HOCH Gruppe: ZECON als neue Gesellschaft für die emissionsfreie Baustelle
Wann wird aus einer elektrischen Baumaschine eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zum Diesel? Die Antwort hängt weniger von theoretischen Reichweiten als vom tatsächlichen Arbeitsprozess ab. Betriebsstunden, Lastprofil, Ladepausen und verfügbare Anschlussleistung entscheiden darüber, ob das Konzept im Alltag aufgeht. Mit der 2026 gegründeten ZECON Baumaschinen GmbH hat die HOCH Gruppe dafür eine eigene Gesellschaft geschaffen. ZECON hat ihren Hauptsitz in Steinach und ist zugleich an allen Standorten der Gruppe vertreten. Das neue Unternehmen fokussiert sich auf die emissionsfreie Baustelle und bietet neben dem Vertrieb elektrischer Baumaschinen auch die passende Ladeinfrastruktur sowie Service und anwendungsbezogene Beratung an. In Baden-Württemberg übernimmt ZECON als direkter Vertragshändler den Vertrieb des elektrischen Baumaschinenportfolios von LiuGong.
Die HOCH Gruppe hat ihren Ursprung in einem 1995 gegründeten Reparaturbetrieb für Land- und Baumaschinen. Heute umfasst sie mit Hoch Baumaschinen und Kohrmann Baumaschinen 17 Standorte sowie einen Mietpark von rund 2.000 aufsitzbaren Maschinen, wie Geschäftsführer Dr. Nino Hoch im März 2026 in einem Treffpunkt.Bau-Beitrag darlegte. Elektrische Antriebe ordnete er dort bereits vor allem stationären Anwendungen, etwa in Kieswerken, zu. ZECON knüpft an diese Einschätzung an und konzentriert sich auf Einsatzfelder, in denen sich elektrische Antriebstechnik technisch und wirtschaftlich sinnvoll integrieren lässt. „Kunden fragen uns nicht mehr nur, ob Elektro grundsätzlich funktioniert, sondern ob es zu ihrer konkreten Anwendung passt“, sagt Hoch. „Diese Frage lässt sich nicht allein anhand eines Datenblatts beantworten. Man muss wissen, wie viele Stunden die Maschine arbeitet, was sie bewegt, welche Wege sie fährt und wann überhaupt Zeit zum Laden vorhanden ist.“
Elektrisch auch in schweren Maschinenklassen
Elektrische Baumaschinen werden noch häufig mit kleineren Geräten für emissions- oder lärmsensible Einsätze in Verbindung gebracht. Das ins Portfolio aufgenommene elektrische LiuGong-Programm geht deutlich darüber hinaus: Der Radlader 856HE etwa verfügt über eine 423-kWh-LFP-Batterie mit einer Laufzeit von 11,7 Stunden bei leichter beziehungsweise 8,6 Stunden bei schwerer Anwendung und lässt sich bei 240 kW in rund 1,7 Stunden laden. Der 24 Tonnen schwere Muldenkipper 4280DE verfügt über dieselbe Batteriegröße und eine Scharzugkraft von 123 kN; die Schnellladezeit gibt LiuGong mit rund 1,6 Stunden an. Dennoch gilt: Die Maschinengröße allein beantwortet noch nicht die Frage, ob ein Einsatzprofil zur elektrischen Antriebstechnik passt.
Arbeitszyklus statt Reichweite, Nutzungsdauer statt Kaufpreis
Anders als beim Pkw ist bei einer Baumaschine nicht die maximale Reichweite entscheidend, sondern der Arbeitszyklus: Fahrstrecken, Materialgewicht, tägliche Betriebsstunden und die Frage, ob Pausen oder Schichtwechsel zum Nachladen genutzt werden können. Planbar ist das vor allem bei stationären Einsatzfeldern – etwa in Recycling- und Gewinnungsbetrieben, auf Bau- und Betriebshöfen, in Hallen oder an innerstädtischen Standorten. Wo Maschinen dagegen häufig umgesetzt werden, lange Strecken zurücklegen oder eine wirtschaftliche Stromversorgung fehlt, bleibt Diesel für ZECON die naheliegende Wahl.
„Diesel ist für uns kein Auslaufmodell, sondern weiterhin eine wirtschaftlich gerechtfertigte Wahl“, sagt Hoch. „Wir verkaufen keine elektrische Maschine, nur weil sie besser ins Bild passt, sondern ausschließlich dort, wo sie dem Kunden am Ende auch tatsächlich einen Mehrwert bringt.“ Auch der Kaufpreis allein beantwortet die Wirtschaftlichkeitsfrage nicht. Bei elektrischen Maschinen fallen über die Nutzungsdauer andere laufende Kosten an als bei Dieselmodellen – Stromkosten und gegebenenfalls Kosten für die Ladeinfrastruktur anstelle von Kraftstoffkosten und dieseltypischem Wartungsaufwand. LiuGong stellt für den 856HE etwa bis zu 70 Prozent geringere Betriebskosten und bis zu 50 Prozent geringere Wartungskosten über fünf Jahre in Aussicht. Hinzu kommen fünf Jahre beziehungsweise 10.000 Betriebsstunden Garantie auf Batterie, Motor und Controller. Auch dabei handelt es sich um Herstellerangaben, deren tatsächliche Werte von Auslastung und Einsatzprofil abhängen.
Entscheidend ist deshalb weniger die maximal mögliche Einsparung als die Frage, wie sich die Kosten je produktiver Maschinenstunde im eigenen Betrieb entwickeln. Dabei ist nicht zwangsläufig die größte Batterie die wirtschaftlichste Lösung, sondern diejenige, die zum tatsächlichen Ladefenster des Betriebs passt.
„Für uns ist nicht die technisch größte Lösung automatisch die beste“, sagt Hoch. „Batteriekapazität und Ladeleistung müssen sich am tatsächlichen Bedarf des Betriebs orientieren. Eine Überdimensionierung erhöht die Investition, ohne zwangsläufig einen zusätzlichen Nutzen zu schaffen.“
Der Praxistest als Entscheidungsgrundlage
Die zweite Konsequenz betrifft die Erprobung: ZECON bietet kostenlose, mehrtägige Testeinsätze an – nicht auf einem vorbereiteten Vorführgelände, sondern auf der Baustelle des Interessenten, mit dessen Material, Fahrwegen und Anbaugeräten. Geprüft wird dabei unter anderem, wie sich der Ladezustand über einen Arbeitstag entwickelt, welche Stillstandszeiten für das Nachladen genutzt werden können und ob die Arbeitsleistung mit der bisher eingesetzten Maschine vergleichbar bleibt.
Wie sich ein solcher Einsatz in der Praxis bewähren kann, zeigt das Beispiel der Hansmann Kranvermietung und Restholzzerkleinerung aus Haslach. Dort wird der elektrische LiuGong 848TE beim Umschlag von Hackschnitzeln und Restholz eingesetzt.
„Wer den ganzen Tag Hackschnitzel und Restholz bewegt, braucht Leistung – nicht nur auf dem Papier. Der LiuGong 848TE liefert die Kraft sofort, fährt sich angenehm direkt und arbeitet dabei erstaunlich leise. Elektro und harter Arbeitseinsatz? Für uns passt das überraschend gut zusammen“, sagt Stefan Hansmann, Geschäftsführer der Hansmann Kranvermietung und Restholzzerkleinerung.
Ein solcher Vergleich liefert eine deutlich belastbarere Grundlage für die Beurteilung, ob sich der elektrische Antrieb im konkreten Fall rechnet, als eine allgemeine Herstellerangabe. „Entscheidend ist nicht die theoretische Reichweite, sondern die Wirtschaftlichkeit im realen Einsatz“, sagt Martin Wurst, Vertriebsleiter der Zecon Baumaschinen GmbH. „Wenn wir nach einem Praxistest belastbar sagen können, was eine produktive Maschinenstunde oder eine Tonne bewegtes Material tatsächlich kostet, hat der Kunde eine vernünftige Grundlage für seine Investitionsentscheidung.“
Die Gründung von ZECON ist damit weniger Ausgangspunkt als vielmehr Konsequenz einer zentralen Frage bei Investitionen in elektrische Baumaschinen: Es geht nicht darum, ob sich eine Maschine grundsätzlich elektrifizieren lässt, sondern darum, ob sich die Elektrifizierung unter den konkreten Einsatzbedingungen technisch und wirtschaftlich sinnvoll darstellen lässt.
Text + Bildmaterial: Hoch Gruppe
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