Deutscher Abbruchverband // Im Zeichen der Vielfalt: Fachtagung Abbruch 2026

Am 13. März 2026 wurde die Station-Berlin erneut zum Treffpunkt der Abbruchbranche: 125 Aussteller präsentierten auf einer komplett ausverkauften Fläche von 1.210 m² ihre Produkte, Dienstleistungen und Lösungen. Darüber hinaus belegten zwölf spannende Vorträge die einzigartige Vielfalt der Branche – deren Themen von Maschinentechnik über Arbeitsschutz bis hin zu Analyse- und Recyclingverfahren reichten. Denn im Abbruch gilt: Jedes Projekt bringt eigene Randbedingungen mit – sensible Nachbarschaften, laufender Betrieb, Verkehr, Schadstoffe, enge Zeitfenster oder anspruchsvolle Stoffstrom- und Dokumentationsanforderungen. Das stellten die Redebeiträge eindrucksvoll und praxisnah zur Schau.

Die Fachtagung Abbruch hat sich über viele Jahre hinweg als das bedeutendste Event in der Branche für Abbruch, Recycling und Schadstoffsanierung etabliert. Auch in diesem Jahr überzeugte die Veranstaltung des Deutschen Abbruchverbandes (DA) mit einer umfassenden Fachausstellung mit 125 Ausstellern, hochkarätigen Referenten und vielfältigen Möglichkeiten zum fachlichen Austausch. Über 1.300 Fachbesucher aus der gesamten Branche fanden den Weg in die Station-Berlin. Neben dem nationalen Publikum nutzten auch internationale Gäste die Gelegenheit, sich vor Ort über Entwicklungen, Projekte und Innovationen zu informieren. In seiner Eröffnungsrede hieß DA-Geschäftsführer Andreas Pocha die Teilnehmer willkommen und betonte die besondere Stärke der Branche: Rückbau ist nie „Standard“, sondern immer eine maßgeschneiderte Lösung – technisch, organisatorisch und rechtlich. „Dabei bleibt eines konstant: die Werte der Branche“, so Pocha. „Sicherheit, Qualität, Verantwortung und pragmatische Lösungsorientierung stehen immer im Mittelpunkt.“ Insgesamt zwölf Vorträge untermauerten diese Vielfalt. Sie reichten von Zukunftsbildern für die Arbeitswelt über anspruchsvollste Rückbauprojekte bis hin zu Sprengtechnik aus der Praxis und KI-gestützten Ansätzen für Analyse, Klassifizierung und Entscheidungsprozessen. Kristina zur Mühlen, TV-Moderatorin und Physikerin, führte durch das gesamte Vortragsprogramm. Die Teilnehmer hatten im Anschluss an jeden Vortrag die Möglichkeit, über ein Online-Tool Fragen an die Referenten zu stellen. Unterstützt wurde die Fachtagung Abbruch nicht zuletzt von zahlreichen Sponsoren, die auch in diesem Jahr wieder dazu beigetragen haben, die Tagung zu einem ganz besonderen Event zu machen.


Zukunftsblick 2035: Rückbau wird zum Systemgeschäft

Mit einem Blick nach vorn eröffnete Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky den Tag. Seine zentrale Botschaft: Der Abbruch entwickelt sich von der „nachgelagerten Dienstleistung“ zum neuralgischen Punkt einer neuen Bau- und Immobilienökonomie. Künftig entscheidet Rückbau nicht nur über Zeit und Kosten, sondern über CO2-Bilanzen, Materialverfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit ganzer Wertschöpfungsketten. Treiber seien insbesondere ESG-Vorgaben, EU-Taxonomie, CO2-Bepreisung und steigende Dokumentationspflichten. Jánszky skizzierte außerdem, wie Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und Robotik den Rückbau bis 2035 verändern können: Bestände werden vor dem ersten Gerätedurchlauf datenbasiert analysiert, Rückbauvarianten simuliert und Materialströme präziser kalkuliert. Robotik übernimmt gefährliche oder präzisionskritische Arbeiten – der Mensch wird stärker zum Operator, Planer und Qualitätsmanager. Sein Fazit: Wer heute in Datenkompetenz, Prozessqualität und Technologie investiert, baut sich die Basis für Resilienz und Wachstum.


Vielfalt ist kein Schlagwort – sie ist der Alltag der Branche

Die Fachtagung Abbruch 2026 machte deutlich, warum ein Oberthema in diesem Jahr bewusst nicht gesetzt wurde: Die Abbruchbranche ist zu vielseitig, um sie auf einen Begriff zu reduzieren. Rückbau bedeutet immer neue Rahmenbedingungen – mal prägt die Umgebung die Methode, mal der Betrieb, mal Gefahrstoffe, Verkehr, Zeitdruck, Dokumentationsanforderungen oder das Ziel, Material möglichst hochwertig in den Kreislauf zurückzuführen. Genau diese Vielfalt ist zugleich die Stärke der Branche. Die Vorträge zeigten, wie breit das Spektrum ist – von industriellen Großrückbauten über Kerntechnik und hochpräzise Sprengungen bis hin zu elektrifizierten Baustellen und KI-gestützten Analyse- und Entscheidungsprozessen. Rückbau erfordert Erfahrung, Planungstiefe und Innovationsbereitschaft – und vor allem die Fähigkeit, für jedes Projekt die passende Lösung zu entwickeln. Interessierte können sich bereits jetzt den Termin für die Fachtagung Abbruch 2027 vormerken, die am 05. März 2027 wiederum in der Station-Berlin stattfindet.

 

Text: Deutscher Abbruchverband 
Bildmaterial: Siehe Bildquelle

 

Zwischen wirtschaftlicher Stabilität, zirkulärem Wandel und regulatorischen Hürden


Die Abbruchbranche in Deutschland befindet sich in einer herausfordernden, aber insgesamt stabilen wirtschaftlichen Lage. Unternehmen berichten aus allen Regionen von einer grundsätzlich guten Auslastung, wobei die Planungssicherheit und Auftragslage regional unterschiedlich ausfallen. Besonders auffällig ist die Verkürzung der Planungszeiträume: Viele Betriebe konnten im vergangenen Jahr erstmals nur etwa vier Wochen im Voraus planen, was zu Unsicherheiten führte. Dennoch gelang es den meisten, neue Aufträge zu akquirieren und die Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten.

Die Branche spielt eine zentrale Rolle in der Kreislaufwirtschaft und profitiert von neuen Chancen durch die Transformation zu einer zirkulären Bauwirtschaft. Selektiver und zirkulärer Rückbau sowie die Wiederverwertung von Baustoffen gewinnen an Bedeutung. Die Abbruchbranche steht am Anfang der Wertschöpfungskette und liefert das Ausgangsmaterial für weitere Verwertung. Das Konzept des „zirkulären Rückbaus“ unterstreicht die Transformation von einer linearen zu einer zirkulären Bauwirtschaft. Regulatorische Herausforderungen, insbesondere die Ersatzbaustoffverordnung und überbordende Bürokratie, belasten die Unternehmen jedoch erheblich. Obwohl die Ersatzbaustoffverordnung bundeseinheitliche Regelungen und Grenzwerte schaffen sollte, hat trotzdem fast jedes Bundesland wieder eigene Ausnahmeregelungen und Erläuterungen geschaffen – ein 16-facher Flickenteppich ist die Folge. Und ganz wichtig bzw. fatal für die gewollte Förderung der Kreislaufwirtschaft: In der EBV fehlt eine Regelung zum Abfallende von Recyclingmaterial. Ressourcen werden für administrative Aufgaben gebunden, was die Effizienz und wirtschaftliche Entwicklung hemmt.

Der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema, dem mit gezielten Qualifizierungsmaßnahmen begegnet wird. Mitgliedsfirmen berichten von positiven Erfahrungen bei der Integration qualifizierter Arbeitnehmer aus anderen Sektoren. Der Deutsche Abbruchverband begegnet dem Fachkräftemangel mit gezielten Qualifizierungsmaßnahmen über die DA Service GmbH. Angeboten werden z. B. praxisorientierte Baggerlehrgänge, Bauleiterseminare und VOB-Kurse speziell für Abbruchbetriebe. Der Fokus liegt auf branchenspezifischer Weiterbildung, nicht auf allgemeinen Kursen. Ziel ist es, die Qualifikation des vorhandenen Personals zu erhalten und zu steigern.

Technologische Innovationen wie Digitalisierung, Drohnen, GPS, KI und Elektromobilität bieten große Chancen hinsichtlich der Steigerung von Effizienz, Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Die Abbruchbranche zeigt eine hohe Offenheit gegenüber diesen technologischen Innovationen. Herausforderungen bestehen bei der technischen Weiterentwicklung, insbesondere bei Reichweite und Ladezeiten elektrischer Maschinen sowie der Anpassung an neue regulatorische Anforderungen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Abbruchbranche in einem dynamischen Wandel befindet, der geprägt ist von technologischen und prozessualen Weiterentwicklungen. Die erfolgreiche Integration neuer Technologien und die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen, insbesondere im Bereich Kreislaufwirtschaft und regulatorischer Vorgaben, sind entscheidend für den Erfolg der Unternehmen.

 

Text: Gabriele Unglert und Tobias Kiehstaller

Anzeige

Proemion Leaderboardbanner 694x130 April 2026 (da)

Anzeige


Anzeige

FRD Leaderboard-Banner 694x130 März bis September 2026 (bm)

Anzeige


Social Media

Aktuelle Ausgabe

Anzeige

Bredenoord Contentbanner März bis April 2026 (da)

Anzeige

Bobcat Contentbanner 325x325 April 2026 (tk)

Anzeige

Tracto-Technik Contentbanner 325x325 April und August/September 2026 (tk)

Anzeige

Kinshofer Banner Monat April 2026 (bm)

Newsletter

Bleiben Sie stets auf dem Laufenden mit dem Treffpunkt.Bau-Newsletter.

Erfahren Sie brandaktuelle Meldungen aus erster Hand. Zudem erhalten Sie mit der Anmeldung zum Newsletter kostenfreien Zugang zu unserem E-Paper.