Axicus – Mehr als Miete: Das Tool gegen Stillstand

Axicus – Mehr als Miete: Das Tool gegen Stillstand

„Ein Auto, das nicht fährt, das ist sein Geld nicht wert.“ Dieser dem Anlass-Jodler von Fredl Fesl entliehene Sinnspruch gilt für teure Baumaschinen in besonderen Maße. Unproduktiver Stillstand ist dem Multiunternehmer Helmut Borkowski ein Graus, weshalb er die Online-Vermittlungsplattform Axicus gründete. „Wir verstehen uns als Uber der Baubranche. Über Axicus wird nicht nur die Maschine gebucht, sondern die komplette Dienstleistung mit qualifiziertem Personal“, sagt Helmut Borkowski und erklärt uns zusammen mit seinem Geschäftsführer Christopher Rix, warum Axicus erhebliche Vorteile gegenüber der klassischen Maschinenmiete hat.

 

Wie entstand die Geschäftsidee zu Axicus?

Helmut Borkowski: Obgleich ich der Generation 45+ angehöre, beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema ‚Digitale Transformation‘. Da steckt eine Menge Potential, das wir speziell in der Baubranche dramatisch unterschätzen und bislang nicht zu unserem Vorteil nutzen. Konkret entwickelte sich die Idee für Axicus während eines Südafrika-Aufenthalts. Nachdem wir mit einer Autopanne liegen geblieben waren, habe ich zum ersten Mal Uber getestet und war spontan begeistert. Ein paar Klicks am Smartphone und das Taxi war zum in der App angezeigten Festpreis gebucht. Warum gibt es so was nicht für uns in der Baubranche? Der Kunde schaut in eine App, wählt die benötigte Maschine, sieht sofort den Preis sowie die Verfügbarkeit und bucht das Gerät samt Bedienpersonal mit wenigen Klicks. Dieser Gedanke ließ mich nicht los und war letztlich die Initialzündung für alle folgenden Aktivitäten, die nun nach zweieinhalb Jahren intensiver Entwicklung in ein marktfähiges Produkt münden. Zusammen mit unserem IT-Partner haben wir ein äußerst leistungsfähiges Softwarefundament erstellt, das wesentlich mehr Funktionen abbilden kann, als wir anfangs nutzen. Wir sind bodenständig genug, um nicht gleich von null auf Uber starten zu wollen – das Ziel jedoch ist: Wir entwickeln uns zum Uber der Baubranche. Die Motivation liefert uns der Markt. In den letzten Jahren erleben wir verstärkt, dass die ausgeschriebenen Bauprojekte immer größer werden. Kleineren und mittleren Unternehmen fehlt immer häufiger die nötige umfangreiche Maschinen- und Personalausstattung. Infolge können sie keine Angebote für lukrative Großaufträge abgeben. Axicus bringt gerade diese Unternehmen wieder zurück in den Wettbewerb und verschafft auch Mittelständlern dort eine Chance, wo sonst meist nur die Konzerne ihre Vorteile ausspielen.

 

Maschinenmiete ist eine geläufige Dienstleistung. Was ist das Einzigartige an Axicus?

Helmut Borkowski: Der grundlegende Unterschied zur klassischen Maschinenmiete ist, dass wir Dienstleistungen im Lohn vermitteln. Das bedeutet, über Axicus wird nicht nur die Maschine gebucht, sondern die komplette Dienstleistung mit qualifiziertem Personal. Ein Bauunternehmen bucht sich somit seine Nachunternehmerleistung. Bauunternehmen profitieren, indem sie kurzfristig entstehenden Bedarf auf Baustellen einfach und schnell abdecken können. Baustellen kommen nicht mehr zum Erliegen und hohe Strafzahlungen können vermieden werden. Die Nachunternehmen profitieren, indem sie eine höhere Maschinenauslastung erreichen können. Zusätzlich zu herkömmlich eingehenden Aufträgen kann durch Axicus ein zusätzlicher Auftragseingang erzielt werden und Umsätze können gesteigert werden. Die einzigartige Idee an Axicus ist also, dass wir den Ablauf einer absolut geläufigen Praxis in der Baubranche revolutionieren. Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie beziffert den Subunternehmeranteil auf den Baustellen von Bauunternehmen mit 20–49 Angestellten auf 21 %, bei Bauunternehmen mit mehr als 500 Angestellten sogar auf 42 % (2017). Alles was Axicus macht, ist, den aktuellen Prozess zur Auswahl und Buchung eines Nachunternehmens zu digitalisieren – mit bahnbrechenden Vorteilen für alle Beteiligten. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in ihrer veröffentlichten Studie vor drei Jahren angegeben, dass lediglich 6 % der Bauunternehmen digitale Planungsinstrumente vollständig nutzen würden. Dies lässt auf ein enormes Potential zurückschließen, aber auch auf eine generelle geringe Akzeptanz für digitale Lösungen. Um die Hürde für den Einstieg in Axicus so gering wie möglich zu halten, haben wir den DispoManager so praxisnah wie möglich entwickelt. Er ist außerordentlich einfach und intuitiv zu bedienen. Das System dient zur Verwaltung der Maschinen und des Bedienpersonals und kann zugleich das Angebot auf dem Marktplatz steuern. Wir bieten dem Nutzer also ein System mit allen Vorteilen.

 

Wie setzt sich das Produkt von Axicus zusammen?

Christopher Rix: Das Produkt besteht aus zwei Modulen – dem Dispositionsmanager, wir nennen ihn DispoManager, und der Online-Vermittlungsplattform. Beides ist miteinander vernetzt. Der DispoManager ist ein Online-Tool zur intuitiven Einsatzplanung von Maschinen mit Bedienpersonal, dient aber gleichzeitig auch zur Planung von Mitarbeiterabwesenheiten und ermöglicht jederzeit einen Überblick über die Auslastung und ist von überall abrufbar. Der große Vorteil des DispoManagers ist seine hervorragende Übersichtlichkeit. Mit schnellem Blick erfasst der Disponent die Auslastung seiner Maschinen und Mannschaften. Die Online-Vermittlungsplattform von Axicus ist ein Marktplatz, auf dem Unternehmen der Baubranche vernetzt werden. Die Nutzer des DispoManagers können unausgelastete Maschinen per Knopfdruck auf dem Marktplatz anbieten, potentielle Kunden können wiederum auf den Marktplatz zugreifen und sich die gewünschte Dienstleistung buchen. Wichtig zu wissen, ist, dass unser DispoManager auch unabhängig von der Online-Vermittlungsplattform genutzt werden kann und der Marktplatz unabhängig von der Nutzung des DispoManagers. Der DispoManager ist ein modernes leistungsfähiges Dispositionstool für die tägliche Arbeit – mit dem weiteren Vorteil der direkten Anbindung an den Axicus Marktplatz.

 

Welche Zielgruppen spricht Axicus an?

Christopher Rix: Die Zielgruppen, die wir mit dem DispoManager und der Online-Vermittlungsplattform ansprechen, unterscheiden sich grundsätzlich. Den DispoManager haben wir prinzipiell für alle Unternehmen der Baubranche geschaffen, die täglich mit der Disposition ihrer eigenen Maschinen und Mitarbeitern zu tun haben. Konkret sprechen wir vor allem kleine und mittelständische Unternehmen an. Dies betrifft Generalunternehmen sowie Nachunternehmen. Da das Programm ideal für die Disposition von Maschinen und Bedienpersonal ist, ist es vor allem für Nachunternehmen geeignet, die Dienstleistungen im Lohn für Generalunternehmen durchführen. Vor allem Spezialbaumaschinen mit Maschinisten können über Axicus eine optimale Auslastung erreichen. Das Programm ist aber auch für Handwerksbetriebe kompatibel, bei denen beispielsweise Fahrzeuge und Mitarbeiter für die nächsten Einsätze verplant werden. Die Vermittlungsplattform wendet sich an Generalunternehmen gleich welcher Größe. Bauleiter von Generalunternehmen nutzen Axicus, um kurzfristig entstehende Bedarfe auf Baustellen zu decken. Einkäufer von Generalunternehmen profitieren von unserer Plattform, indem ihnen die Angebote unterschiedlicher Dienstleister sehr transparent dargestellt werden – ideal, um Preise zu vergleichen.

 

Welche Funktionen bietet der DispoManager?

Christopher Rix: Der DispoManager ist extrem einfach und intuitiv zu bedienen. Nachdem die Maschinen und Mitarbeiter eingepflegt wurden, kann der erste Einsatz bereits geplant werden. Dazu wird in der übersichtlichen Planungsansicht auf einen Blick ersichtlich, welche Maschine für eine Kundenanfrage noch zur Verfügung steht. Nachdem die gewünschte Maschine ausgewählt wurde, kann das Bedienpersonal der Maschine zugeordnet werden. Hier bietet der DispoManager Informationen dazu, welches Personal noch zur Verfügung steht, und auf diese Verfügbarkeit wird auch visuell hingewiesen. Bei Fehlern in der Planung wird der Disponent also sofort darauf aufmerksam gemacht. Jeder Einsatz kann selbstverständlich mit genaueren Notizen bestückt werden, um exakt die Anforderungen der Kunden zu dokumentieren. Der dritte zentrale Bereich zur Einsatzplanung ist die Übermittlung der Auftragsdetails an den Maschinisten und den Kunden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Bauleiter bei der Planung ihrer Baustellen mit den ganzen Nachunternehmern auch mal durcheinanderkommen und daher öfter für Rückfragen zur gebuchten Dienstleistung beim Nachunternehmer anrufen. Durch die automatische Auftragsbestätigung hat der Bauleiter mit Axicus alle Einsatzdetails übersichtlich parat. Auch der Maschinist bekommt am Tag vor seinem Einsatz eine SMS mit allen relevanten Einsatzdetails zugeschickt und der Disponent erspart sich so viel Zeit. Außerdem können Lieferscheine mit allen relevanten Einsatzdetails per Knopfdruck für alle ausgewählten Einsätze gedruckt werden. Der DispoManager bietet zudem noch die Funktion des sogenannten Parkplatzes. Hier können Einsätze vorerst deaktiviert werden und zu einem späteren Zeitpunkt mit allen bereits zuvor eingegebenen Einsatzdetails wiederhergestellt werden. Eine integrierte Änderungshistorie lässt immer nachvollziehen, welcher Nutzer welche Änderungen durchgeführt hat.

 

Bereits 5.000 Einsätze wurden laut Homepage erfolgreich disponiert. Gibt es Axicus doch schon länger?

Helmut Borkowski: Die Idee Axicus ist aus der Borkowski GmbH entstanden und den DispoManager gibt es mittlerweile schon seit etwa eineinhalb Jahren. Seitdem ist dieser auch bei der Borkowski GmbH aktiv im Einsatz und erleichtert zentral Bereiche der alltäglichen Arbeit. Er wurde nur noch nie vermarktet. Wir haben jetzt also den Vorteil, ein komplett erprobtes Produkt vertreiben zu können.

 

Was sind Ihre Ziele für 2021?

Christopher Rix: Wir starten mit der Vermarktung des DispoManagers. Mit unserer Firmengründung Ende 2020 haben wir den Grundstein gelegt und sind bereit, das Dispo-Tool zu vertreiben. Ziel ist es, bis September 2021 200 Partnerunternehmen auf der Plattform zu registrieren. Um die Nutzer von Axicus langsam an den Marktplatz heranzuführen, ist das mittelfristige Ziel, dass Bauleiter die Möglichkeit haben, bei bereits bekannten Nachunternehmen Maschinen online buchen zu können. Haben beide Parteien, Bauleiter und Disponenten, hier ein positives Erlebnis, ist der nächste Schritt nicht mehr weit: die Vernetzung von allen Generalunternehmen und Nachunternehmen im Baubereich. Ab Oktober 2021 ist der Markplatz so umgesetzt, dass Bauleiter auf einen Pool von Dienstleistungen unterschiedlichster Nachunternehmen zugreifen und sich die gewünschte Leistung buchen können. Das größte Potential für Wachstum sehen wir in der Vermittlung von Dienstleistungen. Durch eine transparente Gestaltung der Preise und Auflistung unterschiedlicher Nachunternehmen haben Generalunternehmer ganz neue Möglichkeiten und können Einsparpotentiale erzielen. Die Axicus Idee ist zusätzlich für den Landwirtschaftssektor ausbaufähig. Langfristig wollen wir DIE Plattform zur Vermittlung von Baudienstleistungen werden – das Uber der Baubranche eben. So etwas gibt es noch nicht und wir sehen hier ein Riesenpotential. Die Bauwirtschaft gehört zu den am wenigsten digitalisierten Wirtschaftsbranchen. Doch durch die Corona-Situation findet generell ein größeres Verständnis für eine Digitalisierung statt. Das wollen wir nutzen und gemeinsam mit Partnerunternehmen große Erfolge erzielen.

 

Die Borkowski GmbH

Helmut Borkowski, Ideengeber und Initiator von Axicus, gründete 1990 zusammen mit seiner Frau Rita das Fräsunternehmen Borkowski GmbH. Gestartet ist die Firma mit einer gebrauchten Wirtgen Kleinfräse und einem Sattelzug mit 1.000.000 km auf dem Tacho. Im Frühjahr 1991 wurde der erste Mitarbeiter eingestellt, 1995 ein neues und größeres Betriebsgelände im Gewerbegebiet Langerwehe bezogen. Heute verfügt die Borkowski GmbH über eine umfangreiche Palette hochwertiger Wirtgen Kaltfräsen mit Arbeitsbreiten bis zu 2,20 m sowie Spezialfräswalzen für Sonderanwendungen oder Feinfräsarbeiten. Außerdem arbeiten die Spezialisten mit hochwertigen und leistungsstarken Lissmac Fugenschneidern. „Auf Qualität und größtmögliche Flexibilität haben wir von Anfang an großen Wert gelegt und dies ist uns und unseren Mitarbeitern auch heute noch besonders wichtig. Unser Erfolgskonzept ist einfach: Wir liefern jedem Kunden bei jedem Einsatz 100 % Qualität – seit nunmehr über 30 Jahren“, sagt Helmut Borkowski.

 

Text: Franz Nieberle und Peter Hebbeker

Bilder: Axicus

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