Gegenwart und Zukunft am Bau

Gegenwart und Zukunft am Bau

Ganz im Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung steht die Nordbau 2018 (5. bis 9. September) in Neumünster. Am praktischen Beispiel einer Straßen- und Tiefbaubaustelle können Interessierte Bedienung und Vernetzung von Maschinen und Geräten simulieren. Über weitere Messe-Highlights und ein attraktives Messegeschehen sprach Rainer Oschütz mit Wolfgerd Jansch, Leiter Messe Nordbau.

 

Herr Jansch, aktuelle, spannende Themen rund ums Bauen sind Jahr für Jahr Markenzeichen der Nordbau. Was steht 2018 auf der Visitenkarte von Nordeuropas größter Baufachmesse?

Wolfgerd Jansch: Nach dem letztjährigen Sonderthema ‚Bau digital – zum Anfassen‘ war der Wunsch bei vielen Besuchern und Ausstellern groß, über dieses wichtige Arbeitsfeld unter einem speziellen Blickwinkel sehr praxisbezogen und zum Anfassen zu informieren. Die Bauindustrieverbände Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen drängten darauf, vor allem die Baumaschinenführer und Handwerker über die Handhabung der Geräte und über die Möglichkeiten zur Arbeitserleichterung bei einer ‚digitalen Baustelle‘ zu informieren. Der ‚Verband der Baubranche, Umwelt- u. Maschinentechnik‘ (VDBUM) wird zusammen mit dem Ausbildungszentrum Rostrup aus Niedersachsen das Sonderthema auf der Nordbau umsetzen. Dies ist übrigens auch für Bauleiter und Poliere eine wichtige Unterstützung, die hier auf der Nordbau wieder ihren Jahrestreffpunkt veranstalten wollen. Spezielle Simulatoren und Geräte stellen beide Organisatoren auf der Nordbau zur Verfügung, damit Handwerker und Baugeräte-Bediener das Arbeiten der Zukunft mit digitaler Unterstützung ausprobieren können.

 

Auf dem Freigelände präsentieren Baumaschinenhändler und Hersteller mit Neu- und Weiterentwicklungen „intelligente Maschinen“, die nicht nur für die Einsparung von Kraftstoff Voraussetzung sind, sondern auch reibungslose Bauprozesse garantieren. Aus Journalistensicht wieder eine neue Qualitätsstufe auf der Nordbau?

Wolfgerd Jansch: Der VDBUM und das Ausbildungszentrum Rostrup bereiten in enger zusammenarbeit mit den Herstellern und Ausstellern dieses Sonderthema so vor, dass es wirklich praxisnah ausgerichtet ist. Deshalb ist es für Inhaber bauausführender Firmen eine exzellente Gelegenheit, wichtige Mitarbeiter, besonders diejenigen, die auf der Baustelle agieren, vom 5. bis 9. September 2018 auf die Messe zu schicken, damit sie Informationen bekommen, die begeistern und fit machen für schlanke und effiziente Arbeitsabläufe.

 

Dass die Nordbau nicht nur eine Fachmesse ist, sondern auch als eine Tribüne für Erfahrungsaustausch der verschiedenen Baubereiche gilt, das ist weit über Norddeutschland hinaus bekannt. Was steht diesmal auf der Agenda?

Wolfgerd Jansch: Im Rahmen der Nordbau Neumünster finden mittlerweile über 40 Fortbildungsveranstaltungen und Seminare mit rund 4.500 Fachteilnehmern jährlich begleitend statt. Die Auswahl der Themen und Referenten könnte nicht besser und qualifizierter sein, und trotzdem machen die organisierenden Verbände jedes Jahr nochmals eine inhaltliche Steigerung möglich. Die Architekten- und Ingenieurkammer hatte im letzten Jahr so viel Erfolg mit ihren überbuchten Fortbildungsseminaren zu dem Thema BIM (Building, Information, Modeling), dass sich in diesem Jahr wieder viele Kammermitglieder und Teilnehmer diesen Treffpunkt gewünscht haben. Kein Wunder, schließlich sind die Veranstaltungen mit deutschen und internationalen Referenten top besetzt. Der anschließende Lounge-Abend der Architekten und Ingenieure, der bis spät in den Abend andauerte, rundete den positiven Eindruck bei Organisatoren und Teilnehmern perfekt ab.

 

Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Volle Auftragsbücher der Bauunternehmen sind die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht der dringende Wunsch nach Fachkräften und Nachwuchs für den Bau. Wie spiegelt sich das während der Messetage wider?

Wolfgerd Jansch: Vor rund sechs Jahren wurde mit Unterstützung eines Industriepartners und Ausstellers sowie verschiedener bauwirtschaftlicher Verbände die erste übergreifende Nachwuchswerbung und imagefördernde Veranstaltung ‚Faszination Bauberufe – nordjob bau‘ durchgeführt. Danach haben einige andere Akteure in Deutschland diesen Impuls und das Herangehen an Jugendliche aufgegriffen und ebenfalls dazu beigetragen, dass immer mehr junge Menschen Berufe im Bau wieder verstärkt als interessante und attraktive Alternative zu anderen Berufsausbildungen sehen. Diese Einstellung setzt sich zum Glück vor allem auch immer mehr bei Lehrern durch. In diesem Jahr sind die Partner dieser Aktion einen weiteren Schritt in Richtung Aktualität der Ansprache an Jugendliche und Schüler gegangen: Der YouTube-Star, Jean Pierre ‚JP‘ Kraemer, wird am Tag der Nachwuchswerbung, am Messedonnerstag, auf der Nordbau vor Ort sein. Seine Videos sind nicht nur für junge Menschen begeisternd, sondern haben eine immense Nachhaltigkeit. Noch Wochen und Monate nach der ersten Veröffentlichung mit Hundertausenden an Zuschauern werden diese Videos in einer Anzahl aufgerufen, die man in früheren Zeiten nicht für möglich gehalten hätte. Das ist der Weg in die Zukunft, um Jugendliche für Bauberufe zu begeistern – denn bauen und etwas erschaffen ist begeisternd.

 

Große Bauvorhaben werden in den nächsten Jahren das Baugeschehen in Norddeutschland bestimmen. Welche Rolle spielt dabei der Messestandort Neumünster?

Wolfgerd Jansch: Die größte Baufachmesse im nördlichen Europa ist gleichzeitig die einzige in Deutschland, welche Baumaschinen, Baugeräte, Baustoffe, Bauelemente, Heiz- und Energietechnik, Nutzfahrzeuge Bau und die Kommunal- und Umwelttechnik vereint. Damit orientiert sich die Nordbau an den Ansprüchen mittelständischer Handwerksbetriebe, aber auch an denen der größeren Baukonzerne sowie deren Auftraggebern – ob öffentliche oder private Bauherren. Außerdem liegt die Nordbau genau in der Mitte zwischen den beiden Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen. Im Großraum dieser beiden aufstrebenden Wirtschaftsräume wird in Zukunft der wahrscheinlich größte Infrastrukturknotenpunkt Europas entstehen: Warenströme werden zwischen Ost- und Westeuropa über Wasserstraßen und Ostsee verschifft, Energieströme zwischen dem Norden Deutschlands und Skandinavien geleitet. Der Güter- und Straßenverkehr wird über die neuen Verbindungen zwischen Skandinavien und Deutschland fließen. Hierbei sind vor allen Dingen konkret der gewaltige Ausbau des Nord-Ost-Seekanals als meistbefahrene Wasserstraße der Welt sowie das europäisch-dänisch-deutsche Großprojekt Fehmarnbelt-Querung von Bedeutung.

 

Verraten Sie unseren Lesern, welche Gäste aus Politik und Wirtschaft das Messegeschehen im September eröffnen werden?

Wolfgerd Jansch: In Anlehnung an die bereits genannten Inhalte wird neben dem Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Daniel Günther, Seine Exzellenz der Botschafter Dänemarks aus Berlin, Friis Arne Petersen, sowie der neue Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, und der Vorsitzende von Deutschland baut, Udo Berner, die 63. Nordbau mit sehr interessanten Beiträgen offiziell eröffnen. Die Eröffnungsgäste und wir freuen uns sehr über deren Teilnahme und Aussagen.

 

 

Text: Rainer Oschütz

Bilder: Nordbau, Rainer Oschütz

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