Simex – Hervorragend aufgestellt durch die Krise

Simex – Hervorragend aufgestellt durch die Krise

Die Bearbeitung von Stein und anderen harten Materialien hat in Italien nicht nur im kulturellen Bereich eine lange Tradition. Die Römer waren in Europa die ersten, die ein dauerhaftes und weitreichendes Straßen- und Wegenetz etablierten. Es ist also nicht verwunderlich, dass Simex, einer der weltweit erfolgreichsten Anbaufräsenhersteller, seinen Ursprung in Italien hat.

Mit seinem breiten Anbaugeräteportfolio bedient Simex Kunden, die unter anderem im Straßenbau, im Kanal- und Leitungsbau, in Steinbrüchen, im Hoch- und Tiefbau, im Abbruch, Recycling und Tunnelbau tätig sind. Gegründet wurde das heute weltweit agierende Unternehmen 1991 in der Gemeinde San Giovanni in Persiceto, 15 km nördlich von Bologna. Seitdem hat Simex sich und sein Produktportfolio kontinuierlich weiterentwickelt.

Aufgrund des anhaltenden Erfolgs seiner Anbaufräsen musste der Hersteller bereits vier Mal expandieren. Die Einweihung der jüngsten Logistik- und Produktionsstätte konnte, bedingt durch die Covid-19-Pandemie, noch nicht stattfinden. Welche Investitionen der Hersteller in den letzten Monaten getätigt hat und wie das Unternehmen die aktuelle Situation meistert, fand Treffpunkt.Bau im Gespräch mit Simex Geschäftsführer Mirco Risi sowie Uwe Basler, Simex Vertriebsleiter Deutschland und Österreich, heraus.

 

Herr Risi, unter welchen Voraussetzungen ist Simex in das Jahr 2020 gestartet?

Mirco Risi: Das Jahr 2020 hat für uns sehr positiv begonnen. Wir haben zunächst einen höheren Umsatz erzielt als ursprünglich erwartet. Dieser Wachstumstrend hat sich durch die explosionsartige Verbreitung des Sars-CoV-2-Virus ein wenig verlangsamt. Prognostizierte der Haushalt für das Jahr 2020 ein Umsatzwachstum von etwa acht Prozent, gehen jüngste Schätzungen nun von einem leichten Rückgang von drei bis vier Prozent aus. Die Pandemie war ein unerwartetes Ereignis, sowohl wegen ihrer Intensität als auch wegen ihrer Dauer. Dank unseres sehr hohen Lagerbestands an Komponenten und Maschinen konnten wir auch während des Lockdowns angemessen auf die Nachfrage unserer Kunden reagieren. Auf diese Weise haben wir Probleme kompensiert, die entlang der Lieferantenkette aufgetreten sind und die andernfalls kritisch gewesen wären. So haben wir den Schaden für uns und unsere Kunden bestmöglich minimiert.

 

Simex hat bis heute bereits zahlreiche Investitionen getätigt. Seit 2019 gibt es ein neues Produktions- und Logistikgebäude. Kommt es zu einem guten Zeitpunkt?

Mirco Risi: Wir bemühen uns, der hohen Nachfrage nach unseren Produkten jederzeit gerecht zu werden, deswegen ist Simex auf starkem Investitionskurs. Das neue etwa 7.500 Quadratmeter große Gebäude beherbergt ein automatisiertes Hochlager, einen Konferenzraum für bis zu 80 Personen sowie mehrere Büroräume, unter anderem für Vertrieb und Marketing. Darüber hinaus haben wir auf unserem Betriebsgelände ein neues Test- und Vorführareal geschaffen. Über das Timing sind wir trotz der verschobenen Einweihungsfeier sehr glücklich, denn die neuen Räumlichkeiten ermöglichen es uns, die geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen ohne Mehraufwand einzuhalten. Die momentanen Ereignisse haben uns außerdem gezeigt, wie wichtig die Aufrechterhaltung und Integration von Lieferketten ist. Deshalb kommt auch unsere neueste Akquisition eines metallverarbeitenden Unternehmens zu einem günstigen Zeitpunkt. Damit investieren wir in unsere betriebliche Flexibilität und garantieren Kunden eine zusätzliche Liefersicherheit.

 

Wie schätzen Sie die Reaktion der italienischen Regierung in Bezug auf die Covid-19-Pandemie ein?

Mirco Risi: Im ersten Quartal haben die von der italienischen Regierung verordneten Eindämmungsmaßnahmen relativ schnell zu einer Verbesserung der Lage geführt. Anders als im Frühjahr setzt Italien nun aufgrund des sozialen und wirtschaftlichen Drucks auf eine regionale Strategie. Das hat dazu geführt, dass auf den erneuten Anstieg der Infektionszahlen langsamer reagiert wurde, sodass wir uns nun inmitten einer zweiten Welle befinden.

 

Welche Maßnahmen hat Simex ergriffen, um den neuen Herausforderungen in diesem Jahr zu begegnen?

Mirco Risi: Bei Simex haben wir ein strenges Protokoll erstellt, um allen Mitarbeitern sicheres Arbeiten zu ermöglichen. Wir haben persönliche Schutzvorrichtungen installiert und alle Aktivitäten so umorganisiert, dass die erforderliche Distanz sowohl in den Büros als auch in den Produktionsbereichen zu jedem Zeitpunkt eingehalten werden kann. Um eine kontinuierliche Fertigung garantieren zu können, haben wir unsere Lagerbestände nochmals erhöht. Darüber hinaus arbeiten wir an einer Stärkung des Lieferantennetzes und an der Diversifizierung unserer geografischen Marktpräsenz. So können wir antizyklische Marktsituationen in Zukunft noch besser abfangen. Um unsere Kunden in Nordamerika noch effizienter und schneller bedienen zu können, haben wir in diesem Jahr „SIMEX NORTH AMERICA“ gegründet. Die neue Tochtergesellschaft in den USA ermöglicht es uns, zielgerichteter und flexibler auf die Kundenbedürfnisse dort einzugehen.

 

Baumaschinenbranche nachhaltig beeinflussen?

Mirco Risi: Aus unserer Sicht haben sich die Märkte, die für die Bau- und Baumaschinenbranche in Europa von Bedeutung sind, der Krise gut widersetzt und befinden sich nun auf einem vergleichbaren Niveau wie 2019. Besonders auf dem asiatischen Kontinent haben wir aktuell hervorragende Wachstumsraten. In Zeiten wie diesen erweist es sich als großer Vorteil, dass wir mit unseren Produkten in über 80 Ländern weltweit präsent sind.

 

Was hebt Simex von anderen Herstellern ab? Was machen Sie vielleicht auch gerade in dieser schwierigen Situation besser?

Mirco Risi: Wir haben den Anspruch, Produkte zu entwickeln, die exakt auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind. Wir hören aufmerksam zu und entwickeln unsere Lösungen in enger Zusammenarbeit mit dem Endanwender. Dabei folgen wir immer unserer Firmenphilosophie „Heavy made easy“. Das heißt, anspruchsvolle Aufgaben werden durch unsere Anbaugeräte zum Kinderspiel.

 

Ist das auch der Grund, warum Simex ein so breit gefächertes Anbauradfräsen-Sortiment anbietet?

Uwe Basler: Simex hat über fünfzehn verschiedene Ausführungen an Anbauradfräsen im Programm. Diese umfangreiche Palette ist aufgrund weltweit unterschiedlichster Anforderungen beim Erstellen von Kabelgräben entstanden. Auch für Deutschland wurden zwei spezielle Fräsen entwickelt, mit denen man den Anforderungen beim Verlegen von Glasfaserkabeln gerecht wird. Zum Fräsen von Kabelgräben für Glasfaserrohre im innerstädtischen Bereich gibt es die RWA 500 und RWS 400. Beide Fräsen zeichnen sich durch besondere Eigenschaften aus.

 

Wieso eignen sich genau diese Fräsen für den Einsatz im innerstädtischen Bereich?

Uwe Basler: Für die kapillare Verlegung FTTH (Fiber to the House) sollen die Glasfaserrohre soweit wie möglich im Gehsteigbereich eingebracht werden. Gehsteige sind meist so schmal, dass Trägergeräte wie Kompakt- oder Radlader nicht genügend Platz haben. Als Konsequenz davon läuft ein Radpaar auf dem Gehweg und das andere auf der Straße. Um zur Herstellung eines vertikalen Grabens im 90° Winkel fräsen zu können, sind unsere Fräsen mit einer Tiltfunktion ausgestattet, mit der die Schräglage ausgeglichen wird. Das von Simex patentierte System der Selbstnivellierung garantiert auch bei Straßenabsätzen und anderen Unebenheiten eine gleichmäßige Frästiefe. Dank der Selbstnivellierung wird zudem eine kontinuierliche, saubere Fräskante garantiert. Der Aushub kann schließlich mit dem passenden Zubehör wie einer Schwenkeinrichtung, einem Förderband oder einem Saugstutzen unkompliziert abgeführt werden. Die RWS 400 kann darüber hinaus Radien fräsen. Mit ihr können Fräsbreiten von 0 – 50, 80, 100 und 120 mm in einem Radiusbereich von fünf Metern realisiert werden. Die Zeitersparnis dadurch ist enorm.

 

Text: Gloria Schaffarczyk

Bilder: Simex

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