Zeppelin // Wachstum trotz Gegenwind

Mit einem Umsatz von 4,4 Mrd. Euro, einem Ergebnis vor Steuern von 135 Mio. Euro und der größten Akquisition der Firmengeschichte hat die Zeppelin Gruppe ein bewegtes Geschäftsjahr 2025 hinter sich. Wie es nun weitergeht, erläuterten unter anderem Vorstandsvorsitzender Matthias Benz und CFO Christian Dummler beim Medientag am 15. April 2026 in der Konzernzentrale in Garching bei München.

Wachstum trotz Gegenwind, so ließ sich der diesjährige Medientag der Zeppelin Gruppe in Garching gut auf den Punkt bringen. „Wir schaffen Wachstum“, lautete die Überschrift, die Vorstandsvorsitzender Matthias Benz für die Veranstaltung gewählt hatte, „und zwar nicht trotz der Veränderungen, die wir alle täglich beobachten, sondern weil wir unseren Kunden Lösungen bieten, diese Veränderungen zu meistern und zu gestalten.“ Mit einem Umsatz von 4,4 Milliarden Euro (+16 %) und einem Ergebnis vor Steuern von 135 Millionen Euro (+26 %) schloss der Vertriebs- und Serviceanbieter das vergangene Geschäftsjahr ab. Der Auftragseingang stieg um 24 % auf 4,5 Milliarden Euro, die Investitionen kletterten um 148 % auf 801 Millionen Euro. Der operative Cashflow legte um 40 % auf 410 Millionen Euro zu, und das Eigenkapital lag bei rund 1,3 Milliarden Euro. „2025 war wirtschaftlich ein solides Jahr“, ordnete Benz die Entwicklung ein. Trotz eines insgesamt flachen Marktumfelds habe Zeppelin sowohl den Umsatz halten als auch das Ergebnis leicht steigern können. Zugleich sei das Jahr von „wichtigen Weichenstellungen“ geprägt gewesen.


PEPP Group treibt die Bilanz

Die wohl bedeutendste dieser Weichenstellungen war die Übernahme der niederländischen PEPP Group B.V., der mit 530 Millionen Euro Enterprise Value größte Zukauf der Firmengeschichte. Mit der Akquisition übernahm Zeppelin den Vertrieb und Service von Caterpillar-Produkten in den Niederlanden und Norwegen. Sie brachte rund 2.000 zusätzliche Mitarbeitende und etwa 1,1 Milliarden Euro Umsatz ein. Bei voller Konsolidierung rechnet die Gruppe für 2026 mit einem Konzernumsatz von rund fünf Milliarden Euro. „Wir haben unsere Marktposition weiter gestärkt, unsere internationale Präsenz ausgebaut und damit die Grundlage für weiteres nachhaltiges Wachstum gelegt“, so Benz. Die Integration verlaufe hervorragend.

Eine weitere strukturelle Weichenstellung betraf die Organisation selbst: Zeppelin bündelte im vergangenen Jahr seine bisher fünf Strategischen Geschäftseinheiten zu vier neuen: Construction Industry & Mining, Rental, Power Systems und Plant Engineering. Der neue Zuschnitt soll für klarere Verantwortlichkeiten, eine stärkere Kundenorientierung und mehr Effizienz sorgen.

Das Kerngeschäft Construction Industry & Mining legte zu: Der Umsatz stieg um 15 % auf 2,4 Milliarden Euro, der Auftragseingang sogar um 30 %. Ein wesentlicher Impuls kam von der bauma 2025, auf der Zeppelin auf rund 10.000 m² Ausstellungsfläche etwa 1.400 Maschinen mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro verkaufte und rund 9.000 Lead-Kontakte generierte. Noch dynamischer entwickelte sich Power Systems mit einem Umsatzplus von 56 % und einem Ergebnissprung von 80 %, getragen von hoher Nachfrage nach Energie-, Antriebs- und Serviceleistungen. Die finanzielle Stabilität bestätigte ein Investment-Grade-Rating von BBB+ mit stabilem Ausblick. „Gerade in wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine solide finanzielle Aufstellung ist“, betonte Christian Dummler, Geschäftsführer und CFO.


Zwei Geschäftseinheiten unter Druck

Differenzierter fiel die Bilanz in den übrigen Bereichen aus. Im Mietgeschäft Rental konnte Zeppelin den Auftragseingang stabil halten und setzte gezielt Akzente bei nachhaltigen Lösungen, Baulogistik und Digitalisierung. Spürbar war jedoch ein Margendruck, das EBT ging um 15 % auf 33 Millionen Euro zurück. Deutlich schwieriger ist die Lage im Anlagenbau. Die Geschäftseinheit Plant Engineering verzeichnete einen Auftragsrückgang von 23 % auf 347 Millionen Euro, der Umsatz sank um sieben Prozent auf 437 Millionen Euro. Benz machte unmissverständlich klar, dass es sich nicht um eine konjunkturelle Schwäche handle: „Das ist keine Konjunkturkrise. Das ist eine strukturelle Veränderung der Märkte.“ Wesentliche Kundensegmente wie die Polyolefin- und die Reifenindustrie wanderten infolge hoher Energiepreise aus Deutschland ab, vor allem in die USA und nach China. Akuter Stellenabbau drohe am Stammsitz Friedrichshafen zwar nicht, dennoch sei der Bereich in einer erheblichen Transformation. Mit dem Betriebsrat führe man konstruktive Gespräche.


Megatrends als strategische Antwort

Wo strukturelle Veränderungen Geschäftsfelder schrumpfen lassen, eröffnen sich an anderer Stelle neue. „Wir sehen uns vermehrt angefragt als der Partner in diesen bewegten Zeiten“, so Benz, „und nicht nur in den traditionellen Märkten der Bauindustrie, sondern auch insbesondere im Bereich Energie und im Bereich staatlicher Akteure und Energieversorgung.“ Für sein künftiges Wachstum setzt Zeppelin konsequent auf ein Portfolio entlang globaler Megatrends.

Vier Impulsfelder stehen im Fokus: Infrastrukturwende und Transformation im Bau, Energiewende, Digitalisierung und KI sowie Fachkräfte und soziale Verantwortung. Hinzu kommen Aktivitäten im Bereich Resilienz und Verteidigung, in dem Zeppelin nach eigenen Angaben bereits seit Jahren tätig ist, von Cat Defense Equipment für staatliche Akteure über Antriebssysteme für die Marine bis hin zu mobiler Infrastruktur und Logistik. „Zeppelin wird keine Defense-Firma“, stellte Benz klar. „Wir bieten Lösungen für Probleme und Herausforderungen, die wir heute haben.“

Mittelfristig will der Konzern seine Umsatzrendite von aktuell 3,0 auf 6 % verdoppeln. Wie greifbar die Strategie bereits heute ist, zeigte der Rundgang Zeppelin Live auf dem Werkshof in Garching. An den Stationen demonstrierte das Unternehmen sein Spektrum: vom Cat-906-Kompaktradlader vor einem systematisch sortierten Anbaugeräte-Lager über ein vollelektrisches Servicefahrzeug auf VW-ID.-Buzz-Basis bis hin zu Cat-Marine-Batterien, einem Cat-C9.3B-Industriemotor und Microgrid-Konzepten von Zeppelin Power Systems. Besondere Aufmerksamkeit zog der H2-Hybrid-Container auf sich, eine standardisierte Containerlösung mit PEM-Brennstoffzelle, Lithium-Ionen-Batterie und Wasserstoff-Flaschenbündeln, die emissionsfreien Strom für stationäre, mobile und maritime Anwendungen liefert.


Köln wird zum Service-Drehkreuz

Ein ebenso klares Bekenntnis zum Standort Deutschland ist die Rekord-Einzelinvestition für ein neues Logistikzentrum in Köln Porz-Eil. Auf 52.000 m² Grundstück und 16.400 m² Nutzfläche entsteht bis 2027 ein hochmoderner Hub mit automatisierter Logistik. Spatenstich war im Oktober 2025, 100 bis 125 Mitarbeitende werden hier arbeiten. Künftig sollen 98 % der Ersatzteile innerhalb von 24 Stunden verfügbar sein, ergänzt um das Serviceversprechen Same Day Fix. „Es hätte auch andere Locations gegeben in Europa, aber wir wollten nach Köln“, betonte Benz.


Vorbereitet auf Verwerfungen

So selbstbewusst die Investitionsentscheidungen wirken, den Jahresauftakt 2026 bezeichnet die Gruppe als durchwachsen. Neben einem langen Winter und einem spürbaren Margendruck belastet vor allem das geopolitische Umfeld die Aussichten. „Seit einer Woche haben wir einen Krisenstab, der jeden Freitag tagt“, berichtete Benz. Das Gremium befasst sich mit der Lage im Mittleren Osten, monitort Treibstoffpreise und hat einen Treibstoffvorrat für zwei Wochen angelegt. „Das ist der größte Energiepreisschock, den wir je gesehen haben. Und das wird auch nicht in sechs Wochen vorbei sein“, so Benz weiter. Trotz steigender Zinsen am langen Ende und absehbarer Preissteigerungen bei Maschinen sei bislang kein einziger Auftrag storniert worden. Am Umsatzziel von rund fünf Milliarden Euro für 2026 hält die Gruppe fest. „Dennoch sollte Zeppelin auch 2026 auf Wachstumskurs bleiben, sofern sich keine noch größeren Verwerfungen auftun“, so Benz.


Neuer Niederlassungsleiter in Garching

Mitte April hat Henning Jansen die Leitung der Zeppelin-Niederlassung Garching übernommen. Der Vertriebsprofi ist seit 2015 bei der Zeppelin Baumaschinen GmbH tätig, zuletzt als Verkaufsleiter im Konzernkundenbereich. Dort verantwortete er die Betreuung strategischer Großkunden, insbesondere im Recyclingsektor, und setzte Schwerpunkte beim systematischen Ausbau der Marktpräsenz und bei digitalen Vertriebsprozessen.


Text: Gloria Schaffarczyk & Bernd Mair 
Bildmaterial: Siehe Bildquelle

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