Wie aus Abfall flexibles Baumaterial wird

Wie aus Abfall flexibles Baumaterial wird

Das Unternehmen Betonblock wurde im Jahr 1996 von Bart Jerom van Olst gegründet. Als ehemaliger Lohnunternehmer war er mit der Aufgabe beauftragt, Restbeton in einer Deponie zu entsorgen. Dabei beschäftigte ihn die Frage, was er mit dem überschüssigen Beton machen sollte. Ihn zu deponieren kostete Geld und verbrauchte logistische Ressourcen. So kam er auf die Idee der Betonblöcke: Recycelter Beton als neues Baumaterial. Da das Produzieren einer Gießform zur damaligen Zeit ein kostspieliges Unterfangen darstellte, entschied er sich dazu, sich die Stahlformen selbst herzustellen. Das Geschäft entwickelte sich gut und so wurde aus einer kleinen Firma ein mittelständisches Unternehmen mit 162 Mitarbeitern und zwei Niederlassungen in den Niederlanden sowie einer Niederlassung in Bulgarien. Doch nicht nur Restbeton lässt sich mit den Betonblockformen gut verwerten. Besonders mineralische Reststoff­e aus selektivem Rückbau eignen sich perfekt für die Verwertung in den Betonblöcken.

Entdeckung eines neuen Recycling-Konzeptes

Auf der Bauma 2013 ist auch Mario Nestler, Geschäftsführer der Nestler Firmengruppe, auf das Recycling-Konzept der Betonblöcke aufmerksam geworden. Das Unternehmen ist ein leistungsstarker Partner für Containerdienst, Schüttgüter, Abbruch, Tiefbau, Garten- und Landschaftsbau, Verwertung und Recycling von Abfällen im Großraum Dresden, aber auch über die sächsischen Landesgrenzen hinaus. Seit 2010 ist Nestler bei der Nordmineral-Recycling GmbH beteiligt, einer der größten und leistungsfähigsten Abfallbehandlungsanlagen in Dresden, speziell im Bereich der Annahme von mineralischen Abfällen und deren Aufbereitung zu qualifizierten Recyclingbaustoff­en. Den dort produzierten Abfall hatte man bis zur Entdeckung der Betonblöcke unter Aufwendung finanzieller und logistischer Ressourcen auf Deponien entsorgen müssen. 2014 starteten Betonblock und Nestler ihre Kooperation: Seit diesem Zeitpunkt produziert Nestler mit der Mischanlage der Firma Betonblock und mittlerweile 30 Gießformen, die sogenannten „Nestler-Blöcke“. Mit dem zertifizierten Produkt trägt die sächsische Firma dazu bei, das Kreislaufwirtschaftsgesetz mit Leben zu erfüllen.

Neues Produkt aus mineralischen Reststoff­en

Grundsätzlich wird der Nestler-Block zu 2/3 aus Recyclingmaterial hergestellt. Hauptbestandteile sind dabei Mauerziegel bzw. Dachziegel, Keramik und Beton welche aus Abbruchleistungen von Objekten stammen. Diese werden dann auf der Nordmineral Recycling in die jeweiligen Korngrößen aufbereitet und gebrochen. Beide Zuschlagstoffe, der 0-8 Ziegel RC, Sand und der 8-32 Ziegel RC werden dann in Boxen am Produktionsstandort zwischengelagert und zu Nestler-Betonblöcken weiterverarbeitet. Aus wirtschaftlichen Gründen ist dieser Standort besonders vorteilhaft, da sich ein Teil der Zuschlagstoff­e, die zur Produktion der Betonblöcke notwendig sind, bereits vor Ort befindet. Für die Festigkeit der Blöcke wird neben dem Recyclingsplitt und -sand, Wasser und Zement benötigt, der aus externen Quellen kommt. Die Produktion der Nestler-Blöcke erfolgt über eine Rezeptur, nach der die Blöcke zertifiziert worden sind. Um der Zertifizierung (Reg.-Nr. PZ-31.223.00-9.9 und -9.10) zu entsprechen und eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, unterliegen die Betonblöcke einer ständigen Überwachung, sowohl firmeneigen als auch durch zuständige zertifizierte Prüfstellen. So konnte das Unternehmen Nestler mithilfe der Gießformen nicht nur Deponie- und Transportkosten mindern, sondern gleichzeitig ein neues, ‑flexibles Baumaterial erzeugen.

Flexibles Bausystem aus Stapelblöcken

Der Fall Nestler beweist, dass sich die Anschaff­ung der Betonblock-Gießformen speziell für betonproduzierende Unternehmen und Recyclingbetriebe lohnt. Das mit den Formen gewonnene Endprodukt ist vielfältig einsetzbar, denn wenn eine Betonkonstruktion nach Wunsch verändert werden kann, ergeben sich Baumöglichkeiten, die mit gegossenem Beton nicht durchführbar sind. Durch das Gewicht der Betonblöcke, die Noppen auf der Oberseite und die dazu passenden Vertiefungen auf der Unterseite können die Blöcke stabil übereinander gestapelt werden. Durch ihre spezielle Beschaffenheit eignen sie sich optimal für provisorische oder dauerhafte Bauten. Mit den Betonblöcken können beispielsweise Schüttgutboxen, Trennwände, Fahrsilos und Lagerhallen aufgebaut werden, die sich jederzeit flexibel umsetzen lassen. Darüber hinaus eignen sich die Betonblöcke auch als Brandschutzwände, Hochwasserschutz sowie als Lärm- und Sichtschutz.

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