Liebherr // LR 11000 demontiert Brücke in Ulm

Im süddeutschen Ulm wurde nach rund drei Jahren Planung eine marode, zweispurige Spannbetonbrücke der Bundesstraße 10 zurückgebaut. Darunter verlaufende Gleisanlagen mit einer Breite von über 100 Metern und den dazugehörigen Oberleitungen ließen weder eine Sprengung noch einen klassischen Baggerabriss zu. Stattdessen wurde das Brückenbauwerk in einzelne Segmente zersägt und am Haken eines Raupenkrans kontrolliert ausgehoben. Für den anspruchsvollen Einsatz brachte das Schweizer Kran- und Logistikunternehmen Emil Egger AG, kurz ETE, seinen Raupenkran LR 11000 in die Donaustadt. Etwa 40 Schwertransporte und ein vier Tage dauernder Aufbau waren nötig, ehe der leistungsstarke Raupenkran vor der beeindruckenden Kulisse des Ulmer Münsters seinen Rund um die Uhr Einsatz aufnehmen konnte.

Die knifflige Brückendemontage erfolgte kranseitig in zwei Phasen: Für die ersten und zugleich schwersten Hübe in kürzeren Distanzen war der Raupenkran mit einem 84 Meter langen Gitterhauptausleger (SL2DBV) konfiguriert. Danach wurde der Ausleger auf 128 Meter verlängert, um auch die weiter entfernt liegenden Teilstücke erreichen zu können. Der Großkran arbeitete dabei mit einer maximalen Ballastierung von bis zu 750 Tonnen. Allein 450 Tonnen entfielen auf den Derrickballast, der über den hydraulisch verstellbaren Klapprahmen V-Frame bei manchen Hebevorgängen bis auf einen Radius von 30 Meter ausgefahren wurde.
 

Gewichtsbestimmung entscheidend

„Das Rückbaukonzept haben wir gemeinsam mit dem Bau- und Logistikunternehmen Max Wild erarbeitet“, erzählt Michael Egger, Geschäftsleiter der Emil Egger AG, der am ersten Einsatztag seines Raupenkrans vor Ort war. „Eine große Herausforderung bei diesem großen Infrastrukturprojekt hier in Ulm war die Segmentierung der Brückenteile.“  Der Abbruch wurde abschnittsweise durchgeführt und folgte dabei einem eindeutig vorgegebenen Ablauf. Zunächst wurde das jeweilige Fahrbahnsegment am Haken des Raupenkrans angeschlagen. Nach der Lastaufnahme durch den LR 11000 begannen die Betonsäger auf der Brücke mit ihrer Arbeit. Jeweils etwa fünf Stunden liefen die mit Diamant besetzten Seilsägen im Kreis, bis die rund 17 Meter breite und über 2 Meter hohe Spannbetonkonstruktion durchtrennt war. „Von zentraler Bedeutung war dabei die möglichst präzise Gewichtsbestimmung der einzelnen Segmente. Nur so konnten wir den zu erwartenden Lastfall über den verschiebbaren Derrickballast kompensieren und das Bauteil nach vollständiger Durchtrennung sicher ausheben,“ erklärte Egger.
 

„V-Frame und VarioTray erleichtern Arbeiten“

„Dabei haben uns V-Frame und VarioTray natürlich große Dienste geleistet und die Arbeit erheblich erleichtert“, so Egger. „Vor allem bei den Hüben, bei denen wir die Brückenteile aus größerer Distanz heranholen und in der Nähe des Raupenkrans ablegen mussten, wo die Abbruchbagger die Betonelemente zerkleinerten. Dank des teilbaren Derrickballasts entfiel das zeitaufwendige Umballastieren mit einem Hilfskran. Die volle Leistungsfähigkeit bringt der Kran durch die 30 Meter Derrickradius. Wir nutzen den V-Frame inzwischen seit sechs Jahren und möchten auf dieses Feature nicht mehr verzichten.“ Unterstützung erhielt der Raupenkran außerdem von einem Liebherr LTM 1650-8.1, der ebenfalls aus der Schweiz nach Ulm gekommen war. Zunächst half der leistungsstarke Mobilkran beim Aufbau des LR 11000. Anschließend wechselte er auf die gegenüberliegende Gleisseite und übernahm dort den Rückbau einer Auffahrt zum alten Brückenbauwerk. Ähnlich wie beim Einsatz des Großkrans wurden auch hier einzelne, bis zu 110 Tonnen schwere Rampensegmente an den Haken genommen, die Betonkonstruktion zersägt und schließlich Stück für Stück abgetragen. Läuft alles nach Plan, soll die neue Brücke in Ulm im Herbst kommenden Jahres fertiggestellt sein. Danach folgt die Gegenrichtung. Dann werden die roten Krane von Egger an die Donau zurückkehren und beim Rückbau der verbliebenen Bundesstraßenbrücke wieder eine zentrale Rolle spielen.

 

Text und Bildmaterial: Liebherr 

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