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Boels Rental // Effizienz und Flexibilität: Die Zukunft der Erdbewegung
Die Baubranche steht aktuell vor einem gewaltigen Spagat: Während der Bedarf an moderner Infrastruktur durch milliardenschwere Sondervermögen wächst, fordern Fachkräftemangel, steigender Kostendruck und strengere Emissionsvorgaben neue, intelligente Lösungen auf den Baustellen. Besonders in der Erdbewegung, die als erstes Gewerk jedes Projekt maßgeblich prägt, entscheiden Effizienz und die richtige Systemwahl über den Gesamterfolg. Im Interview erläutert Michael Aman, Head of Sales bei Boels Rental Germany, warum die Maschine allein heute nicht mehr ausreicht, wo die größten Effizienzhebel im Prozess liegen und warum die Miete strategische Vorteile für den bevorstehenden Infrastrukturschub bietet.
Erdbewegungstechnik ist ein weites Feld. Was gehört für Sie alles dazu – und welche Rolle spielen heute Anbaugeräte, Logistik und Service im Gesamtprozess?
Michael Aman: Wenn wir über Erdbewegungstechnik sprechen, meinen wir im Grunde den kompletten ‚Materialfluss‘ auf der Baustelle – also alles, was mit Lösen, Laden, Transportieren, Einbauen und Verdichten von Boden und Material zu tun hat. Dazu gehören natürlich klassische Erdbewegungsmaschinen wie Mini- und Kettenbagger, Radlader, Dumper, aber ebenso Verdichtungstechnik, je nachdem, ob wir im Tiefbau, Straßenbau oder zum Beispiel im Deich- und Wasserbau unterwegs sind. Und was oft unterschätzt wird: Entscheidend ist heute nicht nur die Maschine an sich, sondern das System drumherum. Anbaugeräte sind dabei ein riesiger Hebel – weil ich damit aus einem Trägergerät sehr schnell mehrere Anwendungen abdecken kann. Das ist in der Praxis Gold wert, weil Baustellen selten monotone Aufgaben haben, sondern sich die Anforderungen von Woche zu Woche ändern. Logistik und Service sind dann sozusagen die Faktoren, die darüber entscheiden, ob die Baustelle im Takt bleibt. Die beste Maschine hilft nicht, wenn sie zu spät kommt, wenn das passende Anbaugerät fehlt oder wenn bei einem Problem niemand schnell unterstützen kann. Gerade in der Erdbewegung sind Stillstände extrem teuer, weil häufig die gesamte Kette dahinter hängt.
Der Bausektor befindet sich weiterhin im Wandel. Was sind aktuell die größten Herausforderungen – und warum treffen sie Erdbewegungsarbeiten besonders stark?
Michael Aman: Aus meiner Sicht ist es eine Mischung aus wachsendem Druck und höheren Ansprüchen. Dabei befindet sich die Branche zwischen immer engeren Termintaktungen, einer erhöhten Kostensensibilität bei einem gleichzeitigen Mangel an Fachkräften. Dazu kommen Anforderungen rund um Emissionen, Lärm, Dokumentation oder auch Sicherheit, die in vielen Projekten stärker werden. Erdbewegung trifft es besonders stark, weil sie meistens am Anfang des Bauablaufs steht. Wenn der Aushub, der Bodenumschlag oder die Verdichtung nicht sauber und effizient laufen, verschiebt sich vieles direkt nach hinten und dann wird es schnell hektisch. Außerdem ist Erdbewegung vergleichsweise wechselhaft: mal wird gegraben oder verladen, mal sortiert und dann wieder eingebaut. Deshalb sind Flexibilität, schnelle Reaktionsfähigkeit und verlässliche Technik genau hier so wichtig.
Viele sprechen von einem bevorstehenden Infrastrukturschub. Welche Signale sehen Sie bereits beim Bedarf an Erdbewegungstechnik, und wo zieht die Nachfrage zuerst an?
Michael Aman: Wir sehen durchaus erste Signale, dass sich der Bedarf Schritt für Schritt aufbaut. Das beginnt meistens dort, wo Projekte vorbereitet, Baustellen eingerichtet und erste Erdarbeiten angestoßen werden – also im klassischen Tiefbau, Straßenbau und bei größeren Infrastrukturmaßnahmen. Genau dort ist Erdbewegungstechnik besonders zu Projektbeginn gefragt, weil sie am Anfang fast jeder Maßnahme steht: Es muss gelöst, bewegt, verladen, transportiert und verdichtet werden. Aus unserer Sicht zieht die Nachfrage deshalb zuerst bei den Maschinen an, die flexibel und schnell in unterschiedlichen Bauphasen einsetzbar sind – also bei Baggern, Radladern, Dumpern und Verdichtungstechnik. Gleichzeitig merken wir, dass Kunden verstärkt nach Komplettlösungen fragen: nicht nur nach einer einzelnen Maschine, sondern nach einem verlässlichen Gesamtpaket aus passender Technik, Zubehör, Logistik und kurzfristiger Verfügbarkeit.
Trotz „Haben ist besser als brauchen“ setzen viele Bauunternehmen auf Miete. Welche strategischen Gründe stehen dahinter – und gibt es Besonderheiten im Erdbewegungsbereich im Vergleich zu anderen Mietkategorien?
Michael Aman: Der wichtigste Punkt ist aus meiner Sicht die Flexibilität. Viele Bauunternehmen wollen ihre Kapazitäten sehr gezielt an Projektlage, Auslastung und Bauabschnitt anpassen, ohne dauerhaft Kapital in Maschinen zu binden, die vielleicht nur phasenweise benötigt werden. Miete bedeutet dann: genau die Technik einsetzen, wenn sie gebraucht wird – in der passenden Größe, mit dem passenden Anbaugerät und ohne langfristige Fixkosten für Vorhaltung, Wartung oder Ersatz. Gerade im Erdbewegungsbereich ist das besonders relevant, weil die Anforderungen auf Baustellen stark wechseln. Heute braucht man vielleicht einen Minibagger für präzise Aushubarbeiten, morgen einen Dumper für den Materialabtransport und übermorgen Verdichtungstechnik für den nächsten Bauabschnitt. Diese Wechselhaftigkeit ist in der Erdbewegung oft noch ausgeprägter als in anderen Mietkategorien. Deshalb ist Miete hier nicht nur eine Kostenfrage, sondern vor allem eine strategische Frage von Beweglichkeit, Verfügbarkeit und Produktivität.
Im März letzten Jahres wurde das Sondervermögen von über 500 Milliarden Euro für Infrastruktur beschlossen. Ist dieses Kapital aus Ihrer Sicht bereits auf den Baustellen angekommen – und woran machen Sie das fest? Bzw. wenn nicht, wann erwarten Sie hier die ersten Impulse?
Michael Aman: Ich würde sagen: Die Erwartung ist klar da, aber auf der Baustelle kommt so ein Volumen nicht von heute auf morgen vollständig an. Zwischen politischem Beschluss, Ausschreibung, Planung, Vergabe und tatsächlichem Baubeginn liegt in der Regel einiges an Zeit. Deshalb sehen wir aktuell vor allem vorbereitende Signale: steigendes Interesse, mehr Gespräche über Verfügbarkeiten, stärkere Nachfrage nach flexibel einsetzbarer Technik und insgesamt einen vorsichtig wachsenden Bedarf an Erdbewegungslösungen. Die ersten konkreten Impulse erwarten wir vor allem dort, wo Projekte bereits planerisch weit fortgeschritten sind oder wo Instandhaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen schneller angestoßen werden können. Grundsätzlich gilt aber: Sobald Infrastrukturprogramme in die Umsetzung gehen, ist Erdbewegung meist eines der ersten Gewerke, in denen sich das unmittelbar bemerkbar macht.
Welche Maschinentypen und Konfigurationen (inkl. Anbauwerkzeuge) sind aktuell besonders gefragt – und welche Anforderungen treiben diese Nachfrage?
Michael Aman: Besonders gefragt sind aus unserer Sicht Maschinen, die sich breit einsetzen lassen und gleichzeitig schnell an wechselnde Aufgaben angepasst werden können. Dazu zählen vor allem, wie zuvor schon erwähnt, Mini- und Kettenbagger, Radlader, Rad- und Raupenkipper sowie verschiedene Lösungen aus der Verdichtungstechnik. Auf der Baustelle geht es heute stark darum, mit möglichst wenig Stillstand möglichst viele Arbeitsschritte sauber abzudecken. Deshalb steigt auch die Bedeutung der passenden Konfiguration. Bei Anbauwerkzeugen sehen wir eine hohe Relevanz bei hydraulischen Hämmern, Greifern, Sortiergreifern sowie bei schwenkbaren Grabenräumlöffeln und Tieflöffeln – jeweils deshalb, weil sie ein Trägergerät deutlich vielseitiger machen. Getrieben wird diese Nachfrage durch drei Dinge: erstens Zeitdruck auf der Baustelle, zweitens wechselnde Anforderungen innerhalb eines Projekts und drittens der Wunsch, Produktivität und Personaleinsatz möglichst effizient zu steuern.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Effizienzhebel im Erdbewegungsprozess – und welchen praktischen Beitrag leisten Lösungen wie Schnellwechselsysteme, passende Anbaugeräte oder digitale Unterstützung dabei?
Michael Aman: Die größten Effizienzhebel liegen aus meiner Sicht immer dort, wo unnötige Unterbrechungen vermieden werden. In der Erdbewegung heißt das ganz konkret: Maschinen müssen verfügbar sein, sie müssen zur Aufgabe passen, und sie sollten möglichst ohne größere Umrüstzeiten zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln können. Genau an dieser Stelle entfalten Schnellwechselsysteme und passende Anbaugeräte ihren größten Nutzen. Wenn ein Maschinenführer zum Beispiel direkt aus der Kabine heraus in Sekunden zwischen unterschiedlichen hydraulischen Anbaugeräten wechseln kann, spart das nicht nur Zeit, sondern hält auch den Arbeitsfluss stabil und erhöht zusätzlich die Sicherheit. Dazu kommt: Wer Maschinen und Zubehör von Anfang an passend zum Bauablauf plant, reduziert Leerzeiten, unnötige Doppelbewegungen und Improvisation auf der Baustelle. Digitale Unterstützung kann diesen Effekt noch verstärken, etwa indem Einsatz, Verfügbarkeit und Ablauf besser koordiniert werden. Am Ende geht es also nicht um ein einzelnes Produkt, sondern um einen durchgängig effizient gedachten Prozess.
Boels bietet neben Diesel auch emissionsfreie Antriebe. Warum ist das gerade jetzt relevant – und was sollten Baustellenleiter und Planer vor dem nächsten Projekt unbedingt prüfen, damit Technik, Energieversorgung und Ablauf zusammenpassen?
Michael Aman: Das ist gerade jetzt so relevant, weil die Anforderungen auf Baustellen breiter werden. Es geht längst nicht mehr nur um Leistung, sondern zunehmend auch um Emissionen, Lärm, Einsatzorte und Rahmenbedingungen des Projekts. Gerade in sensiblen Bereichen – etwa im innerstädtischen Umfeld, in lärmkritischen Zonen oder überall dort, wo Abgase problematisch sind – werden emissionsfreie Maschinen immer interessanter. Gleichzeitig zeigt sich: Nachhaltige Technik funktioniert nur dann gut, wenn sie von Anfang an in die Baustellenplanung eingebunden wird. Baustellenleiter und Planer sollten deshalb vor dem Projekt sehr konkret prüfen, welche Arbeiten anstehen, welche Laufzeiten die Maschinen haben, welche Lade- oder Energieinfrastruktur vor Ort vorhanden ist und wie sich Einsatzfenster, Logistik und mögliche Ladezeiten in den Bauablauf integrieren lassen. Dann wird aus einer emissionsfreien Maschine nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern ein echter Produktivitätsbaustein.
Text und Fotos: Boels Rental
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