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RWE // Rückbau schafft Platz für Energieprojekte
Punkt 12 Uhr senkten sich am 25. Oktober die beiden 160 m hohen Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen und fielen innerhalb weniger Sekunden in sich zusammen. Trotz Regens verfolgten rund 30.000 Menschen das Ereignis aus sicherer Entfernung. Für Treffpunkt.Bau war Bernd Mair vor Ort und dokumentierte die Sprengung.
Die Niederlegung verlief planmäßig, zuerst fiel der Turm von Block B, rund 15 Sekunden später folgte Block C. Der Regen hielt die Staubwolke klein und sorgte für freie Sicht auf den Moment, in dem ein Stück Energiegeschichte verschwand. Umliegende Gebäude der Rückbauanlage, das Standortzwischenlager der BGZ und die nahe Hochspannungsleitung blieben unbeeinträchtigt. Um 13:24 Uhr erklärten die Behörden den Einsatz offiziell für beendet.
Verfahren und Zahlen
Die Kühltürme wurden zwischen 1977 und 1980 errichtet und prägten fast fünf Jahrzehnte lang die Silhouette zwischen Ulm und Augsburg. Rund 600 kg Sprengstoff in etwa 1.800 Bohrlöchern brachten die Stahlbetonkolosse kontrolliert zu Fall. In den Wochen vor der Sprengung waren Fall- und Vertikalschlitze in die Hüllen eingebracht worden, um die Fallrichtung zu steuern. RWE zufolge waren die Türme während des Leistungsbetriebs nicht mit Radioaktivität in Kontakt gekommen. Jeder Turm bestand aus rund 28.000 t Stahlbeton mit Wandstärken zwischen 20 und 110 cm und einem Durchmesser von etwa 130 m.
Baustoffkreislauf und Logistik
Der Schutt wird zu Recycling-Schotter aufbereitet und nach Möglichkeit regional eingesetzt, etwa im Straßen- und Wegebau. Auf dem Gelände türmen sich derzeit Schutthalden von bis zu sechs Metern Höhe. Nach Angaben des Betreibers wird die Aufbereitung inklusive Transport rund ein halbes Jahr dauern. Noch ist kein externes Unternehmen beauftragt, der Anschluss an das übergeordnete Straßennetz soll jedoch eine zügige Abfuhr ermöglichen. Fundamentreste und aufragende Segmente werden in den kommenden Wochen mit Baggern eingeebnet. Ziel ist eine möglichst vollständige Wiederverwertung, um Materialkreisläufe zu schließen und den Rückbauprozess ressourcenschonend fortzusetzen.
Standort im Wandel
Nur wenige Tage nach der Sprengung begann in Gundremmingen die nächste Etappe. Am 29. Oktober erfolgte der Spatenstich für den Batteriespeicher, der mit rund 700 MWh Kapazität zu den größten in Deutschland zählen wird. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Ministerpräsident Markus Söder und RWE-Chef Markus Krebber teil. Die Anlage soll künftig Solar- und Windstrom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder einspeisen. Zusätzlich plant RWE einen Solarpark mit 55 ha Fläche und bis zu 70 Millionen KWh Jahresproduktion sowie ein Gaskraftwerk für Spitzenlastzeiten. Gundremmingen bleibt damit Energiestandort, nur mit anderen Technologien. Gundremmingen gehörte über Jahrzehnte zu den größten Atomstandorten Deutschlands. Block B wurde 2017 abgeschaltet, Block C 2021. Seit 2018 läuft der Rückbau der Anlage, der sich voraussichtlich bis in die 2030er-Jahre erstrecken wird. Die RWE Nuclear GmbH mit Sitz in Essen bündelt die Kernenergiesparte des Konzerns und ist für Stilllegung, Rückbau und die fachgerechte Verpackung radioaktiver Abfälle an mehreren Standorten verantwortlich. Für viele Menschen in der Region war die Sprengung das sichtbare Ende einer Ära und zugleich der Beginn einer neuen, in der Energieerzeugung und Baustoffrecycling ineinandergreifen.
Text: Bernd Mair
Bildmaterial: Siehe Bildquelle
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