterbilden zu lassen. Man warte nicht mehr nur auf Bewerbungen. Dazu gehöre mittlerweile auch, verstärkt Flüchtlinge mit Sprachkursen und Weiterbildung zu integrieren. Dabei habe man mit Osteuropäern und Syrern gute Erfahrungen gemacht. Auf dem Podium stand Mehrtens als Vertreter des Nachwuchses Rede und Antwort. Er beginnt demnächst ein duales Studium, nachdem er bereits nach dem Abitur gerade seine Ausbildung als Land- und Baumaschinenmechatroniker abgeschlossen hat. Er plädierte dafür, dass wieder mehr Menschen eine Ausbildung machen, auch wenn sie anschließend studieren wollen, um wichtige praktische Erfahrungen zu sammeln. Innovationen wie die Digitalisierung in einem Großkonzern sind für Ziegler langsamer und schwieriger umzusetzen als im Mittelstand, betonte er in der Diskussionsrunde. Die Frage sei: Wie kriege ich das in die Köpfe der Mitarbeiter hinein? Da müsse man Durchhaltevermögen haben. „Digitale Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Die Nachwuchskräfte von heute stellten neue Anforderungen, zum Beispiel hinsichtlich einer stringenten Work-Life-Balance. Die Unternehmen müssten eine Flexibilisierung der Arbeit, neue Arbeitszeitmodelle und tarifliche Regelungen anbieten.

 

Baubranche attraktiver machen

In der Beschaffung von Arbeitskräften sieht Heidemann für Zeppelin künftig eine der großen Aufgaben. Dazu gehöre auch ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe. Eine familiäre Atmosphäre zu schaffen sei ganz wichtig, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Ältere Mitarbeiter würde man auch gerne über die eigentliche Altersgrenze hinaus noch im Unternehmen halten, damit sie ihr in Jahrzehnten angehäuftes Wissen weiterhin einbringen. Dazu gehöre auch, die Baubranche für junge Leute attraktiver zu gestalten, betonte Heidemann. In dem Zusammenhang stellte Guttenberger die Frage: „Warum ist die Arbeit auf dem Bau weniger attraktiv als anderswo?“ Und er gab selbst die Antwort: „Weil es dort staubt und vibriert.“ So ließen sich durch Innovationen unangenehme Tätigkeiten erleichtern oder gar ausklammern. Er wies darauf hin, dass bei der Nachwuchsförderung auch den älteren Mitarbeitern im Ruhestand eine wichtige Bedeutung zukomme. Durch die VDBUM-Initiative „Silver Worker“ kommen erfahrene Senioren zum Einsatz, die beratend ihr Wissen an junge Nachwuchskräfte in ihrem oder in anderen Unternehmen weitergeben.

 

„Innovationen aus der Praxis“

Ein weiterer Höhepunkt des Großseminars war – bereits zum 7. Mal – die Vergabe des VDBUM-Förderpreises. In der Kategorie „Innovationen aus der Praxis“ ging der 1. Platz an die Ernst Wagener Hydraulikteile GmbH in Hattingen, für ihr Produkt „GRIFAsoftstep“. Die Leiter für große mobile Maschinen hilft mit ausgeklügelter Technik, akute Verletzungen und Dauerbelastungen beim Auf- und Absteigen zu vermeiden. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung für ein wirklich tolles Produkt“, sagt Jan Wagener, Geschäftsführer der Ernst Wagener Hydraulikteile GmbH. Und auch Griener äußert sich mit den Worten: „Klasse! Ein deutliches Lob für diese wichtige Innovation und eine schöne Bestätigung unserer Partnerschaft mit der Firma Wagener.“ Mehr dazu auf Seite 40.

 

EOE.18

 

Text: Bernd Mair & Rainer Oschütz

Bilder: MZ Mediaverlag, VDBUM

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