Bergmann Maschinenbau – Starkstrom für den Bau und Kommunen

Bergmann Maschinenbau – Starkstrom für den Bau und Kommunen

Das Traditionsunternehmen könnte sich ab sofort mit großem E schreiben: Der frisch vorgestellte 804e ist mit bis zu 3,5 t Nutzlast der derzeit größte batteriebetriebene Elektro-Allradtransporter am Markt. Zum 60. Firmenjubiläum schauen die Meppener nicht zurück, sondern in die Zukunft und beweisen ungebrochene Innovationskraft sowie ein untrügliches Gespür für Chancen. Geschäftsführer Hans-Hermann Bergmann und Verkaufsleiter Bernd Kirschner sprechen über die aktuelle Elektrooffensive und die im Frühjahr eingeläutete Amerikastrategie.

Bergmann bewegt sich hinsichtlich der Tonnage bewusst unterhalb der Maschinen der Dumper-Größen wie Cat, Liebherr und Volvo. „Die Produktstrategie definiert unseren Platz an der Seite der Konzerne. Wir besetzen einen Komplemetärmarkt und ergänzen ihr Großmaschinenportfolio nach unten. Das funktioniert auch sehr gut. Mit unserem Elektro-Dumper wagen wir jedoch etwas grundlegend Neues: Wir sind mit dieser Maschine weltweit die konkurrenzlos Größten in diesem Segment“, so Bergmann. „Der C804e ist mit Abstand der nutzlaststärkste batterieelektrische Dumper, der aktuell verfügbar ist.“ Wo andere Elektrokonzepte mit 500 bis 1.500 kg Nutzlast bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, transportiert der neue E-Bergmann bis zu 3,5 t pro Fuhre. Und das, so betont Kirschner, nicht nur auf der Straße, sondern auch im schweren Gelände: „Unser C804e ist kein Elektrospielzeug, sondern eine echte Baumaschine ohne Kompromisse, geschaffen für den harten Profieinsatz. Es gibt kein anderes Gerät, das so viel Schütt- oder Stückgut über den gesamten Arbeitstag emissionsfrei transportieren kann.“

 

Ein Konzept für die City

Der Stecker ist der Haken an der E-Mobilität. Das sieht man auch bei Bergmann und spricht mit dem Elektro-Allradtransporter gezielt Unternehmen an, die im städtischen Raum tätig sind und die oft schon vorhandene Ladeinfrastruktur nutzen können. Gerade auch Kommunen und deren Bauhöfe suchen intensiv nach elektrischen Lösungen für ihre täglichen Aufgaben. Zu diesem Zweck hat Bergmann eine Kommunalvariante, basierend auf einer Drei-Seiten-Kipppritsche mit diversen Auf- und Anbaumöglichkeiten, entwickelt. Bereits seit 2016 erfolgreich vertreibt Bergmann den handgeführten E-Dumper C301. „Den C301 gibt es ebenfalls mit Verbrenner. Inzwischen greifen aber über 90 % der Kunden zur elektrischen Antriebsvariante. Die Bedenken hinsichtlich Akkulaufzeit und Leistung sind längst überwunden. Die Zeit war einfach reif für den nächsten Schritt“, sagt Bergmann. Und den sind die Meppener mit aller Konsequenz gegangen. Die gerne praktizierte, weil kostengünstige und schnelle Lösung, eine konventionelle Maschine auf Elektro umzurüsten, kam für die Perfektionisten nicht infrage. „Nur eine von Grund auf neu gedachte Konstruktion vereint sämtliche Vorteile des Elektroantriebs. Alles andere sind Bastellösungen. Das ist nicht unser Weg“, so Bergmann.

 

Kompromisslos elektrisch

2018 hat Bergmann den ersten E-Antriebsstrang selbst entwickelt. Eine Lösung von der Stange bot nicht die geforderte Flexibilität. Auch das Batteriemanagementsystem, der Schlüssel zu Effizienz und Alltagstauglichkeit jeder E-Maschine, brachten die Meppener unter eigene Kontrolle. Lediglich die Zellen, modernste, brandsichere LiFe-Technologie mit hoher Zyklenfestigkeit, werden zugekauft. Die Batteriemodule entstehen dann auf einer eigenen Fertigungslinie im Emsland. „Alles selbst zu machen ist eigentlich verrückt angesichts unserer Unternehmensgröße. Aber es funktioniert sehr gut. Das Know-how ist vorhanden, auch im Programmierbereich durch unsere große Erfahrung im Sondermaschinenbau“, sagt Bergmann. Zwei Jahre wurde der Antrieb intensiv getestet. Erst als dieses Konzept stand, wurde das Design des C804e drumherum entwickelt. „Die Nutzlast ist beim Dumper typischerweise deutlich höher als das eigene Leergewicht. Das birgt natürlich Herausforderungen. Der Antriebsstrang eines E-Fahrzeugs bietet uns in seiner Einfachheit neuen Bauraum, den wir optimal ausnutzen wollten. Stabilität und Schwerpunkt sind gerade bei Kompaktmaschinen elementar für die Anwendersicherheit“, so Kirschner. Der Allradantrieb sorgt im Zusammenspiel mit den Pendelgelenk und dem äußerst verwindungssteifen Stahlrahmen des C804e für volle Offroadtauglichkeit. „Die Höchstgeschwindigkeit haben wir auf baustellengerechte 23 km/h begrenzt. Dafür haben wir ausreichend Zugkraft für steile Anstiege mit voller Beladung“, so Kirschner. Der beim Antrieb beginnende Konstruktionsweg ermöglicht zudem eine sehr kompakte Bauweise mit ideal platzierten Komponenten. Mit einer Höhe von nur 1.996 mm schlüpft der 804e durch jedes Tiefgaragentor und dank Vierradlenkung ist die 3.950 mm lange und 1.486 mm schlanke Maschine äußerst wendig. Die Kompaktheit geht dabei nicht zu Lasten des Fahrers. Er genießt in der Kabine mit Drehsitz den Bergmann-typischen Komfort, einen unverbauten Überblick in Fahrt- und Arbeitsrichtung und kann auf einem zweiten (Not-) Sitz sogar noch einen Kollegen mitnehmen.

 

Mit Führerschein Klasse B ans Steuer

Obwohl allein die Nutzlast schon an die 3,5-t-Grenze stößt, dürfen der C804e und M804e im Straßenverkehr mit dem Pkw-Führerschein bewegt werden. Der Bergmann-Dumper profitiert hier von der Regelung, dass bei E-Fahrzeugen die Gesamtlast erhöht werden kann. Dadurch liegt die Grenze erst bei 4,25 t. Der Gesetzgeber trägt damit der Tatsache Rechnung, dass der Akku als Energiespeicher schwerer wiegt als die übliche Treibstoffmenge. Bei einem Leergewicht von ca. 2,5 t dürfen mit dem C804e also bis zu 1,7 t ohne den großen Führerschein auf der Straße legal transportiert werden. „Keine Emission und damit keine Arbeitszeitbeschränkung, superkompakte Abmessungen, sehr kleiner Wendekreis und legal unterwegs mit dem Pkw-Führerschein – mit dem 804e haben wir die typischen Hürden für den städtischen Einsatz abgebaut und unzählige Möglichkeiten geschaffen. Er ist schlicht der ideale City-Dumper“, freut sich Bergmann. Der Prototyp 1 des C804e ist seit etwa einem Jahr im Einsatz und läuft derzeit als Mietmaschine im Dauereinsatz bei einem Kunden. Er trägt die typische Rundmulde eines Dumpers und schuftet meist schwer beladen auf dem Bau. Der Prototyp 2 spinnt das City-Dumper-Konzept als M804e konsequent weiter und präsentiert sich als äußerst vielseitige Maschine besonders für kommunale Einsätze. Statt der Mulde kommt er mit Pritsche und bewirbt sich als kraftvoller Geräteträger für den pausenlosen Ganzjahreseinsatz. „Der M804e ist mit der richtigen Ausrüstung ein kommunales Multitalent. Aufgaben wie Kehren, Schneeschieben, Wildkraut beseitigen und Bewässern meistert er mit Bravour. Beim Transport ist er sowieso unschlagbar. Durch die Anbauoptionen ist die Maschine das ganze Jahr über ausgelastet und bringt dem Kunden maximalen Nutzen“, so Bergmann.

 

Angekommen in Amerika

Stark in ihrem Segment sind die Meppener traditionell im heimischen und europäischen Markt. Konsequenterweise wanderte der Blick über den Atlantik, wo Bergmann einen stetigen Bedarf an Dumpern ausmachte. Im Frühjahr 2020, zeitgleich mit dem 60. Firmenjubiläum, wurde die transatlantische Partnerschaft mit dem neu gegründeten Unternehmen Bergmann Americas Inc. besiegelt. Der Generalimporteur sitzt in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina. Er agiert als exklusiver Bergmann-Vertriebspartner und bedient neben dem US-amerikanischen auch den kanadischen und den mexikanischen Markt. „Wir sind gleich sehr vielversprechend gestartet in Amerika. Über 70 Maschinen C815 und C912 haben wir seit dem Frühjahr schon auf den Weg geschickt. Das ist beeindruckend für ein neu aufzubauendes Händlernetz in Zeiten der Pandemie. Besonders der Raddumper C815 mit 12 t Nutzlast wird im Moment in den USA stark nachgefragt. Wir passen dort einfach perfekt in den Markt. Diese Entwicklung stimmt uns trotz aller gegenwärtigen Unsicherheiten sehr positiv für die Zukunft“, so Bergmann.

 

Text: Manfred Zwick und Peter Hebbeker

Bilder: Treffpunkt.Bau; Bergmann Maschinenbau

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