Volvo CE // Starker Standort für Straßenbautechnik

Volvo CE // Starker Standort für Straßenbautechnik

Wer nach Hameln kommt, staunt nicht nur über die einzigartige Altstadt, die als Juwel der Weserrenaissance gilt. Besucher werden auch mit dem sagenumwobenen Rattenfänger bekannt gemacht, der dort seine Spuren hinterlassen hat. Kein Märchen ist dagegen, dass die Stadt zwischen den Hügeln des Weserberglandes in ihren Mauern das Zentrum für die Fertigung von Straßenbaumaschinen von Volvo Construction Equipment (Volvo CE) beherbergt.

Mit „Straßen der Zukunft“ war die Maschinenpräsentation überschrieben, zu der kürzlich der Hersteller und Volvo-Vertriebspartner Swecon eingeladen hatte. An drei Tagen sahen über 400 Fachleute, Besucher und Journalisten die Leistungsschau in der Rattenfänger-Stadt. Geschäftsführer Dirk Heusing informierte die Fachpresse während eines Werksrundganges über die Investitionen im Hamelner Werk, die auch eine drastische Senkung der umweltschädlichen Emissionen mit sich bringen.

 

Investitionen in die Zukunft

So erfolge der millionenschwere Komplettumbau der Volvo-Fertigungsstätte bei laufendem Betrieb. Jetzt befinden sich die hochmodernen Montagelinien für Fertiger und Walzen in einer Halle. Ein speziell dafür ausgearbeitetes Logistikkonzept mit Just-in-Time-Lieferung sorgt für optimierten Materialfluss. Gegenüber dem alten Gebäude wurde in der neuen Halle der Energieverbrauch um etwa 75 % gesenkt. Demnächst erfolgt der Umzug von Vorfertigung und Bohlenmontage auf das neue Gelände. Die dafür vorgesehene Halle entspricht ebenfalls den anspruchsvollen Energiestandards. Heusing zeigte sich zufrieden, dass man angesichts der steigenden Energiepreise und der schwierigen Lage auf dem Weltmarkt diesen Prozess nicht erst jetzt beginnen müsse.

Aktuell investiert der schwedische Baumaschinenhersteller sechs Millionen Euro in die Modernisierung und Neuorganisation der Hamelner Produktionsstätte für Straßenfertiger, Bohlen und Walzen. Abgeschlossen werde das im Januar 2021 begonnene Programm im ersten Quartal des kommenden Jahres, betonte Heusing. Bis zum Ende der Maßnahmen werde hier nichts mehr so sein, wie es einmal war. Hameln sei dann weltweit eine der effizientesten und klimafreundlichsten Produktionsstätten für Straßenbaumaschinen.

 

Hamelner Ideenschmiede

„Straßen der Zukunft“ ist ein Thema, das seit Jahrzehnten für die Hamelner Ideenschmiede gilt, um neueste Technik auf den Markt zu bringen – für die Baubranche immer eine „gute Adresse“. So war auf dem Werksgelände die komplette Produktpalette der Straßenfertiger und Walzen mit den verschiedensten Arbeitsbreiten und unterschiedlichsten Nivellieranlagen zu sehen. Bei den Fertigern der aktuellen D-Serie hat der Hersteller mit dem P2870D und der Bohle VB40 seine Produktpalette erweitert. Als Neuerungen wurden die integrierte Nivellierung auf allen Modellen, neue Fahrtrichtungsanzeiger, eine neue Variante des Bohlenlaufstegs (Stepclair Profil) und die hydraulischen Fahrbahnräumer gezeigt.

Während der Präsentation der Produktpalette wurde auf den ständigen wertvollen Austausch von Erfahrungen zwischen Hersteller und Bediener der Maschinen hingewiesen. Ideen und Praxiserfahrungen der Benutzer flossen bei den Entwicklungen neuer Technik immer wieder mit ein. Das galt auch für den Radfertiger P6870D mit der Bohle VB79, die mit zusätzlichen Knickungen der Ausfahrteile besonders flexibel einsetzbar ist.

 

Neue elektrisch beheizte Bohle

Viel Beachtung fand eine neu in Hameln entwickelte und gefertigte manuelle Bohle, die sich elektrisch für Arbeitsbreiten bis 13 m einsetzen lässt. Sie wird sowohl als Einzelstampferbohle MB122 ETC als auch als Doppelstampferbohle VDT121 ETC angeboten. Für noch schnellere Aufheizzeiten und gleichmäßigere Wärmeverteilung über die gesamte Arbeitsbreite sorgt ein größerer Generator in Verbindung mit für diese Bohle entwickelten Rundheizstäben. Zusätzlich ermöglicht laut Volvo eine Diagnosefunktion schnelle Überprüfung der Heizstäbe. Neue Hebeösen vereinfachen deutlich das Aufrüsten der Bohle, da nun auch mehrere Anbauteile zusammenhängend gerade angehoben werden können. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass zusätzliche Trittstufen und neu gestaltete Abdeckungen einen komfortablen Aufstieg ermöglichen sowie den Zugang zur Wartung erleichtern.

Außerdem sorgen neue Fallschutzbügel für ein hohes Maß an Sicherheit. Sie führen mit ihren integrierten Schlauchkanälen zu einer einfachen und akkuraten Verlegung der Hydraulikschläuche und Elektrokabel. Die optionalen Vario-Endteile sind mit neuen Seitenbegrenzungen versehen, die sowohl mit manueller als auch mit hydraulischer Verstellung geliefert werden können. Eine weitere neue Option „e+ screed heat“ verfügt über eine Anschlussmöglichkeit, um die Bohlenheizung über ein externes Stromnetz zu versorgen. Dadurch muss der Dieselmotor zum Aufheizen nicht laufen. Dies reduziert sowohl den Lärm als auch den Kraftstoffverbrauch sowie den Ausstoß von CO2-Emissionen.

 

Optimierung durch Co-Pilot

Großes Interesse der Besucher galt dem Assistenzsystem Pave Assist für das Volvo-Co-Pilot Borddisplay. Dadurch kann die tägliche Arbeit mit dem Fertiger oder der Walze optimiert werden. Beim Volvo Co-Pilot handelt es sich um ein Android-basiertes Display in Form eines Tablet-PCs, mit dessen Hilfe sich Maschinenbediener und Unternehmer in Echtzeit über Qualität und Arbeitsfortschritt am Bau auf dem Laufenden halten können. Beispielsweise enthält Pave Assist eine Familie von Anwendungen, die unter anderem Parameter automatisch erfassen – ein Fortschritt, der jetzt die Aufzeichnungen   von Hand im Straßenbau überflüssig macht. Pave Assist verbindet die Module Thermal Profiling, Weather View, Material Manager und als Ergänzung Volvo Smart View. Die wirkungsvolle Zusammenstellung dieser Werkzeuge erhöht laut Volvo die Produktivität, Qualität und Übersicht auf der Straßenfertiger-Baustelle signifikant.

 

Elektrische Maschinen erstmals präsentiert

Fachleute und Gäste sahen erstmals während der Informationstage die neuesten elektrischen Volvo-Baumaschinnen – Radlader L20 Electric und Kurzheckbagger ECR18 Electric. Ohne Abgasemissionen und mit niedrigem Lärmpegel sind die Neuen vor allem auf innerstädtischen Baustellen sowie für Arbeiten in geräusch- und emissionssensiblen Regionen prädestiniert. Laut Volvo basiert der L20 Electric auf dem bewährten Konzept des größeren Modells L25 Electric. Er verfügt über 1,8 t Nutzlast und ein Parallel-Hubgerüst für beste Sicht auf das eingesetzte Anbaugerät. Der L20 Electric hat eine hervorragende Hubhöhe sowie 100 % Parallelführung – und ist damit auch für Gabelanwendungen perfekt geeignet. Der elektrische Radlader liefert voraussichtlich bis zu sechs Stunden Arbeitsdauer pro Ladung. Er wird mit einem Batteriepaket (33 kWh oder 40 kWh) ausgeliefert und reduziert den Wartungsaufwand um 30 %.

Der kurze, aber robuste 1,8 t schwere ECR18 Electric bietet die gleiche erstklassige Stabilität und Fahrerfahrung. Weniger Vibrationen und eine reaktionsschnellere Hydraulik gegenüber der vergleichbaren Dieselvariante garantiert das sofort zur Verfügung stehende Drehmoment. Der ECR18 Electric liefert je nach Umgebung und Aufgabe pro Ladung bis zu vier Stunden Arbeitsdauer. Bei der Konstruktion legten die Techniker und Ingenieure Wert auf Langlebigkeit der Maschine. Das wird deutlich durch sein seitlich hochgezogenes Kontergewicht bis hin zu rundumlaufenden Stahlblechen und im Ausleger verlegte Schläuche.

 

Highlights der Swecon-Straße

„Unsere Welt wird digitaler und unsere Kunden erwarten, dass unser Leistungsportfolio auch online verfügbar ist“, betonte Swecon Baumaschinen Geschäftsführer, Falk Bösche, gegenüber der Fachpresse auf dem Ausstellungsgelände. Das sei eine perfekte Ergänzung zu der bereits vorhandenen Swecon-Medienwelt. Bösche: „Mit my Swecon besitzen wir ein Kundenportal, das für Servicebuchungen genutzt wird. Darüber hinaus werden viele weitere Features auf dem Portal rund um das Management geboten. Dazu verfügen wir über einen Webshop für unseren Mietpark Swecon smartren, sodass eine Erweiterung der Onlinepräsenz um den Vertrieb nun die nächste logische Ausbaustufe ist“. So biete der Volvo-Handelspartner bereits seit Februar 2022 den Volvo Kompaktbagger EC15E im eigenen Webshop zum Kauf an. Die Maschinen seien direkt ab Lager verfügbar und könnten kurzfristig vom Kunden in Empfang genommen werden.

 

Text: Rainer Oschütz

Bildmaterial: Volvo CE

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