Humbaur – Große Nummer im Anhängerbau

Humbaur – Große Nummer im Anhängerbau

Seit Oktober 2020 ist der Erfolg siebenstellig. Die Million steht symbolisch für die große Leistung der Gersthofener, die jedoch keine Muße haben, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. „So ein Jahr hatten wir noch nicht. Auf den Lockdown folgte ein sprunghafter Anstieg der Nachfrage, der bis heute anhält. Wir fertigen praktisch durchgehend im Dreischichtbetrieb“, sagt Geschäftsführer Christian Dieminger, mit dem wir über Zahlen, Strategien und Ziele sprechen.

 

35 Jahre existiert Humbaur. Die Million ist geschafft. Was kommt jetzt?

Christian Dieminger: Wir hatten geplant, die Million gebührend zusammen mit unseren Kunden zu feiern. Corona machte uns da einen Strich durch die Rechnung und auch sonst lief dieses Jahr sehr untypisch. Der Auftragseingang nach dem Lockdown im Frühjahr sprengt unsere Erwartungen. Wir müssen seitdem unsere Reserven mobilisieren, um die Arbeit zu schaffen. Fast wäre da das große Ereignis ein wenig in den Hintergrund gerückt. Aber wir haben auch das geschafft und lassen die Million hochleben – auch mit attraktiven Sondermodellen mit einem extra Plus an Kundenvorteilen. Strategisch bewegen wir uns weiter auf Wachstumskurs. Sogar unter den Bedingungen von Corona wächst Humbaur kontinuierlich. Von Krise kann also bei uns keine Rede sein. Eine breite Palette, viele exakt auf die Anforderungen der Anwender zugeschnittene Modelle, erstklassige Qualität und zuverlässige Lieferfähigkeit – diese Kernwerte von Humbaur machen uns stark und widerstandsfähig. Wir haben die letzten Jahre viel investiert und sind jetzt sehr gut aufgestellt nicht nur im Pkw-Anhängerbereich, sondern auch bei den großen Fahrzeugen für professionelle Anwendungen im Baubereich. Auch unser drittes Standbein, die FlexBox Kofferaufbauten, gewinnt zunehmend an Bedeutung und stärkt unser Wachstum und natürlich ebenfalls die Krisenfestigkeit von Humbaur. Vielfalt, Flexibilität und Kundennähe haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Diese zentralen Bausteine der Humbaur-DNA, wie unser Chef Ulrich Humbaur gerne sagt, werden uns helfen, auch die zweite Million Anhänger zu bauen und zu verkaufen.

 

Welche Bedeutung hat die Million am Markt – wie ordnet sich Humbaur ein gegenüber Mitbewerbern?

Christian Dieminger: In Deutschland erzielen wir regelmäßig sehr hohe Zulassungszahlen, da hier auch die ungebremsten Pkw-Anhänger bis 750 kg zulassungspflichtig sind. In anderen Ländern sind sie das nicht. Europaweit ist 750 Kilo ungebremst der größte Markt, aber es fehlen offizielle Vergleichszahlen. Worüber ich Aussagen treffen kann, ist der gebremste Bereich. In Deutschland sind wir in diesem Segment seit drei Jahren der Hersteller mit dem größten Marktanteil. Unsere meisten Verkäufe konzentrieren sich auf die DACH-Region. In der Schweiz sind wir ebenfalls an der Spitze des Wettbewerbs. In Österreich sind wir noch nicht die Nummer 1, wachsen aber auch hier stetig.

 

Sie werben mächtig mit der Million. Welche Botschaft möchten Sie damit senden?

Christian Dieminger: Die 1 Million Anhänger stehen für eine ebenso beeindruckende Zahl an Kunden, die sich für eines unserer Produkte entschieden haben. Hinter jeder dieser Entscheidungen stehen gute Gründe: Preis, Leistung, Qualität, Service – die Kunden sind mit Humbaur zufrieden und das in riesiger Zahl. Die Marke Humbaur wird europaweit geschätzt. Wir stehen für das richtige Produkt zum richtigen Preis und versorgen den Privatanwender ebenso mit dem passenden Produkt wie den Profi, der natürlich höhere Anforderung an die Leistung und Langlebigkeit hat.

 

Humbaur fertigt ca. 1.300 Anhänger pro Woche und sieht sich als Premiumhersteller. Wie verknüpfen Sie Masse und Klasse?

Christian Dieminger: In Spitzenzeiten fertigen wir bis zu 270 Anhänger pro Tag. Das Gros sind Pkw-Anhänger, die wir mit Gleichteilen in schnellem Takt fertigen können. Der hohe Grad an Standardisierung bürgt für die gleichbleibend hohe Qualität. Unsere Premiumprodukte für Profis erfordern einen deutlich höheren Anteil an Handarbeit und viel mehr Arbeitsstunden pro Einheit. Sie sind fast immer kundenspezifisch ausgestattet und für den anspruchsvollen Dauereinsatz konzipiert. Die Anhänger für Profis und Privatanwender sind tatsächlich zwei recht unterschiedliche Produktwelten, von den Stückzahlen her betrachtet und natürlich auch preislich. Was alle unsere Fahrzeuge auszeichnet, ist, dass sie jeweils für ihren Einsatzzweck die bestmöglichen Eigenschaften mitbringen und immer mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis ausgestattet sind.

 

Ein HTK 3000.31 Dreiseitenkipper ist der 1.000.000ste Anhänger, aber sicher nicht der meistverkaufte. Was ist der Bestseller von Humbaur?

Christian Dieminger: Unser meistverkauftes Modell ist der HA 13. Ein gebremster Einachs-Tieflader mit Aluminium-Bordwänden, 1.300 kg Gesamtgewicht und über einer Tonne Nutzlast. Einfach ein Anhänger, den viele Hobbygärtner im Schuppen haben. Im Profibereich ist es aber tatsächlich unser HTK Dreiseitenkipper, der am häufigsten verkauft wird.

 

Humbaur feiert die Million mit Sondermodellen einer Black Edition. Macht nur das schicke Design den Unterschied oder gibt es weitere Vorteile?

Christian Dieminger: In die Gestaltung des Designs haben wir viel Herzblut gelegt. Schließlich sollen die Black Edition-Sondermodelle ja auch als Markenbotschafter für uns unterwegs sein. Die vier Sondermodelle zeichnet jedoch immer auch ein extra Kundenvorteil aus. Nicht zuletzt punkten sie mit besonders attraktiven Preisen. Zudem haben wir die Ausstattung aufgewertet. Den HTK Kipper in der Black Edition beispielsweise haben wir mit einem praktischen Gitteraufsatz mit neuartigem Pendelverschluss als Zusatznutzen ausgestattet. Später wird es diese neue clevere Lösung auch in den HTK Serienmodellen geben. Ein weiteres Sondermodell ist der Startrailer H 132513 Multi mit Plane und Spriegel. Seine handfesten Black Edition-Vorteile sind neben schwarz eloxierten Bordwänden und schwarzen Radkappen vor allem die Radstoßdämpfer für die 100-km/h-Regelung und der zusätzliche Rampenschacht mit einem Paar Aluschienen. Der Kofferanhänger HK 132513-15 kommt als Black Edition ebenfalls mit einmaliger Jubiläumsoptik und Radstoßdämpfern für die 100-km/h-Freigabe. Außerdem sind Scharniere und Drehstangenverschluss aus Edelstahl gefertigt. Die Aktion ist begrenzt. Die Händler werden bestückt bis ins Frühjahr hinein.

 

In welchen Branchen und Märkten ist Humbaur besonders stark und wo will Humbaur noch stärker werden?

Christian Dieminger: Stark sind wir traditionell im Profi- bzw. Handwerkerbereich sowie bei den Pkw-Anhängern für Privatanwender. In den letzten Jahren überproportional gewachsen sind wir im Schwerlastbereich. Hier haben wir dieses Jahr zudem die Vertriebsstruktur umgestellt, um noch näher am Kunden zu sein. Wir setzen mehr Außendienstmitarbeiter ein. Auch das Produktmanagement haben wir personell verstärkt, um speziell in der Profi-Tiefladerklasse mit einem Plus an Service und Expertise zu punkten und die Kunden individuell betreuen zu können. In dieser Klasse steckt ebenfalls ein erhebliches Wachstumspotenzial im europaweiten Export. Hier werden wir gezielt Synergien mit der Kögel Organisation nutzen. Im FlexBox-Bereich werden wir uns vertriebstechnisch verstärken. 1.500 Einheiten haben wir im letzten Jahr gefertigt. Da ist noch ordentlich Luft nach oben, die wir für unser Wachstum nutzen werden.

 

Wir haben gehört, 2020 war kein typisches, aber auch kein schlechtes Jahr für Humbaur. Wie wird 2021?

Christian Dieminger: Unser Umsatz wird dieses Jahr deutlich zweistellig wachsen. 2020 war entsprechend ein sehr arbeitsreiches und anstrengendes Jahr für uns. Corona-bedingt hatten wir im Frühjahr vier Wochen lang Kurzarbeit. Danach erlebten wir einen enormen Anstieg der Nachfrage, die bis jetzt auf sehr hohem Niveau anhält und uns bis 2021 hinein überdurchschnittlich auslasten wird. Den Dreischicht-Betrieb, in früheren Jahren die Ausnahme, haben wir dieses Jahr in bestimmten Fertigungsbereichen fest etabliert. Nur so schaffen wir es, die Bestellungen abzuarbeiten. Was uns sehr geholfen hat, war unsere Lieferfähigkeit auch in den Krisenmonaten. Die Händler merken mehr denn je: Nur Ware, die da ist, kann ich auch verkaufen. Der Kunde, gerade der Privatkunde, kommt wegen eines Anhängers kein zweites Mal, sondern kauft dann eben woanders. Für 2021 prognostiziere ich kein so außergewöhnlich starkes Wachstum, wie wir es dieses Jahr erlebt haben. Aber auch 2021 wird Humbaur wieder wachsen – vor allem im Export, der dieses Jahr relativ schwach war. Gerade sonst starke Märkte wie Italien, Frankreich und Spanien waren durch die harten Lockdowns spürbar geschwächt. Auch die Bereiche Schwerlast und FlexBox, die wir gegenwärtig pushen, werden uns Zuwächse bringen. Vorausschauend haben wir bereits ein neues, an das jetzige Werksgelände angrenzendes 33.000 m² großes Grundstück gekauft und erschlossen. Derzeit läuft eine Werksplanung, um die Produktionskapazitäten weiter auszubauen.

 

Text: Manfred Zwick und Peter Hebbeker

Bilder: Treffpunkt.Bau

About the Author:

Schreibe einen Kommentar