Bomag – Gegenwart und Zukunft der Verdichtungstechnik

Bomag – Gegenwart und Zukunft der Verdichtungstechnik

Boppard. Bomag produziert Maschinen für die Verdichtung von Erde, Asphalt und Müll. Die Verdichtungsgeräte werden vom Garten- und Landschaftsbau über den kompletten Verkehrswege­bau bis zum schweren Dammbau eingesetzt. Bomag liefert auch spezielle Lösungen für den Einsatz auf Mülldeponien aller Größen sowie zum Recycling von beschädigten Schwarzdecken und zur Bodenstabilisierung. Das komplette Produktportfolio beinhaltet alles vom kleinen Stampfer bis zum 55 t schweren Müllverdichter. Bomag ist nach eigenen Angaben der einzige Hersteller im Markt, der diese komplette Produktpalette bietet. Heiko Krautkremer, Leiter Vertrieb Bomag Deutschland, spricht über innovative Tech­nologien, die bereits verfügbar sind, und über Projekte, die einen Ausblick auf die Zukunft der Verdichtungstechnik gewähren.

 

Bomag beansprucht den Titel Weltmarktführer im Sektor Verdich­tungstechnik. Bezieht sich die Spitzenposition auf die schiere im Markt platzierte Menge an Maschinen?

Heiko Krautkremer: Neben dem umfassendsten Maschinenport­folio am Markt sind wir auch Innovationstreiber, was auf der dies­jährigen bauma nicht nur zu sehen war, sondern auch prämiert wurde. Für unser Ion Dust Shield zur nachhaltigen Reduzierung von Feinstaub auf der Baustelle erhielten wir die Silbermedaille des bau­ma Innovation Awards. Andere Konzepte zur Vermeidung von Ab­gasen wie alternative Gas- und Elektroantriebe oder unsere Tandem­walze BW 174 mit Hybridantrieb zeigen die verschiedenen Visionen, die Bomag zur Effizienzsteigerung, aber auch zum Umweltschutz vorantreibt. Auch im Bereich Digitalisierung entwickeln wir ständig neue Lösungen, hier haben wir erstmals auf der bauma unsere And­roid App Bomap zur flächendeckenden Verdichtungskontrolle so­ wie die Asphalt Pro Lösung zur digitalen Prozessoptimierungen im Straßenbau vorgestellt.

 

Welche Produkteigenschaften qualifizieren Bomag Maschinen für die Führungsposition im Markt?

Heiko Krautkremer: Bomag steht für robuste und zuver­lässige Technik, gepaart mit höchsten Ansprüchen an die Bedienbarkeit in der Praxis. Wir sind weltweit führend in der Mes­sung, Dokumentation und der Kontrolle von Verdichtungsarbeiten sowohl während des Verdichtungsvorgangs als auch danach. Durch die Vielzahl möglicher Ausstattungsvarianten und die weltweite Tä­tigkeit von Verdichtungsexperten werden Bomag Maschinen einer großen Vielfalt unterschiedlicher Anforderungen gerecht. Durch die Kombination unserer Technologien wie den Asphalt Manager oder Variocontrol und Assistenzsystemen wie den Bomap entwickeln wir immer intelligentere Maschinen, um beste Leistungen und Lösun­gen zu erzielen. Um diesen digitalen Trend weiterzuführen, haben wir vor kurzem unser Asphalt Pro System zur digitalen Prozessop­timierung veröffentlicht, welches wir mit unserem Partner Volz Consulting entwickelt haben. Ein anderes Beispiel der digitalen Ver­netzung ist der Bomag Joblink, der alle für die Verdichtung relevan­ten Messwerte, wie z. B. den EVIB-Wert, auf eine offene Schnittstelle liefert. Neben Bomap und BCM können diese Daten auch direkt von Drittanbietern wie Trimble, Moba oder Topcon genutzt werden.

 

Was ist mit den anderen Produktsparten von Bomag – streben Sie dort auch Spitzenpositionen im Markt an? Wo erwarten Sie das größte Wachstum?

Heiko Krautkremer: Mit vielen Innovationen und durch stetiges Wachstum im Markt sind wir ein starker Partner für unsere Händler und Kunden. Unser Portfolio erweitern wir kontinuierlich mit Ma­schinen und innovativen Technologien: In diesem Jahr haben wir unter anderem unseren neuen kompakten Cityfertiger BF 200, die neue Generation unserer Straßenfertiger BF 600,700 und BF 800 und das innovative Bedienkonzept unserer großen Fertiger auf der bau­ma vorgestellt.

 

Die Branche blickt zurück auf eine äußerst erfolgreiche bauma 2019. Womit konnte Bomag die Besucher begeistern?

Heiko Krautkremer: Wir können auf eine sehr erfolgreiche bauma zurückblicken. Unseren Kunden haben wir über 100 Maschinen aus unserem gesamten Produktportfolios und innovative Technologi­en gezeigt. Angefangen mit unseren Produktneuheiten wie dem Kompaktfertiger BF 200, der Tandemwalze BW 174 AP Hybrid mit Hydraulik-Hybrid-Antrieb bis hin zu Innovationen im Bereich Digi­talisierung wie der Verdichtungsapp Bomap und Asphalt Pro und im Bereich Umweltschutz mit dem Ion Dust Shield zur Feinstaub-reduzierung an den Bomag Kaltfräsen. Wir haben uns dieses Jahr aber auch dazu entschieden, Projektstudien mit auf die bauma zu nehmen, um unseren Besuchern Zukunftsvisionen näherzubringen und gemeinsam mit ihnen diese zu diskutieren und zu gestalten. So konnten unsere Besucher zum Beispiel eine Designstudie der Tan­demwalze BW 120 mit einem 30 kW Gasmotor auf unserem Stand finden. Das besondere Highlight des Messeauftritts war zweifellos unsere autonome Tandemwalze Robomag, die in der Lage ist, einen vordefinierten Arbeitsbereich selbstständig und ohne Maschinen­führer zu verdichten.

 

Die Schlagworte Energiewende und CO2-Sparen sind in aller Mun­de. Welche Bedeutung haben „grüne Themen“ für Bomag?

Heiko Krautkremer: Im Zuge des Klimawandels und erhöhter Feinstaubbelastung vor allem im urbanen Bereich haben wir schon früh die Notwendigkeit erkannt, Emissionen von Baumaschinen zu reduzieren. So hält ein Großteil der Bomag-Maschinen jetzt schon die ab 2020 vorgeschriebene Abgasnorm Stage V ein. Doch Bomag geht noch einen Schritt weiter. Für unsere Kaltfräsen haben wir mit dem Ion Dust Shield ein System zur Reduzierung der Feinstaubbe­lastung entwickelt. Dieses System bindet per Ionisierung den beim Fräsprozess entstehenden Feinstaub zu Grobstaub und reduziert so über die gesetzliche Regelung hinaus die Belastung für Arbeiter, Anwohner und Umwelt. Über 80 % des anfallenden Feinstaubes werden durch das Ion Dust Shield zu unschädlichem Grobstaub umgewandelt. Mit Technologien wie dem Economizer und dem Asphaltmanager haben wir Assistenzsysteme entwickelt, die Über­verdichtung verhindern und unnötige Überfahrten vorbeugen. Andere Technologien wie der Ecomode und Ecostop wirken sich direkt auf den Kraftstoffverbrauch aus. Die intelligente Drehzahl­regelung Ecomode spart bis zu 30 % Kraftstoff und sorgt für eine deutlich geringere Geräuschemission. Durch den Ecostop schaltet sich der Motor nach einer definierten Leerlaufzeit automatisch ab. Kraftstoffverbrauch und Verschleiß werden so zusätzlich reduziert. Mit alternativen Antrieben beschreitet Bomag einen weiteren Weg zur Abgasreduzierung. Unsere Hybridversion der Tandemwalze BW 174 AP vereint Dieselmotor, Hydraulikspeicher und Verdichtungssys­tem zu einer hocheffizienten Systemlösung. Dadurch lässt sich ein kompakterer Motor einsetzen, der bei gleicher Leistung bis zu 20 % CO2 einspart. Die gasbetriebene Version des Bomag-Stampfers BT 60 punktet wiederum mit extrem niedrigen Kohlenmonoxid-Wer­ten von nahezu 0 %. Damit erfüllt er die strengsten Arbeitsplatzricht­linien und ist dabei auch besonders umweltfreundlich. Dank dieser Eigenschaft ist es sogar möglich, mit dem Gasstampfer in Arbeitstie­fen über 3 m zu arbeiten.

 

Eine E-Welle rollt über unsere Baustellen, wenn man der Werbung glaubt. Bei welchen Maschinen aus dem Bomag Portfolio sind heu­te schon alternative Antriebe im Einsatz, wo sind sie geplant?

Heiko Krautkremer: Bomag hat den Anspruch, künftige Lösungen optimal den Kundenansprüchen an eine effiziente und wirtschaft­liche Verdichtung anzupassen. So garantieren wir, dass Baumaschi­nen langfristig für wachsende Umwelt- und Arbeitsschutzstandards gut gerüstet sind. Auf der bauma 2019 haben wir bereits die Chance wahrgenommen, den praktischen Nutzen neuer Technologiestudi­en mit unseren Kunden zu diskutieren. Innovative Antriebsvarian­ten wie die Hybrid- und Gaslösung der leichten Tandemwalze BW 120, die Idee zu akkubetriebenem Bomag Light Equipment oder die Technologie- und Designstudie zur autonomen Tandemwalze Ro­bomag sind die Basis, um im Dialog mit unseren Kunden die Bedürf­nisse für die Baustelle der Zukunft zu erkennen und umzusetzen. Unsere Studien dienen so als Grundlage zur Realisierung praktischer Lösungen für die Zukunft. Bomag-Kunden dürfen also auf weitere Innovationen in Bereichen wie Digitalisierung und alternativer An­triebe gespannt sein.

 

Neben der Energiewende ist die Digitalisierung ein weiteres Schlüs­selthema in der Baubranche. Welche neuen digitalen Dienste bietet Bomag?

Heiko Krautkremer: Digitalisierung ist ein zentrales Element zur Vernetzung von Maschinen auf der Baustelle. Von der Planung der Baumaßnahme über die Dokumentation des Verdichtungsfort­schritts bis hin zur Wartung und Instandsetzung einer Maschine sehen wir Digitalisierung als einen zentralen Baustein für ein effizi­entes Zusammenarbeiten. Bomag setzt dabei auf eine Reihe von di­gitalen Werkzeugen. Der Remote Service Assistant ermöglicht zum Beispiel schnellen weltweiten Cloud-Support für die multimediale Soforthilfe direkt an der Maschine. So können sich Bomags Entwick­lungsingenieure von ihrem Büro aus per Videochat im Zweifelsfall persönlich das Problem ansehen und live vor Ort auf der Baustelle eine Lösung finden. Außerdem lässt sich für alle Parteien der Ser­vicefall vollständig nachvollziehen und lückenlos dokumentieren. Dies spart Zeit, Reisekosten und Stillstandszeiten der Baumaschinen.

Auf der bauma haben wir unsere neue App Bomap präsentiert, die Lösung für die digitale Erd- und Asphaltbaustelle, mit der vor Ort, auf der Baustelle, Arbeitsergebnisse in Echtzeit dokumentiert wer­den können. Intuitiv bedienbar dokumentiert sie auf Walzen aller Hersteller die Überfahrten. Für Bomag Walzen kann die App zu­sätzliche Messwerte aufnehmen und damit eine Dokumentation zur flächendeckenden Verdichtungskontrolle (FDVK) erstellen. Die Android-App lässt sich auf handelsüblichen Android-Tablets und -Smartphones installieren. Asphalt Pro deckt den gesamten Prozess von Straßenbauprojekten ab. Spannend hierbei ist der hohe Grad an Transparenz, der sich mit Asphalt Pro in Kombination mit Bomag Maschinen darstellen lässt. Jeder Einbauparameter ist nicht nur wäh­rend der Bauphase digital verfügbar, sondern auch im Nachgang dokumentiert. Mit unserer Schnittstelle Bomag Joblink können die erfassten Messdaten außerdem bequem direkt von Drittanbietern wie Trimble, Moba oder Topcon genutzt werden.

 

Wenn Sie in die Zukunft blicken – was wird die größte Herausfor­derung sein, der sich die Baubranche stellen muss und welche Lösungen hat Bomag?

Heiko Krautkremer: Wie in allen Bereichen ist der demografische Wandel und der daraus resultierende Fachkräftemangel die größte Herausforderung, der man sich in der ganzen Branche stellen muss. Bei Bomag halten wir weiter an unserer Strategie fest, mit unter­stützenden Technologien, Prozesssicherheit und Transparenz einen innovativen und attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. Ein weiterer Baustein ist das gezielte Training unserer Kunden. Durch das 2017 fertiggestellte Trainingszentrum in Boppard sind wir in der Lage, un­seren Kunden immer ein zugeschnittenes Training auf Bomag-Ma­schinen durch geschultes Trainingspersonal anzubieten. So können wir effiziente Workshops anbieten, die es unseren Kunden möglich machen, die optimale Leistung aus ihren Maschinen herauszuholen. Neue Vertriebswege wie E-Commerce spielen ebenfalls eine wichti­ge Rolle. In unserem Bomag Parts Webshop, der bereits in Deutsch­land, Österreich, Luxemburg und in den Niederlanden online ist, finden unsere Kunden passende Ersatzteile, die sie für ihre Bomag Maschinen in bewährter Qualität benötigen – eine schnelle und einfache Möglichkeit, Bomag-Maschinen immer einsatzbereit zu halten.

 

 

Text: Manfred Zwick & Peter Hebbeker

Bilder: Bomag

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