Deutsche Bahn wirbt für Großprojekte im Norden

Wenn die Nordbau in diesem Jahr (13. bis 17. September) ihre Pforten in Neumünster öffnet, stehen Themen wie „digitales Bauen“ oder „Begrünung der Städte“ im Fokus. Darüber und über weitere Messe-Highlights sprach Rainer Oschütz mit Messechef Wolfgerd Jansch.

Herr Jansch, in der diesjährigen „messearmen Saison“ der Baubranche gilt die Nordbau umso mehr als wichtiger Treffpunkt für „Leute vom Bau“. Welche Schwerpunkte setzen Sie 2017?

Wolfgerd Jansch: In Vorbereitung der kommenden Nordbau fanden wie immer zahlreiche Informationsgespräche mit Bauindustrie- und Baugewerbeverband, Handwerkskammern oder Auftraggebern wie „Haus und Grund“ sowie mit den Herstellern rund ums Bauen statt. Der eindeutige Tenor dazu war: 2017 muss die „Digitalisierung am Bau“ – Building Information Modelling (BIM) – weiter bekannt gemacht und in die Breite getragen werden. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Ausstellern und Fachleuten dieses Thema in Neumünster zum „Anfassen zu machen“. Gerade jetzt ist die richtige Zeit dafür. Die Bundesregierung hat erste Pilotprojekte, die unter BIM geplant und gebaut werden sollen, ausgelobt. Das betrifft auch norddeutsche Bauprojekte. Jetzt gilt es, dass alle am Bau Beteiligten darüber informiert werden. Dazu zähle ich nicht nur die Planer oder Architekten, sondern auch die Bauherren, Handwerker und Gebäudemanager. Unser Anspruch als Fachmesse ist es, Beispiele herauszustellen, an denen die digitale Vernetzung dargestellt wird, wie zwischen Baumaschine und Baustelle. Ebenso werden Apps präsentiert, die für das Bauhandwerk interessant sind. Die Nordbau zeigt sich auch in diesem Jahr als „Tribüne für neueste Trends“ rund ums Bauen und deren Umsetzung in der Praxis.

Wo und wie kann der Interessierte etwas zur Digitalisierung erfahren?

Wolfgerd Jansch: Wir haben eine zentrale Anlaufstelle in Halle 6. Bauindustrie- und Bauverbände Niedersachsen/Bremen sowie Hamburg und Schleswig-Holstein werden vor allem Interessenten bei Rechtsfragen beraten. Dazu gibt es unter anderem viel Diskussionsbedarf seitens der Planer und der Architekten. Weiterhin wird ein BIM-Modell von der Planung bis zur Übergabe an die Gebäudemanager vorgestellt. Gezeigt wird die gesamte Entwicklungskette, wie man sich den technischen Herausforderungen am besten stellen kann. Weiterhin gibt es in den verschiedenen Ausstellungsbereichen zahlreiche Firmen, die Beispiele der Digitalisierung vorstellen. Plastisch und zum „Anfassen“ soll die Digitalisierung bei Baumaschinen, Bauabläufen, der Planung und den digitalen Hilfsgeräten dargestellt werden.

Der Messeplatz Neumünster hat sich einen Namen für spezielle Themen gemacht, die sich praxisnah um eine gesunde Umwelt kümmern. Diesmal heißt der Slogan „Grün in die Stadt“. Was erwartet die Besucher und Gäste?

Wolfgerd Jansch: „Grün in die Stadt“ ist ein weiterer Schwerpunkt zu den kommenden Messetagen. Der schleswig-holsteinische Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau und der Hamburger Verband GaLaBau kamen bereits im vergangenen Jahr auf uns zu, um 2017 zu diesem aktuellen Bautrend eine Sonderschau zu veranstalten. Dazu gehört natürlich auch die andere Seite der Medaille, die Auftraggeber wie Haus und Grund, Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, schleswig-holsteinischer Gemeindetag sowie der Bund Deutscher Landschafts-Architekten. So kam die Sonderschau mit dem Schwerpunkt Innenhofgestaltung zustande. Als typisches Beispiel wird ein Innenhof aus Kiel als Kulisse dargestellt – in Originalgröße bis zum zweiten Stockwerk. Die Aussteller zeigen mit echten Pflanzen und Bauelementen, wie ein Innenhof attraktiv und effektiv gestaltet werden kann. Damit wird für Eigentümer, aber auch für Nutzer des Wohnraums deutlich, wie mit einem höheren Wohnwert letztendlich Kosten eingespart werden können. Weniger Wohnungswechsel bedeuten weniger Leerstände und weniger Kosten für Renovierungs- und Sanierungsarbeiten. Im niederländischen Aarhus haben wir uns anhand eines solchen Beispiels überzeugen können, wie eine Wohngemeinschaft zum Wohle aller diese Trends umgesetzt hat. Es zeigt, dass alle Beteiligten mit großem Engagement sehr verantwortlich mit der Wohnimmobilie umgehen und den höheren Wohnwert zu schätzen wissen. Ein ähnliches Beispiel gibt es in Dänemark, wo die Mieter auch Innenhöfe nutzen, um beispielsweise Obst und Gemüse anzubauen. Immer mehr Grün in die Städte bringen ist letztendlich das Anliegen dieser Sonderschau. Thematisiert werden ebenfalls die teilweise heftigen Unwetter, die immer öfter auftreten. Was kann man gegen Starkregen oder Überflutung von Parkflächen machen? Dazu wird es Beispiele für Entsiegelung von Flächen und Anpflanzungen von Klimabäumen in Halle 8 geben. Dort und vor der Halle werden auch die nachhaltige Bewirtschaftung von Grünflächen, grüne Gestaltung von Innenhöfen, Baumbepflanzung in Zeiten des Klimawandels und die Trends „urban“ und „vertical gardening“, also das Gärtnern in der Stadt und an der Hausfassade oder im Innenhof, dargestellt.

Premiere auf Nordeuropas größter Leistungsschau der Baubranche hat in diesem Jahr die Deutsche Bahn. Welche Bedeutung hat das für die Bauunternehmen?

Wolfgerd Jansch: Die Deutsche Bahn AG hat in diesem Jahr ganz gezielt die Nordbau in Neumünster ausgewählt, um ihre großen Bauprojekte im norddeutschen Raum vorzustellen, die für Nordeuropa von Bedeutung sind. Dazu gehört natürlich die Fehmarn-Belt-Querung, aber auch der Umbau des Hamburger Bahnhofs Altona und weitere Neu- und Sanierungsbauten für den gesamten Verkehr auf der Schiene. Das bedeutet Milliarden von Investitionen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden müssen. Dazu will die Bahn auch kleinere und mittelständische Firmen aus Norddeutschland als Auftragnehmer gewinnen. Die Messe gilt als Plattform für erste Kontakte mit Bauunternehmen. Darüber hinaus freuen wir uns, dass der Vorstand Netzplanung und Großprojekte der Aktiengesellschaft DB Netz, Prof. Dr. Dirk Rompf, zur Messe kommt. Er und der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther werden die Nordbau 2017 eröffnen.

Bereits im vergangenen Jahr gehörte die Veranstaltung „Treffpunkt: Bauleiter & Poliere“ zu den Highlights. Seminar und Messebesuch als „Weiterbildungspaket“ kamen sehr gut bei den Führungskräften an. Setzt sich diese Erfolgsgeschichte zur kommenden Nordbau fort?

Wolfgerd Jansch: Die Anforderungen an die Bauleiter und Poliere haben sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Gründe dafür sind unter anderem die Erweiterungen der Baugesetze. Daraus ergeben sich zahlreiche Veränderungen für Führungskräfte bei der täglichen Arbeit. Der „Treffpunkt Bauleiter & Poliere“ wird in Zusammenarbeit mit der Unfallkasse Nord (UK Nord), der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) und des Verbandes der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) an allen Messetagen organisiert. Unser Ziel ist es, in jedem Jahr für Bauleiter und Poliere während der Nordbau eine Plattform zu schaffen, wo sie die wichtigsten Informationen schnell erhalten. Neben den Fachvorträgen bieten wir natürlich auch einen Messebesuch an, um praktisches Wissen zu erweitern. Die Veranstaltung im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass es dafür großes Interesse gibt. So werden die Teilnehmer auch in diesem Jahr nach einem Vortrag die Messe besuchen, um sich bei den Ausstellern über Möglichkeiten in der Praxis zu informieren. Dazu gehören beispielsweise Terra-Monitorsysteme oder Absturzsicherungen auf den Baustellen. Fragen, die sich stellen könnten – zum Beispiel: Wie gehe ich mit der Technik um? Oder: Wie kann ich sie effektiv einsetzen? – werden unter anderem den Veranstaltungsteilnehmer dann vor Ort beantwortet.

 

Text: Rainer Oschütz

Fotos: Nordbau

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