Kommentar im Treffpunkt.Bau // Wir haben verstanden – schön wär‘s

Mit diesem Slogan – ohne den desillusionierten Zusatz – warb Ende der 1990er-Jahre ein namhafter deutscher Autohersteller. Von wem man sich diese Einsicht, zumindest aber ein erkennbares Bemühen darum, seit Jahren innigst wünscht, sind „die Politiker“. Das soll hier kein pauschales Politiker-Bashing werden, aber leider gibt es – mal wieder – konkreten Anlass, mangelnde Platzreife, um es mal so zu nennen, von Politikern festzustellen.

Gemeinsam mit vier weiteren Branchenverbänden ist der Deutsche Abbruchverband Mitglied im Messebeirat der Messe RecyclingAktiv/TiefbauLive (RATL), die vom 09.–11. Oktober 2025 wieder in Karlsruhe stattgefunden hat. Die von diesen fünf Verbänden vertretenen Unternehmen bauen Deutschlands Infrastruktur, sind Vorreiter der Kreislaufwirtschaft im Sektor Bau, schleusen gesundheits- und umweltgefährliche Gefahrstoffe aus dem Stoffkreislauf aus und stellen die weiterverwendbaren Baumaterialien und Recyclingprodukte zur Verfügung. Für die Politik sollte es selbstverständlich sein, Präsenz auf einer Messe zu zeigen, auf der Instrumente zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele, der Transformation der Baubranche zur Kreislaufwirtschaft oder Automatisierungslösungen als Mittel gegen den Fachkräftemangel präsentiert werden.

Die Themen der Messe spiegeln sich in fünf der elf Ministerien Baden-Württembergs wider. Minister, Staatssekretäre und Parlamentarier (und auch alle -innen) hätten sich bei einem Messebesuch in „ihrem Land“ selbst hierüber praxisnah informieren und Interesse zeigen können. Dann hätten sie verstanden. Hätten. Denn die tatsächliche Teilnahme von Politikern, sowohl von Landes- wie auch von Bundesebene auf der RATL 2025: komplette Fehlanzeige. Lediglich das Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus war bereit, die Schirmherrschaft zu übernehmen, was jedoch nur in einem kurzen Grußwort per Video als einzig sichtbarem Zeichen zum Ausdruck kam. Dabei hat dieses Bundesland im März 2026 sogar Landtagswahlen, aber selbst das bewirkt offensichtlich nicht, Nähe und Interesse für einen bedeutenden Wirtschaftszweig zu zeigen.

Die im Messebeirat vertretenen fünf Branchenverbände haben die Eröffnungsveranstaltung der RATL dann dazu genutzt, im Rahmen eines „Wirtschaftspolitischen Frühstücks“ ein gemeinsames Positionspapier mit „Fünf Forderungen der Baubranche, Abbruch- und Recycling-Wirtschaft an die Politik“ vorzustellen und zu verabschieden. Darin werden konkrete Missstände benannt und die Bundesregierung aufgefordert, die Rahmenbedingungen für unsere Branchen dringend praxistauglich auszugestalten.

Schön wär‘s, wenn das verstanden wird.


Text und Bildmaterial: Johannes Schlenter, Vorstandsvorsitzender Deutscher Abbruchverband e.V. 

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