DAV/DAI // Die Asphaltbranche im nachhaltigen Wandel

Die 22. Deutschen Asphalttage (21. bis 23. Februar 2024) haben mit nahezu 1.100 Besuchern den Teilnehmerrekord des Vorjahres gehalten. Der Deutsche Asphaltverband (DAV) und das Deutsche Asphaltinstitut (DAI) boten ein dreitätiges Kongressprogramm unter dem Motto „Nachhaltigkeit und Transformation“. Es knüpfte an die Themen aus dem Vorjahr an, die an Aktualität nichts verloren haben: Nachhaltigkeit, Temperaturabsenkung, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Unternehmen im Wandel. Die begleitende Fachausstellung bot eine Bühne für Innovationen und die Gelegenheit zum Netzwerken.

Damit auch jedem einleuchtet, dass Nachhaltigkeit und Transformation das Gebot der Stunde sind, gab es zu Beginn der 22. Deutschen Asphalttage in Berchtesgaden eine LED-Lightshow. Im Anschluss begrüßte DAV-Präsident Oliver Nohse die Kongressteilnehmer.  „Wir haben uns vor einem Jahr hier in Berchtesgaden das mutige Ziel gesteckt, ab dem Jahr 2025 bei gleichbleibender Qualität nur noch temperaturabgesenkten Asphalt zu produzieren“, erinnerte Oliver Nohse das Publikum. Das Vorhaben dient sowohl dem besseren Arbeitsschutz als auch der Verringerung von CO2-Emissionen. „Es konnte seither in zahlreichen Versuchsstrecken bereits erfolgreich umgesetzt werden, aber weitere Investitionen an unseren Mischwerken müssen noch getätigt und neue Prozesse umgesetzt werden“, resümierte er. Nohse dankte „der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) und vor allem der Forschungsgesellschaft für Straßenwesen (FGSV), ohne die die kurzfristige Aufnahme dieser deutlich klimafreundlicheren Asphaltbauweise in unser zukünftiges Regelwerk nicht möglich gewesen wäre“.
 

Nachhaltigkeit als Ausschreibungskriterium

Die Eröffnungsansprache hielt Christian Bernreiter, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr. Mit Bezug auf das Motto des Kongresses sagte Bernreiter: „Auch wir als Freistaat unterstützen die nachhaltige und digitale Transformation der Bauwirtschaft.“ Zu dem Ziel, dass Bayern bis 2040 klimaneutral werden soll, gehöre auch „eine lange Nutzungsdauer und eine weitgehende Kreislaufwirtschaft unserer Baustoffe“. Sein Ressort habe daher die Bundesregierung darauf hingewiesen, dass eine einheitliche Regelung zum Ende der Abfalleigenschaft von Ausbauasphalt dringend geschaffen werden müsse. Bernreiter wies auf die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien bei Ausschreibungsverfahren hin, bei denen Bayern mit einem Pilotprojekt bundesweit Akzente setzt. „Wir habe kürzere Transportwege und höhere Wiederverwendungsquoten erreicht“, sagte Bernreiter. „Unser Ziel ist die Verwendung des ressourcenschonendsten Asphalts und der besten wiederverwendeten mineralischen Zuschlagstoffe.“ Der Deutsche Asphaltverband, der diese Ziele ebenso vorantreibt, genieße seinen „allerhöchsten Respekt für die Entschlossenheit des Verbandes und für die hohe Innovationskraft seiner Mitgliedsunternehmen“. Prof. Christian Holldorb vom Karlsruher Steinbeis-Transferzentrum Infrastrukturmanagement im Verkehrswesen (IVM) gab einen Überblick zum Stand der vom DAV initiierten Erstellung einheitlicher Muster für Umweltproduktdeklarationen (EPD) für Asphalt. „Asphaltmischguthersteller werden umso bereitwilliger in Technologien investieren, die eine nachhaltige Produktion ermöglichen, wenn sich diese Investition hinterher bei der Vergabe auch rechnet. Der große Nutzen von Instrumenten wie der EPD ist, solche Anreize zu bieten“, erläuterte Holldorb.
 

RAL-Gütesicherung für die Lagerung und Aufbereitung von Ausbauasphalt

Dr. Michael Güntner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, betonte in seiner Keynote: „Wir müssen unsere Straßen fit machen für die zunehmende Last durch Lkw und schwierige Witterungsbedingungen. Die Autobahn GmbH braucht dafür die Leistungsfähigkeit der Asphaltindustrie.“ Ausdrücklich begrüßte auch er die RAL-Gütesicherung für die Lagerung und Aufbereitung von Ausbauasphalt als „wichtigen Grundstein für eine Verbesserung der Nachhaltigkeit im Straßenbau“. Prof. Dr.-Ing. Ines Dragon stellte bei den Deutschen Asphalttagen die RAL-Gütesicherung für die Lagerung und Aufbereitung von Ausbauasphalt vor, deren Geschäftsführerin sie ist. Asphalthersteller müssten ihre Prozesse bei der Wiederverwendung von Ausbauasphalt ständig reflektieren und optimieren, sagte Dragon. Die Gütesicherung biete die Möglichkeit, „die Prozesse der Aufbereitung und Lagerung nach einem gemeinsamen Standard zu überwachen und gegenüber den Auftraggebern transparent zu machen“. Das stärke das Vertrauen und fördere die Kreislaufwirtschaft.
 

E-Mobilität und Straßen mit Mehrwert

Prof. Dr.-Ing. Markus Oeser, Präsident der Bundesanstalt für Straßenwesen, sprach über elektrische Fahrzeuge und Infrastruktur. Er zeigte Perspektiven auf, wie die Straße auch als technische Infrastruktur einen Mehrwert für die Energiegewinnung und die E-Mobilität entfalten wird. Bei einem gemeinsamen Rundgang durch die Fachausstellung besichtigten Christian Bernreiter, Michael Güntner und Oliver Nohse in diesem Zusammenhang einen Mercedes-Benz eActros 600. Ein solches Fahrzeug wurde unlängst von der Autobahn GmbH im Winterdienst getestet. Ein DAV-Mitglied hat zudem einen eActros bestellt, um ihn künftig im Schüttgut-Transport einzusetzen.
 

„Ein Land, das besser ist als jedes Deutschland zuvor“

In seiner bewegenden Festrede folgte Bundespräsident a.D. Joachim Gauck den Themen seines aktuellen Buches „Erschütterungen - Was unsere Demokratie von außen und innen bedroht“. Der russische Überfall auf die Ukraine bedroht unsere liberale Demokratie in einem Moment, in dem sie zugleich auch von innen unter Druck steht. Gauck warnte eindringlich vor einem „Verlust von Wirklichkeit aus gutem Friedenswillen heraus“ gegenüber Politikern des Typs Putin, die Macht über Menschenleben stellen. Zugleich forderte er ein Bewusstsein, die Freiheit wieder stärker zu verteidigen. Dazu gehöre auch „eine schärfere Einstellung, wenn wir gegen Elemente kämpfen, die sich rechts außen positionieren, als läge darin die Zukunft“. Es bedürfe einer politischen Kommunikation, welche die vielen Krisen und den tiefgreifenden Wandel in unserer Gesellschaft besser erläutere und glaubwürdig mache, dass die Regierung an den bestehenden Problemen arbeite. „Unentschlossenheit und Unerkennbarkeit zahlen nämlich ein auf die Angstkonten – und deutsche Menschen mögen sich fürchten.“ Dieser Furcht setzte Gauck sein optimistisches Bild von Deutschland entgegen: „Das ist immer noch ein Land, das besser ist als jedes Deutschland zuvor.“ Er legte die Früchte dieses Landes bildlich gesprochen in einen „Erntedankkorb“: freie Wahlen, freie Meinungsäußerung, rechtstreue Politiker, eine Kultur unternehmerischer Verantwortung. „Alle Achtung, das hätte ich nicht gedacht, als ich ein junger Mensch und dieses Land so ruiniert war.“ Allen Anwesenden schärfte er ein: „Und wenn Sie das nächste Mal nicht zur Wahl gehen, werde ich Ihnen im Traum erscheinen!“
 

23. Deutsche Asphalttage 2026

Die Deutschen Asphalttage in Berchtesgaden kehren, nachdem sie durch die Pandemie bedingt zum ersten Mal in ihrer Geschichte zweimal hintereinander stattgefunden haben, nun zu ihrem zweijährlichen Rhythmus zurück. Der nächste Termin ist bereits bekannt: 25. bis 27. Februar 2026.

 

 

Text: DAV/DAI
Bilder: Treffpunkt.Bau

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