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Kommentar im Treffpunkt.Bau // Fachkräftemangel – Europas gemeinsame Baustelle
Der demografische Wandel und der Eintritt vieler Arbeitskräfte ins Rentenalter verschärfen den Fachkräftemangel in der Bau- und Abbruchbranche. Zwar investieren wir in die Weiterbildung der vorhandenen Mitarbeiter, aber es fehlt zunehmend Fachpersonal. Qualifikation fängt bereits bei der Ausbildung an. Hoffen wir, dass die geplante kräftige Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes, der dann oberhalb vieler tariflich geregelter Ausbildungsvergütungen liegen wird, keine Verlockung des „schnellen Euros“, der selbst bei einer Hilfstätigkeit verdient werden kann, darstellt. Denn dies könnte dann bei jungen Menschen durchaus zu einem Verzicht auf eine Berufsausbildung und damit einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels führen.
Da es sich beim Fachkräftemangel aber generell um ein europaweites Problem handelt, sind ganzheitliche Lösungen auf EU-Ebene gefragt. Insbesondere die Rekrutierung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten muss vereinfacht werden. Trotz bestehender Richtlinien bleibt die Lage angespannt. Notwendig sind dementsprechend schnellere Zulassungsverfahren für Asylbewerber, eine erleichterte internationale Zusammenarbeit und der Abbau bürokratischer Hürden. Hoffnung weckt die neue EU-Verordnung „BridgeforEU“ (Mai 2025), die die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit künftig einfacher gestalten soll. So können die Vorgänge beispielsweise für die Anerkennung von Berufsabschlüssen beschleunigt werden. Da die Verordnung auf freiwilliger Basis existiert, ist eine Zusammenarbeit der einzelnen Akteure unerlässlich.
Damit sich die Staaten nicht gegenseitig heimische Arbeitskräfte abwerben, sollten Maßnahmen zur Behebung des Fachkräftemangels europäisch gedacht werden. Positive Beispiele aus Europa zeigen Wege auf: Schweden digitalisiert Antragsverfahren, Frankreich vernetzt Unternehmen für gezielte Weiterbildung, die Niederlande fördern Frauen, Migranten und Ältere durch flexible Arbeitsmodelle. Diese Ansätze könnten europaweit übernommen werden. Gefragt ist ein mehrstufiges Konzept: Mobilität fördern, Zuwanderung steuern, Aus- und Weiterbildung modernisieren und Digitalisierung nutzen – vor dem Hintergrund gemeinsamer Verantwortung und einheitlicher Standards.
Text und Bildmaterial: Johannes Schlenter, Vorstandsvorsitzender Deutscher Abbruchverband e.V.
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