Henle Baumaschinentechnik // Zusammenhalt generieren und Herausforderungen meistern

Es herrschen herausfordernde Zeiten für die Unternehmen der Baubranche. Der Puffer an Altaufträgen ist abgebaut, an neuen Bestellungen mangelt es. Die Kunden erwarten innovative und immer effizientere Produkte, die Politik fordert Investitionen in Nachhaltigkeit und die wertvollen Facharbeiter sollen auch in Flautephasen auf ihre Jobgarantie vertrauen können. Wie das Familienunternehmen Henle im Spannungsfeld dieser Zerreißprobe die Zielrichtung beibehält, hat Michael Schulte im persönlichen Gespräch mit Gerhard Henle sen., Prokuristin Kathrin Henle-Bee und Prokurist Tobias Gnann erfahren. 

 

Wie laufen derzeit die Geschäfte bei Henle?

Gerhard Henle: Blicken wir ein wenig zurück. Im ersten Quartal 2023 konnten wir noch einen sehr guten Auftragseingang verzeichnen, der sich aber bis in den Herbst abgekühlt hat. Wie bei anderen Unternehmen im deutschsprachigen Raum auch war in den letzten drei Monaten ein deutlicher Rückgang spürbar. Was sich in diesem Zeitraum fundamental verändert hat, war das Kaufverhalten der Kunden, die Investitionen vermeiden bzw. zurückstellen. Auch die Wiederverkäufer haben ihr Verhalten geändert. Statt nachzubestellen, wird der Lagerbestand massiv abgebaut. Das ist für uns Hersteller ein Problem, denn dadurch fehlt eine gewisse, nötige Grundauslastung der Produktion. Das ist ein deutschlandweites Phänomen. Der Grund hierfür ist die allgemeine große Unsicherheit über alle Märkte hinweg.


Was sind die Ursachen für die Kaufzurückhaltung – immer noch Nachwirkungen von Corona, die Zinspolitik oder der Krieg in der Ukraine?

Gerhard Henle: Während der Corona-Krise hat der Boom auf dem Bau voll angehalten. Wir haben mit maximaler Auslastung produziert, konnten teilweise mit der Nachfrage nicht Schritt halten. So ging es nicht nur uns, auch alle unsere Kunden haben am Anschlag gearbeitet. Die jetzt herrschende Verunsicherung ist bedingt durch den UkraineKrieg und wurde dann noch verstärkt durch die momentane Politik und hierbei vor allem durch die Zinspolitik. Hinzu kommt eine allgemeine gedrückte Stimmungslage, die durch tägliche schlechte Nachrichten geschürt wird. Beim Thema Kaufen spielen nicht nur die harten Fakten eine Rolle, auch die psychologische Komponente spielt mit.


Mit welchen Maßnahmen steuern Sie dagegen?

Gerhard Henle: Im Vordergrund steht wie immer, und das wird auch immer wichtiger, der Zusammenhalt. Das ist bei Henle nicht nur oberflächiges Gerede, sondern wird so gelebt. Man ist eine Familie und so wird auch agiert. Wir haben betriebsbedingt noch nie Mitarbeiter entlassen müssen, auch keine Kurzarbeit beantragt, und das wird auch so bleiben. Das ist letzten Endes das, was das Unternehmen groß gemacht hat, Werte darstellt und auch ein Qualitätsmerkmal ist. Diese Wertschätzung vermitteln wir auch nach außen. Und die Kunden spüren sehr wohl, ob sie anonym, sozusagen nach Bestellnummer abgearbeitet werden oder ob sie individuell gemäß ihren Ansprüchen betreut werden. Henle denkt langfristig. Bei uns berechnet sich der Unternehmenserfolg nicht danach, was am Jahresende auf dem Konto liegt, sondern wie viel wir erwirtschaften, um in die Zukunft investieren zu können. Auch das bedeutet Nachhaltigkeit. Wir investieren zum Beispiel in eine Photovoltaikanalage oder auch in neue energieeffiziente Maschinen. Darüber hinaus ist es so, dass Arbeitsplätze geschaffen werden können. Vor allem sichere und langfristige Arbeitsplätze und somit eine nachhaltige Mitarbeiterbindung erfolgen kann. Wir spüren auch, dass unsere Kunden anspruchsvoller werden, und agieren entsprechend. Henle bietet aktuell die doppelte Produktanzahl an wie noch vor wenigen Jahren. Die Spannbreite reicht hierbei von speziellen Löffel-Geometrien oder Zahnsystemen bis hin zu einem persönlichen Logo. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass Tiltrotatoren immer mehr eingesetzt werden. Dies bedingt auch, dass die Anbaugeräte konstruktiv verändert und weiterentwickelt werden müssen. Hier wird sich für Henle eventuell ein komplett neuer Markt eröffnen. Hierfür gibt es auch bereits Partnerschaften. Eine weitere Perspektive wird sein, dass man Produktionspartnerschaften findet bzw. die bestehenden weiter ausbaut. Das Unternehmen verfügt über einen sehr modernen Maschinenpark, durch den wir von der Halbzeugfertigung bis zu komplexen Frästeilen alles abdecken können. Ein weiterer Pluspunkt für Henle ist seit jeher auch der Reparaturbereich. Hier haben wir über Jahrzehnte ein sehr hohes Know-how aufgebaut, dass wir gegenwärtig verstärkt einsetzen.


Bestes Beispiel für Innovation und Weiterentwicklung ist der Schnellwechsler QCprotect. Wie kam es zur Idee und Umsetzung?

Gerhard Henle: Letzten Endes war der ausschlaggebende Punkt eine neue Gesetzgebung in der Schweiz, welche besagt, dass Anbaugeräte bei einer Fehlverriegelung nicht mehr abfallen dürfen. Es hat dann zwar eine Weile gedauert, bis wir den richtigen Weg für die Umsetzung gefunden hatten. Letzten Endes haben wir aber die die praktikabelste Lösung gefunden mit einer oben gelagerten Aufhängung.
Tobias Gnann: Das Produkt QCprotect ist jetzt seit einer Weile im Markt und hat sich bewährt. Einer der Vorteile in der Praxis ist, dass durch die oben liegende Klaue der Baggerfahrer deutlich einfacher einfahren kann, somit ist ein einfacheres und sicheres Handling gegeben.
Gerhard Henle: Ein weiteres innovatives Projekt ist ein Konfigurator in unserer Konstruktions- und Entwicklungsabteilung, mit dem wir noch schneller auf Kundenanfragen eingehen können. Kurzfristig dient er zunächst zur internen Nutzung. Somit können Konstruktionszeichnungen in besonders dringenden Fällen innerhalb eines Tages erstellt werden. Dadurch können auch die Lieferzeiten für Individuallösungen möglichst kurzgehalten werden. Dies ist ein großer Nutzen und Vorteil, den Henle zu bieten hat. Ebenfalls ein in die Zukunft gerichteter Schritt ist die interne Digitalisierung. Dadurch werden weitere Potentiale erschlossen und die Lieferschnelligkeit und Flexibilität weiter erhöht. Insgesamt ist es ein dauerhafter interner Verbesserungsprozess aller Beteiligten, der seine Wirkung dann nach außen zeigt.


Neben Digitalisierung ist Nachhaltigkeit eines der großen Zukunftsthemen. Was unternimmt Henle?

Gerhard Henle: Die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt sind im Hause Henle breiter als allgemein üblich gefasst. Wir beziehen auch die Region mit ein und ebenso die Lieferantenbeziehungen. Wir setzen auch hier auf verlässliche, langfristige Partnerschaften und Unternehmen, mit denen man aktiv zusammenarbeiten kann. Darüber hinaus werden bei einer Neuanschaffung nur noch sehr energieeffiziente Maschinen eingekauft. Im Zuge dessen werden auch die einzelnen Produktionsschritte immer weiterentwickelt und auf ergonomische Aspekte, Energieverbrauch und Ressourcenbindung überprüft. Vor einigen Jahren wurde bereits in eine Lackieranlage investiert, welche alle Vorschriften weit übererfüllt. Mehrere Elektrotankstellen wurden vor Kurzem installiert. In Zukunft wird eine zusätzliche Photovoltaikanlage auf dem neuesten Produktionswerk in Betrieb genommen werden, die wiederum einen deutlichen Schritt zur Ressourcenschonung beiträgt bis hin zur eventuell kompletten Eigenversorgung und möglicher zukünftiger Einspeisung ins regionale Energieversorgernetz.
Kathrin Henle-Bee: Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehen Hand in Hand. So wird bei uns strikt darauf geachtet, welche Flüssigkeiten (Schmiermittel, Öle etc.) eingesetzt werden, in welcher Menge und ob diese überhaupt benötigt werden. Alle Gefahrstoffe werden zu 100 % aufgefangen.
Gerhard Henle: Ein weiteres Element waren die im Betrieb verwendeten Stapler. Diese wurden mittlerweile fast komplett gegen elektrobetriebene Fahrzeuge ausgetauscht. Alle unsere Außendienstmitarbeiter fahren ausschließlich Diesel-Hybrid-Fahrzeuge. Dieser eingeschlagene Weg muss aber auch gelebt werden. Deshalb überprüft sich das Führungskräfteteam regelmäßig und hinterfragt sich selbst und welche korrektiven Maßnahmen eventuell ergriffen werden müssen. Dass das Unternehmen hiermit auf dem richtigen Weg ist, zeigt sich unter anderem dadurch, dass Henle in der näheren Umgebung einen höheren Bekanntheitsgrad hat und beispielsweise auch schon beim Landratsamt in Ulm oder bei der regionalen IHK eingeladen war, um diese Unternehmenspolitik einer breiteren Masse vorzustellen. Eine der positiven Konsequenzen hieraus ist, dass wir es deutlich einfacher haben, neue Mitarbeiter zu finden als andere Betriebe in unserer Region. Ein sehr wichtiger Schritt zur Verbesserung und Festigung der Mitarbeiterbeziehung war die Einführung eines Gesundheitsmonates. Wir investieren sehr viel, um hierfür ein Bewusstsein bei den Mitarbeitern zu schaffen. Dies wird z. B. durch Referenten unterstützt. Auch das ist eine Form von nachhaltigem Schaffen, wenn man die Mitarbeiter an das Unternehmen bindet und deren Arbeitskraft fördert. Aber auch vermeintliche Kleinigkeiten stellen einen Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz dar. So werden beispielsweise alle verunreinigten Arbeitshandschuhe im Hause selbst gewaschen anstatt entsorgt. Im Endeffekt kann man diese jetzt dreimal länger verwenden. Viele dieser kleinen Maßnahmen bringen uns am Ende einen großen Schritt weiter in eine erfolgreiche Zukunft.

 

Text: Michael Schulte

Bildmaterial: Henle; Michael Schulte

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