SOLO Kleinmotoren // 75-jähriges Jubliäum

Am 10. Februar 1948 wird beim Stuttgarter Notar Häfele die „Kleinmotoren GmbH“ urkundlich gegründet und am 10. Mai 1948 ins Handelsregister eingetragen. 75 Jahre später, im Februar 2023 kann man in Maichingen das 75. Jubiläum der Unternehmensgründung feiern und auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Es sind die Jahre voller Unsicherheit aber auch voller Aufbruchsstimmung, als die beiden Brüder Heinz und Hans Emmerich ihre Frage nach der beruflichen Zukunft mit einer guten Idee beantworten: ein kleiner, leichter und dennoch starker Zweitaktmotor.

 

Zwei Brüder entwickeln den Zweitaktmotor

Ingenieur Heinz, begeisterter Flieger und Modellbauer, hatte dieses Konzept schon lange im Kopf. Nun hatte er in seinem Bruder, dem Kaufmann Hans einen Mitstreiter gefunden. Man ließ Teile drehen, montierte im Keller und startete den neu entwickelten Zweitaktmotor „KMS 30“ erstmals am 10. Juni 1948, dem Tag der Währungsreform. In der neu gründeten eigenen Firma begann man, in Tag- und Nachtarbeit die erste kleine Serie an Motoren zu fertigen, die dann für einen sehr ungewöhnlichen Auftrag verwendet wurde: Die Firma Lorenz suchte einen Antrieb für einen kleinen Stromerzeuger, um diesen zusammen mit Radiogeräten hinter dem „eisernen Vorhang“ abzuwerfen. Den neuartigen Motor, ebenso wie den doppelt so starken „KMS 60“, stellte man diversen Firmen vor, teilweise schon mit der passenden Anwendung. Dazu gehörten Motorroller ebenso wie Pflanzenschutzspritzen. Alle winkten ab, sahen keine Zukunft für die „neumodische Technik“. Und wenn sich ein kleiner Hoffnungsschimmer auftat, waren die „großen Ideen“ der vermeintlichen Partner oft nur leere Worte.

 

Einsatz im Weinbau

Dem kreativen und geschäftstüchtigen Duo blieb also nur, sich selbst um Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten zu kümmern. Da beide in Stuttgart-Obertürkheim lebten, geriet der Weinbau in den Fokus. Beide beobachteten allzu oft, wie Winzer sich bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln an den steilen Hängen abmühten. Schwere, stationäre Pumpen, lange Schläuche, harte körperliche Arbeit, für die viel Personal nötig war. In den Emmerich-Brüdern reifte eine Idee: Den kleinen Motor als Pumpenantrieb für Weinbergspritzen zu nutzen. Das Konzept kommt an. Aber es ist noch verbesserungsfähig. So entsteht in der Folge das, was den Erfolg des jungen Unternehmens begründet: Das weltweit erste Motorstäubegerät 1950 und ein Jahr später das erste Motorsprühgerät der Welt. Damit beginnt nicht nur ein rasches Wachstum, sondern man prägt auch den bis heute bekannten Markennamen „solo“. Denn nun war es dem Anwender möglich, Arbeiten allein – „solo“ – zu erledigen.

 

Firma und Produktportfolio wachsen

Da die Möglichkeiten zur Produktion in den Räumen in Stuttgart begrenzt waren, ließ man bei anderen Firmen fertigen. Mit steigenden Auftragszahlen wurde die Abhängigkeit allerdings zu groß, so dass man sich entschied, selbst zu produzieren. Auf der Suche nach geeigneten Flächen fand man 1953 Passendes in Maichingen bei Sindelfingen. Nicht nur die Firma wuchs schnell, auch das Produktprogramm: der erste Rasenmäher mit rotierendem Messer in Deutschland, 1956 die erste Motorhacke, 1958 die erste Direktgetriebene Motorsäge Europas, die legendäre „SOLO-Rex“, der andere Hersteller nur bedingt Contra geben konnten. Der Ruf dieser neuen Geräte dringt auch schnell ins Ausland. Schon Ende der 50er Jahren eröffnete SOLO erste Niederlassungen im europäischen Ausland, viele weitere auch in Übersee folgten. Das kleine afrikanische Land Ghana, heute zweitgrößter Kakaoproduzent der Welt, wurde zu einem der größten Auftraggeber für rückentragbare Motorsprühgeräte in den 60er Jahren. Aber auch die anderen Produktgruppen verkauften sich außerordentlich gut, so dass man 1968 das 1-Millionste SOLO-Gerät feiern konnte.

 

Freiheit auf zwei Rädern

Man ist oft dem Wettbewerb weit voraus. Aber auch der Zeit. Das „Combi“-Programm (ein Wechselmotor für mehrere Anbaugeräte) ist ebenso ein Beispiel wie das SOLO Electra, das erste Elektromofa Europas im Jahr 1972. Denn im Jahrzehnt der 70er hielt eine ganz neue Produktgruppe Einzug in die Maichinger Werkhallen: Mofas und Mopeds. Die „Freiheit auf zwei Rädern“ mobilisierte bis Mitte der 80er Jahre eine ganze Generation von Teenagern. SOLO Mofas erlangten schnell Kultstatus – den sie wenn auch als Gebrauchtfahrzeuge bis heute nicht verloren haben. Mit den Fahrzeugen kam weiteres Wachstum und weitere Diversifikation, beispielsweise mit einem 6-rädrigen Allgeländefahrzeug oder Außenbordmotoren. Spannende neue Produkte, die allerdings auch die etablierten Produktgruppen für Garten, Landschaft und Forst etwas in den Hintergrund treten lassen. Eine Entwicklung, die mit dem Ende des Zweiradbooms Mitte der 80er Jahre nicht unproblematisch wird. Einerseits hat man im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die sich vollständig auf Kleinkrafträder spezialisiert hatten, noch ein großes Portfolio an Produkten, die den Umsatzrückgang bei den Fahrzeugen auffangen. Dennoch hat die starke Diversifikation der 60er und 70er Jahre Ressourcen gebunden. Eine Tendenz, die in Kombination mit zunehmenden Raubkopien und günstigen Produkten aus Fernost im Jahr 2014 dazu führen sollte, dass man sich schweren Herzens von den Garten- und Forstgeräten trennt mit dem Ziel, sich fortan auf den Bereich „Pflanzenschutz“ zu konzentrieren. Ein massiver Einschnitt, der auch die Zahl der Beschäftigten drastisch reduziert.

 

Neuausrichtung gelingt

Mit Wolfgang und Andreas Emmerich gelingt der zweiten Generation die Neuausrichtung. Eine weiter verstärkte Exportausrichtung und neuen Niederlassungen in Chile und Ghana stellen den Fokus klar auf Spritzen und Sprühgeräte für den Pflanzenschutz und damit auf einem Exportanteil von derzeit 85 %. Die Marke „SOLO“ ist weltweit im Pflanzenschutz weiterhin ein Begriff für solide Qualität „Made in Germany“. Produziert werden die SOLO Geräte neben dem Hauptstandort in Sindelfingen noch im amerikanischen Newport News (VA). Zu den Spritzen und Sprühgeräten für den Pflanzenschutz kommt 2016 mit der speziellen SOLO CLEANLine auch ein Programm für Reinigung- und Desinfektion. Außerdem gehört eine Trennschleifer-Linie zum Produktprogramm. Ebenso ergänzt man das weltweite Händlernetzwerk durch den Online- und Flächenhandel.

 

Produktionsneubau 2021

Mit der Umstrukturierung ändern sich auch die Platzverhältnisse am Standort Maichingen. 2021 entsteht ein Neubau für Produktion und Logistik in der Industriestraße. Hier entwickelt, produziert und vertriebt SOLO die Geräte für den Weltmarkt. 2020 zieht sich Wolfgang Emmerich aus dem operativen Geschäft zurück und Sascha Luft zeichnet seitdem neben Andreas Emmerich für die Führung der weltweit operierenden SOLO-Gruppe mit Niederlassungen in sieben Ländern und globalen Vertriebspartnern verantwortlich. Man fühlt sich der 75jährigen Tradition ebenso verbunden, wie der wachstumsstarken Zukunft. Und SOLO ist und bleibt ein Family Business: neben Geschäftsführer Andreas Emmerich gehören noch die Brüder Wolfgang und Roland sowie Schwester Ute zu den Gesellschaftern. Die letzten beiden haben ja bekanntlich einen anderen Weg eingeschlagen: Als Filmemacher in Hollywood.

 

Text- und Bildmaterial: SOLO Kleinmotoren

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