Kommentar im Treffpunkt.Bau // Sommer, Herbst …und immer noch nichts

Bundeskanzler Merz versprach nach seinem Amtsantritt, dass sich bis zum Sommer die Lage in Deutschland spürbar verbessert haben werde. Komplette Fehlanzeige. Gut, er hat kein Jahr dazu genannt. Danach war vom „Herbst der Reformen“ die Rede. Was ist gekommen? Die Aktivrente und eine Wiedereinführung der Wehrpflicht mit Glücksspielcharakter. Unter Reformen, die die heimische Wirtschaft dringend braucht, verstehen wir etwas anderes.

In unserer Branche, und ich glaube damit unterscheiden wir uns nicht groß von anderen Wirtschaftszweigen, haben wir seit einigen Jahren eine steigende Zahl von Geschäftsaufgaben zu verzeichnen. Die bei uns überwiegend inhabergeführten Familienbetriebe finden oft keine Nachfolger mehr. Weder in der eigenen Familie noch von außerhalb. Häufig dabei genannter Grund für das Desinteresse am Unternehmertum sind die überbordenden gesetzlichen Regularien, die von vielen als unerträgliches Gängelband empfunden werden. Zeitaufwendige Pflichten, die den Unternehmer vom „unternehmen“ abhalten. Es schreckt ab, wenn man genauer hinsieht, was der Staat von einem Unternehmer alles dokumentiert und ausgefüllt und nachgewiesen haben will und sich dabei der Unternehmer als unbezahlte Erfüllungsgehilfen für seine ureigenen Aufgaben bedient. So wäre es mal interessant zu wissen, wie viele der so hochgejubelten Start-ups nach z. B. 5 Jahren wirklich noch existieren oder auch aus diesen Gründen verkauft oder aufgegeben haben.

In der großen Bankenkrise 2008 wurde der Begriff der „Real-Wirtschaft“ populär, die sich im Unterschied zur Finanzwirtschaft mit tatsächlichen (physischen) Gütern und Dienstleistungen befasst. Sie bildet das Fundament der Wirtschaft, da sie die Wertschöpfung durch Arbeit und Produktionsfaktoren darstellt. Vielleicht sollten Politiker sich dies mal wieder in Erinnerung rufen, um endlich zu verstehen – und dann auch Taten folgen zu lassen –, dass die, die (noch) als Unternehmer in diesem Land schaffen und damit „den Laden“ mit zigtausend Arbeitsplätzen (und damit auch Steuerzahlern) am Laufen halten, nicht durch aberwitzige, überbordende, überflüssige Bürokratie in die Resignation und zur Aufgabe – oder direkt zum Fernbleiben – getrieben werden sollten.

Nachdem Sommer und Herbst in dieser Hinsicht völlig ereignislos verstrichen sind, hoffen wir jetzt vielleicht auf das „Winter-Weihnachts-Wunderland“ oder im nächsten Jahr auf die Kraft des Frühlings, der alles neu macht. Höchste Zeit ist es.
 

Text und Bildmaterial: Johannes Schlenter, Vorstandsvorsitzender Deutscher Abbruchverband e.V.

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