Kommentar im Treffpunkt.Bau // „Geld allein löst noch keine Probleme“

Der voraussichtlich kommende Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich in einer Rede zu dem erkämpften „Geldsegen“ im Bundestag: „Geld allein löst noch keine Probleme“. Recht hat er, oder sollte das ein dezenter Hinweis sein, dass es doch nicht so einfach wird, die dringenden Aufgaben zur Ertüchtigung der maroden Infrastruktur im Lande schnell zu lösen? Immerhin wird im Zeitraum von zwölf Jahren dafür die gigantische Summe von 500 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen bereitstehen.

So weit, so gut. Fehlende Stromkabel, kaputte Brücken und Straßen, der „Dauerpatient“ Deutsche Bahn oder dringend notwendige Sanierungsarbeiten von Kindertagesstätten und Schulen – dafür sind umfassende Investitionen überfällig. Doch stehen zur schnellen Umsetzung dieser Mammutaufgaben noch einige Hürden im Weg. Eine davon ist der gegenwärtige Fachkräftemangel quer durch die Wirtschaft. Dass Leute durch den demografischen Wandel fehlen, dürfte nicht neu sein. Wenn Bauwirtschaft, Planungsbüros, Dienstleister oder Genehmigungsbehörden ihr Personal nicht im großen Stil aufstocken können, werden einige Projekte auf der Strecke bleiben. Stattdessen ist mit erheblichen Mehrkosten am Bau zu rechnen, weil eine starke Nachfrage auf ein zu knappes Angebot trifft.

Fürs Erste jedoch könnte die Baubranche neue Aufträge bewältigen. In einem Interview sagte der Präsident des Deutschen Baugewerbes, Wolfgang Schubert-Raab: „Wir können sofort starten, da wir derzeit unterausgelastet sind und 40 Prozent der Bauunternehmen Auftragsmangel melden.“ Doch es bleibt nicht aus, eine Ausbildungsoffensive zu verstärken, um den Fachkräftemangel zu verringern. Viele Schulabgänger haben keine Lust auf eine Lehre, erst recht nicht anstrengende Bauberufe. Fest steht auch, dass das schlechte Image der Leute vom Bau Schritt für Schritt einem positiven Bild weicht. Zahlreiche Jugendliche haben erkannt, dass die Zeit des Maurers, der nur Steine schleppen und Mörtel auftragen musste, längst vorbei ist. Leistungsfähige Maschinentechnik und moderne Baustoffe für beispielsweise energieeffiziente Sanierungsarbeiten oder für Neubauten erfordern umfangreiches Wissen.

Fazit: Die kommende Regierung muss quer durch alle Branchen eine Fachkräfte-Offensive starten, um ihre Investitionspläne zu verwirklichen. Dazu gehören eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen, mehr Aus- und Weiterbildung, längere Lebensarbeitszeit für jene, die können und wollen, und nicht zuletzt qualifizierte Zuwanderung.
 

Text und Bildmaterial: Rainer Oschütz

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