Webfleet // Aus operativen Verwaltern werden strategische Entscheider

2026 steht Barcelona noch mehr im Zeichen der Architektur als ohnehin schon, denn exakt hundert Jahre nach Antoni Gaudís Tod trägt die Stadt den Titel UNESCO-Welthauptstadt der Architektur. Über ihren Dächern ragt seit Februar dieses Jahres der vollendete Jesusturm der Sagrada Família empor, mit 172,5 m der höchste Kirchturm der Welt. Gaudí selbst sah sein Hauptwerk jedoch nie vollendet, denn er baute nicht auf Tempo, sondern auf Weitsicht. An seinen detaillierten Plänen und Modellen, die im Spanischen Bürgerkrieg zum Teil verloren gingen, orientiert sich der Weiterbau bis heute.

In dieser atemberaubenden Kulisse fand Webfleets diesjähriger Press Day statt. Vom 2. bis 4. Juni lud der Telematikanbieter und Bridgestone-Tochter ausgewählte Fachmedien nach Barcelona ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand nicht ein einzelnes Tool, sondern die Frage, wie Telematikdaten helfen, den Fuhrpark vorausschauender zu steuern. Der Tenor aller Vorträge war eindeutig: Aus dem operativen Verwalter von Fahrzeugen soll in Zukunft ein strategischer Entscheider werden.

Nicht nur reagieren, sondern vorausschauen

Den Rahmen setzte Jan-Maarten de Vries, President Fleet Management Solutions bei Bridgestone und CEO von Webfleet. Herkömmliches Flottenmanagement sei lange einem geradlinigeren Ansatz gefolgt: Fahrzeuge verwalten, Kosten kontrollieren und eingreifen, wenn bereits etwas schiefläuft. Mit mehr Fahrzeugen, wachsenden Datenmengen und härterem Wettbewerb erweiterte sich diese Aufgabe. Der Fuhrparkmanager verwaltet laut Webfleet nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern wird zum Datenstrategen, Risikomanager, operativen Architekten und Nachhaltigkeitsverantwortlichen in einer Person. Sein Arbeiten verschiebt sich vom reaktiven zum vorausschauenden und seine Rolle von der technischen zur strategischen. Der Blick weitet sich dabei über das einzelne Fahrzeug hinaus, von der vernetzten Flotte zu einem vernetzten Ökosystem. Eine Grenze bleibe dabei jedoch bestehen: der Mensch. Ein großer Teil der Risiken entsteht Webfleet zufolge am Steuer, und neue Werkzeuge wirken nur, wenn die Beschäftigten sie annehmen. Für die Zukunft skizzierte de Vries einen Fuhrparkmanager, der KI-gestützt vor allem Aufsicht und Strategie verantwortet.

Daten, Werkzeuge und klare Prioritäten

Daran knüpfte Michiel Ooms, Vice President Value Proposition Management bei Webfleet, an. Nachdem de Vries die veränderte Rolle des Fuhrparkmanagers umrissen hatte, zeigte Ooms, wie Webfleet diese Rolle mit seinem Produktportfolio abbilden will. Seine Botschaft war, dass die Daten, Werkzeuge und Erkenntnisse bereits da sind. Entscheidend sei nun, daraus für Fuhrparkverantwortliche und Fahrer einen konkreten Nutzen zu machen. Dafür bündelt Webfleet seine Produktentwicklung in acht Themenfeldern, von Produktivität und Sicherheit über Wartung, Compliance und Reifenlösungen bis hin  zu Plattformanbindung, Fahrzeugdaten, Datenanalyse und KI. Ooms griff drei Bereiche heraus, an denen sich der Anspruch exemplarisch zeigen sollte: Wartung, Sicherheit und die Fahrerunterstützung.

Wartung als Chance, nicht nur als Kostenfaktor

Beim Thema Wartung warb Ooms für einen Perspektivwechsel: Aus der lästigen Pflicht soll eine Chance für Wachstum werden, denn wer Ausfälle vermeidet, hält Fahrzeuge im Einsatz und kann mehr Aufträge abwickeln. Webfleet setzt den klassischen Problemen wie ungeplanten Ausfällen und steigenden Reparaturkosten eine Logik aus Erkennen, Planen und Vorhersagen entgegen. „Vehicle Diagnostics“, die „Vehicle Check App“ und das Reifendruckkontrollsystem „TPMS“ erfassen den Zustand von Fahrzeugen und Reifen. Webfleets „Service Planner“ ordnet die daraus entstehenden Aufgaben anschließend in die Einsatzplanung ein. So lässt sich früher erkennen, wann eine Wartung ohne größere Störung des Betriebs möglich ist, denn die Verfügbarkeit hänge unmittelbar mit dem Ertrag zusammen. Als nächsten Schritt zeigte Ooms die KI-gestützte „Predictive Maintenance“, die Webfleet zusammen mit dem Unternehmen Questar Auto Technologies entwickelt, um Verschleiß früher zu erkennen, Ausfälle zu vermeiden und die Gesamtbetriebskosten zu senken.

Sicherheit durch Videodaten

Als Nächstes rückte Ooms die Fahrweise in den Mittelpunkt. „Webfleet Video“ verbindet Dashcam-Aufnahmen mit Fahrdaten und erkennt per KI riskante Situationen wie die Mobiltelefonnutzung während der Fahrt oder zu dichtes Auffahren. Ein sofortiger Hinweis soll Fahrerinnen und Fahrer warnen, bevor es zum Unfall kommt. Automatisch gesicherte HD-Aufnahmen liefern zudem Kontext zu Vorfällen und helfen, unberechtigte Schadensersatzforderungen zu widerlegen. Wolfgang Schmid, Head of Central Region bei Webfleet, ergänzte: „Die Aufnahmen lassen sich wahlweise auch nur ereignisbezogen speichern. Erst die automatisierte Auswertung schafft hier die Voraussetzung für rechtskonforme Lösungen.“

Fahrer unterstützen statt nur überwachen

Über die akute Unfallvermeidung hinaus stellte Ooms Werkzeuge vor, die Fahrer im täglichen Einsatz begleiten sollen. „OptiDrive 360“ wertet unter anderem Tempoverstöße, auffällige Fahrmanöver, Leerlauf und Kraftstoffverbrauch aus und verdichtet diese Faktoren zu einer Kennzahl. Damit wird auch der Zusammenhang zwischen Fahrverhalten, Verschleiß und Verbrauch sichtbar. Darüber hinaus erfasst Webfleet den Fahrstil und Routenabweichungen, meldet ungeplante Umwege an die Disposition und gibt Fahrern Rückmeldung zu ihrem Fahrverhalten. Lenk- und Arbeitszeiten lassen sich für die Compliance und als Ermüdungsschutz dokumentieren. Aufgaben, Navigation und Kommunikation bündelt Webfleet in einer Oberfläche, in der Echtzeitübersetzungen die Verständigung in mehrsprachigen Teams erleichtern.

Die KI-Roadmap von Webfleet

Wartung, Sicherheit und Fahrerunterstützung zeigten zuvor, wie viele Daten im laufenden Fuhrparkbetrieb bereits zusammenkommen. Marc Notenboom, Director Product Management bei Webfleet, rückte deshalb die nächste Frage in den Mittelpunkt: Wie lassen sich aus dieser wachsenden Datenmenge konkrete Entscheidungen ableiten? Die von Webfleet skizzierte Entwicklungslogik folgt einer Kette. Zunächst sollen sogenannte „Insight Generators“ Muster erkennen, Entwicklungen vorhersagen und operativen Kontext aus Flottendaten ableiten. Darauf aufbauend sollen „Decision Optimizers“ diese Erkenntnisse zu priorisierten und nachvollziehbaren Empfehlungen verdichten. „KI ist kein Instrument zum Personalabbau“, betonte Notenboom, „sondern ein Beschleuniger für Wachstum.“
Wie diese Entwicklung heute aussehen kann, zeigt der in „OptiDrive 360“ integrierte KI-Assistent „Fleet Advisor“. Er beantwortet Fragen zu Kennzahlen in natürlicher Sprache und liefert dazu passende Auswertungen. Langfristig stellte Notenboom spezialisierte KI-Agenten als nächste Ausbaustufe vor. Sie könnten künftig einzelne Routineaufgaben übernehmen, etwa in der Planung, der Routenführung, im Fahrzeug- und Kraftstoffmanagement sowie in der Kommunikation.

Anticimex als Praxisbeispiel

Notenbooms Ausblick reichte damit deutlich über den heutigen Funktionsumfang hinaus. Wie sich der Grundgedanke, Daten in konkretes Handeln zu übersetzen, mit bestehenden Tools im Fuhrpark auswirkt, zeigte der Kundenbesuch bei Anticimex in Sant Cugat del Vallès in der Nähe von Barcelona. Das schwedische Unternehmen für Schädlingsbekämpfung und Umwelthygiene setzt in Spanien rund 800 Fahrzeuge ein. Die Telematikplattform Webfleet ist nach Unternehmensangaben in rund 70 % der Flotte im Einsatz. Für die Analyse von Fahrverhalten und Verbrauch nutzt Anticimex Webfleets „OptiDrive 360“. Die Einführung war dabei nicht allein eine technische Aufgabe. Anticimex informierte die Beschäftigten vorab umfassend über die Veränderungen. Unternehmensangaben zufolge wurden diese positiv aufgenommen, weil die Techniker die Telematik als Unterstützung im Arbeitsalltag wahrnahmen. Damit zeigte sich genau die Grenze, die de Vries benannt hatte: „Die Technik wirkt nur, wenn die Menschen sie annehmen.“ Anticimex verbindet die Auswertung deshalb mit einem Gamification-Programm, das besonders effiziente und sicherheitsbewusste Fahrerinnen und Fahrer mit Prämien belohnt. Innerhalb von sechs Monaten sank der Kraftstoffverbrauch laut Anticimex um rund 5 %. Bei einem Jahresverbrauch von etwa einer Million Litern entspricht dies einer jährlichen Einsparung von rund 50.000 Euro. „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen einer sicheren und einer kraftstoffsparenden Fahrweise“, so Notenboom im Rahmen des Kundenbesuchs.
Seine CO2-Emissionen konnte Anticimex insgesamt um 32 % senken, führt dies jedoch auf die Kombination aus Flottendigitalisierung, dem Einsatz von Nexa Diesel in rund der Hälfte der Fahrzeuge sowie der schrittweisen Elektrifizierung zurück. Dies gelang laut Anticimex trotz einer um 10 % gewachsenen Flotte. Für sein nachhaltiges Flottenmanagementmodell erhielt Anticimex im November 2025 vom spanischen Flottenmanagerverband AEGFA eine Auszeichnung für technologische Innovation und Digitalisierung.

Weitsicht statt Schadensbegrenzung

Der Annual Press Day zeigte damit keine einzelne Lösung für alle Fragen im Fuhrpark, sondern einen gemeinsamen Anspruch: Daten aus dem täglichen Betrieb sollen zu früheren, klareren Entscheidungen führen. Ob Wartung, Fahrverhalten, Sicherheit oder Einsatzplanung: Entscheidend ist nicht allein, was ein System erkennt, sondern welche Aufgabe daraus entsteht und ob die Beschäftigten den Nutzen mittragen. Der Fuhrparkmanager bleibt verantwortlich, soll künftig aber weniger auf Probleme reagieren und stärker vorausschauend steuern.

 

Autorin dieses Textes ist Gloria Schaffarczyk

Anzeige


Anzeige

Reisch Skyscraper Juli (gu)

Anzeige

FRD Leaderboard-Banner 694x130 März bis September 2026 (bm)

Social Media

Aktuelle Ausgabe

Anzeige

Europrotec/Kettenhans Mai-August 2026 Contentbanner 325x325 (da)

Anzeige

Kässbohrer Mai-Juli Contentbanner 325x325 (dk)

Anzeige

Komatsu / Monat Juli 2026 (bm)

Newsletter

Bleiben Sie stets auf dem Laufenden mit dem Treffpunkt.Bau-Newsletter.

Erfahren Sie brandaktuelle Meldungen aus erster Hand. Zudem erhalten Sie mit der Anmeldung zum Newsletter kostenfreien Zugang zu unserem E-Paper.