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Liebherr // Energie auf Rädern: Liebherr bringt Schwung in die Elektrifizierung
Die Energiewende auf der Baustelle hat sich von der Vision zur handfesten logistischen und wirtschaftlichen Herausforderung entwickelt. Wo früher der Dieselgenerator Lücken in der Energieversorgung überbrückte, fordern heute Emissionsvorgaben und steigende Kraftstoffkosten neue Lösungen, um der mangelnden Netzinfrastruktur zu begegnen. Mit der Entwicklung und Fertigung mobiler, batteriebasierter Energiespeicher in Biberach sowie der Gründung der Liebherr Energy Solutions GmbH positioniert sich die Firmengruppe Liebherr als Weichensteller für die elektrische Transformation am Bau.
Interessanterweise lag der Ursprung des Energiespeichers Liduro Power Port (LPO) ausgerechnet in den USA – dem gelobten Land der Petrolheads, wo sich dank moderater Spritpreise auch der mächtige Durst großer Motoren vergleichsweise gut verkraften lässt. Die Initialidee lieferte 2019 die Firma Morrow, ein exklusiver Vertriebspartner für Liebherr-Turmdrehkrane in Nordamerika. Liebherr erkannte schnell das Potenzial: Baustellen leiden oft unter unzureichender Strominfrastruktur. Eine stärkere Zuleitung zu beantragen ist teuer, verzögert Projekte massiv oder ist schlicht nicht machbar. Hier setzt Liebherr an. Statt nur Maschinen zu bauen, liefert das Unternehmen nun auch Energie-Infrastruktur. Der LPO fungiert dabei als zentrales Element, um die Transformation von fossilen zu batterieelektrischen Arbeitsmaschinen aktiv zu unterstützen. Nach einer Prototypen-Vorstellung auf der bauma 2022 und einer intensiven Serienentwicklung begann die Auslieferung des LPO 100 im dritten Quartal 2024.
Wo der Batteriespeicher den Diesel schlägt – und wo nicht
Liebherr startete sein Engagement im Bereich mobiler Energiespeicher mit dem LPO 100, der optional auf einem Pkw-Anhänger montiert ist. Mit einer Kapazität von 94 kWh und einer Peak-Leistung von 110 kVA (Dauerleistung ca. 85 kVA) ist er auf die Bedürfnisse moderner Baustellen zugeschnitten. Ein wichtiges Einsatzszenario ist das sogenannte Peak Shaving, die Lastspitzenkappung. Ein klassisches Beispiel: Ein großer Turmdrehkran benötigt beim Anheben schwerer Lasten kurzzeitig sehr hohe Ströme. Ist vor Ort nur eine schwache 16-A-Leitung vorhanden, würde diese sofort überlastet. Der LPO puffert mit seiner gespeicherten Energie diese Lastspitze. Zwischen Kran und Steckdose geschaltet, hält der LPO dieses Einsatzszenario auf Dauer durch. Er lädt sich kontinuierlich über die schwache Leitung auf und stellt dem Kran bei Bedarf die volle Power von 125 A zur Verfügung.
Bei den Einsatzempfehlungen bleibt Liebherr realistisch. Der LPO ist kein Allheilmittel für unzureichende oder fehlende Strom-Infrastruktur. Er glänzt dort, wo Spitzenströme abgefangen werden müssen und die Last unregelmäßig ist. Ein Dieselgenerator müsste in solchen Fällen den ganzen Tag durchlaufen, was hohe Kraftstoffkosten und Verschleiß verursacht. Nicht zu vergessen dabei sind auch die Abgas- und Lärmemissionen. Der flexible LPO eignet sich somit vor allem für temporäre Einsätze auf Baustellen und Events – auch im Inselbetrieb. Bei Anwendungen mit kontinuierlich hohem Energiebedarf über lange Zeiträume – etwa einer Wasserpumpe, die 24/7 Grundwasser aus einer Grube fördert – stößt der Batteriespeicher jedoch an seine Grenzen. Hier ist der klassische Generator aufgrund der dauerhaft benötigten Energie oft noch die wirtschaftlichere Wahl gegenüber einem mobilen Stromspeicher.
Eine – für Anwender oft ungeahnte – Herausforderung im Alltag ist das Gefahrgutrecht. Da der LPO 100 weit über 333 kg an Lithium-Batterien an Bord hat, gilt er beim Transport auf öffentlichen Straßen als Gefahrgut. Fahrer benötigen einen ADR-Schein, das Fahrzeug muss gekennzeichnet sein und ein Notfallkit ist mitzuführen. Liebherr arbeitet hier intensiv auf politischer Ebene daran, Erleichterungen für mobile Batteriespeicher zu erwirken, ähnlich wie sie bereits für Elektroautos gelten.
Nachhaltigkeit nachgerechnet: Wenn der Geldbeutel entscheidet
Umweltschutz ist ein wichtiges Verkaufsargument, doch in der konservativen Bauindustrie zählen am Ende harte Fakten. Liebherr rechnet vor, dass sich ein LPO bereits innerhalb von zwei Jahren amortisieren kann. Die Gründe liegen in den minimalen Betriebskosten. Während ein Dieselgenerator regelmäßige Wartung (Ölwechsel, Filter, Kraftstoff) benötigt, beschränkt sich der Service beim LPO im Wesentlichen auf den Austausch von Kühlwasser und Filtern alle zwei Jahre. Der Einsatzbericht aus der Schweiz (siehe Kasten) zeigt, dass Unternehmen durch den Einsatz des LPO bis zu 2.000 l Diesel pro Monat einsparen können. Der Erfolg des LPO beschränkt sich nicht mehr nur auf den Hoch- und Tiefbau. Ein überraschend wachstumsstarkes Segment ist die Filmbranche. Unter dem Stichwort „Green Filming“ suchen Produzenten europaweit nach Möglichkeiten, Sets emissionsfrei und geräuschlos zu betreiben. In den Studios Babelsberg sorgt der Liebherr-Energiespeicher bereits dafür, dass Serien ohne dröhnende Generatoren im Hintergrund entstehen können.
Flexibilität beim Laden: Sonne, Netz oder Generator
Die Vielseitigkeit des LPO erweist sich auch in seinen Ladeoptionen. Er kann klassisch über das Stromnetz oder eine Ladesäule mit bis zu 22 kW geladen werden, verfügt aber auch über eine intelligente Generatorschnittstelle. Sinkt der Ladestand, gibt der LPO automatisch ein Signal an den Dieselgenerator, der nachlädt und dann wieder abschaltet. Besonders zukunftsweisend ist die Integration von Photovoltaik. Beispielsweise auf Baustellencontainer montierte Solarpanels können den LPO direkt speisen. So entstehen autarke Insellösungen, die kleinere Maschinen wie den batterieelektrischen Liebherr-Radlader L 507 E ohne einen Tropfen Diesel laden und Baustellen auch abseits des Stromnetzes über den Tag hinaus am Laufen halten können.
LPO: Eine Erfolgsstory mit Fortsetzung
Liebherr setzt beim LPO auf höchste Qualität, vertikale Integration und das über Jahrzehnte gewachsene Know-how, was auf dem Bau tatsächlich zählt. Display, Kontrollsysteme und Software stammen aus eigener Entwicklung, gefertigt und geprüft wird am Standort Biberach. Die LPOs erfüllen höchste Sicherheitsansprüche und sind für den harten Dauereinsatz konzipiert. Mechanische Details wie das Rollo zum Schutz der Steckdosen während der Fahrt unterstreichen den Premium-Anspruch. Um Vertrauen in die Langlebigkeit der LPOs zu schaffen, bietet Liebherr 4 Jahre Garantie auf die Batterien, mit der Option zur Erweiterung auf 8 Jahre.
Das Skript für die Fortsetzung der LPO-Story steht. Ein wichtiger nächster Schritt ist die Erweiterung des Portfolios. Neben dem LPO 100 sind kleinere Varianten und größere Versionen auf Pkw-Anhängern geplant. Auch an Großlösungen wird gearbeitet. Positiv verliefen bereits die ersten Feldtests des LPO 600 mit einem Brutto-Energiegehalt von 564 kWh und einer Peak-Leistung von 560 kVA – genug, um mehrere große Maschinen gleichzeitig zu laden. Der LPO 600 wiegt samt Container rund 12 t. In der Entwicklung sind weitere große Energiespeicher mit integrierter DC-Schnellladeinfrastruktur, die somit für die weitere Elektrifizierung größerer Maschinen die entsprechende Ladeinfrastruktur gleich mitbringen.
Aktuell befinden sich bereits über 100 LPOs im Markt, vor allem in der DACH-Region, den Niederlanden, Skandinavien und Großbritannien. Mit einer geplanten Produktion von rund 60 weiteren Einheiten in diesem Jahr festigt Liebherr seinen Anspruch, bei der Schaffung elektrischer Infrastruktur auf Baustellen eine Vorreiterposition einzunehmen.
So wird die Energiewende zum Gewinn: STRABAG spart 17.700 CHF und 27 Tonnen CO2 mit dem Liebherr LPO 100
Auf einer abgelegenen Baustelle im Waldgebiet in Rüschlikon bei Zürich zeigt STRABAG, wie die Energiewende im Tiefbau praktisch funktioniert. Bei der Rekonstruktion eines über 120 Jahre alten Trinkwasserreservoirs stand das Team vor einer großen Herausforderung: Die Netzinfrastruktur vor Ort war mit einem 16-A-Anschluss (max. 11 kW) viel zu schwach für den Betrieb von Kranen und intensiven Betonierarbeiten.
Die Lösung war der batteriebasierte, mobile Energiespeicher LPO 100 von Liebherr. Als Strombrücke speichert er kontinuierlich Energie und stellt bei Lastspitzen bis zu 110 kVA Peak-Leistung bereit. Das Ergebnis nach fünf Monaten Einsatz ist beeindruckend: 10.000 l Diesel wurden gegenüber dem Generatorbetrieb eingespart, was die Treibstoffkosten um ca. 17.700 CHF reduzierte. Und auch die Umwelt hat durch die Vermeidung von 27 t CO2 gewonnen. Zudem profitiert die Baustelle von einer erheblichen Lärmreduktion im sensiblen Waldgebiet und einem deutlich geringeren Logistikaufwand, da Diesellieferungen komplett entfielen.
„Den Energiespeicher kannten wir bereits von anderen Baustellen. Bei diesem Bauprojekt war er entscheidend, weil wir mit einem CEE 16-A-Anschluss auskommen mussten und gleichzeitig enge Betonierfenster sowie den Kranbetrieb absichern wollten. So entfallen Diesellieferungen und der laufende Aggregatbetrieb – das reduziert Logistikaufwand und macht die Abläufe deutlich planbarer“, sagt Beat Spörndli, Bauführer bei STRABAG.
Text: Manfred Zwick und Peter Hebbeker
Bildmaterial: Siehe Bildquelle
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